Anlaufstelle für alle Bürger

Aus einer preisgekrönten Idee wird am 21. März Wirklichkeit. An diesem Termin ist in Neuhütten, der Siegergemeinde beim Kreiswettbewerb "Lebendige Dörfer", die Eröffnung des Bürgerbüros im Bürgerhaus geplant. Die Anlaufstelle für alle Neuhüttener soll ab dann jeden Montag besetzt sein.

Neuhütten. Mit der Aussicht, "dass wir weniger und älter werden", wie es Ortsbürgermeister Peter Kretz formuliert, ist die Gemeinde Neuhütten nicht allein. Doch eben weil der sogenannte demografische Wandel mit einem Schwund der Bevölkerung an der zurzeit circa 900 Einwohner zählenden Hochwaldkommune nicht vorbeigehen wird, haben sich Kretz und sein Rat schon vor einiger Zeit die Frage gestellt: "Warten wir einfach ab, wie unser Dorf in zehn oder 20 Jahren aussieht oder suchen wir nach Wegen und Chancen, unser Dorf heute schon so zu gestalten, dass wir auch in Zukunft froh sind, genau hier zu leben?"

Stillstehen bringt nichts



Die Antwort war, dass still stehen nichts bringt. Das wiederum hat die Neuhüttener zur Teilnahme am Kreiswettbewerb Lebendige Dörfer bewegt, den sie 2010 gewonnen haben (der TV berichtete).

Aus den vielen Ideen, die in der Folge mit Hilfe von Beate Stoff, der Fachfrau für Dorfmoderation gesammelt wurden, sind schon einige handfeste Ergebnisse entstanden. Kurz vor Weihnachten kam die erste Ausgabe der Dorfzeitung heraus, in der unter anderem der Kultur- und Karnevalsverein und der Kindergarten Max und Moritz vorgestellt wurden. Der Arbeitskreis "Mach mit" hat bereits zu ersten Wanderungen eingeladen. Er hat sich zudem im Frühjahr Pflanzaktionen vorgenommen. Außerdem plant er zwei Artenschutzprojekte - nämlich den Bau eines Schwalbenhauses im Ortsteil Muhl und eines "Insektenhotels" im Hauptdorf.

An erster Stelle stand bei allen Überlegungen jedoch die Einrichtung eines Bürgerbüros, das als Anlaufstelle für alle Einwohner von Neuhütten dienen soll. "Die Leute sollen wissen, dass es hier im Ort einen festen Platz gibt, zu dem sie zu einer festen Zeit mit ihren Belangen hingehen können", sagt Kretz.

Mit den Planungen für dieses Bürgerbüro ist der eigens gegründete Arbeitskreis inzwischen auf der Zielgerade angelangt.

Am 21. März soll das Bürgerbüro eröffnet werden. Ab dann wollen zunächst acht ehrenamtliche Helfer montags von 15 bis 18 Uhr immer paarweise für die Anliegen der Neuhüttener da sein. "Unser Motto ist: Wir müssen nicht alles wissen, aber wir kümmern uns drum", sagt Peter Hagelmoser, einer der Freiwilligen (siehe Extra).

Seinen Platz wird das Bürgerbüro im Foyer und im kleinen Saal des Bürgerhauses "Am Dollberg" finden. Die ursprüngliche Idee, es im Zusammenhang mit der geplanten Kindergartenerweiterung im Untergeschoss eines neuen Anbaus vor der Tagesstätte unterzubringen, hat die Gemeinde aus Kostengründen verworfen. Die jetzt gefundene Lösung bedeutet, dass nur einige Einrichtungsgegenstände neu angeschafft werden müssen. "Wir werden mit Ausgaben von weniger als 5000 Euro auskommen", sagt Kretz. Für den Ortsbürgermeister ist das ein wichtiger Aspekt. "Wenn wir mit dem neuen Bürgerbüro eine Bauchlandung hinlegen würden, was wir natürlich nicht hoffen, dann hätten wir wenigstens kein Geld versemmelt. Bei einem Neubau wäre das hingegen etwas ganz anderes."

Meinung

Vorbildliche Idee

Neuhütten ist - betrachtet man nur die materielle Seite - ganz sicher kein reiches Dorf. In der Gemeindekasse fehlt das Geld an allen Ecken und Enden, weil die Kommune kaum eigenen Wald, nur wenige Gewerbebetriebe und keine Windräder hat. Das allerdings ist nur die halbe Wahrheit. Denn Neuhütten ist sehr wohl ein reiches Dorf. Wenn es um das Gemeinwohl geht, packen im Ort viele Menschen mit an. Das beste Beispiel dafür ist der Bau des Neuhüttener Bürgerhaus-Pavillons, der wegen Hunderter freiwilliger Helferstunden vor zwei Jahren beim landesweiten Ehrenamtstag als "vorbildliches Projekt" ausgezeichnet wurde. Die jetzt geplante Einrichtung des Bürgerbüros fügt sich nahtlos in diese Reihe ein. Es ist eine gute Idee, das Miteinander im Ort weiter zu stärken, weil im Bürgerbüro Bewohner aller Altersgruppen aufeinandertreffen und ins Gespräch kommen können. Dass sie auch mit diesem neuen Vorhaben Erfolg haben, ist den Neuhüttenern sehr zu wünschen. a.munsteiner@volksfreund.deExtra Geplante Angebote: Im Bürgerbüro soll es unter anderem Informationen zu Veranstaltungen in Neuhütten und Umgebung oder über die Aktivitäten der Ortsvereine geben. Eine wichtige Rolle spielen Gesundheitsfragen. Vor allem für die älteren Bürger sollen Kontakte zu Sozialstationen oder Pflegediensten vermittelt werden. Auch Vorträge von Fachleuten, etwa von einem Notar zum Thema Betreuung, sind geplant. Im Bürgerbüro wird ein Computer mit Internetanschluss zur Verfügung stehen. Schließlich soll es auch die Funktion einer kleinen Tourist-Information erfüllen. Wegen des nahen Saar-Hunsrück-Steigs sollen dort insbesondere Wanderer erfahren, wo sie im Ort einkehren und übernachten können. Damit diese Informationen auch außerhalb der Öffnungszeiten zugänglich sind, wird zudem am Bürgerhaus eine Tafel aufgestellt. In späteren Schritten ist unter anderem eine Ehrenamtsbörse für Nachbarschaftshilfe angedacht. Dort könnten sich beispielsweise ältere Menschen melden, wenn sie kein Auto fürs Einkaufen haben und eine Mitfahrgelegenheit suchen. (ax)