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Anrainer halten am Gleiskauf fest

Mit Unverständnis kommentieren die betroffenen Bürgermeister die Entscheidung des Wirtschaftsministeriums, dass der Erhalt der Hunsrückquerbahn kein vordringliches Projekt ist. Sie wollen den Erwerb der Trasse weiter forcieren. Von unserem Mitarbeiter Christoph Strouvelle Von Ilse Rosenschild

Hermeskeil/Morbach/Thalfang. Wie geht es weiter mit der Hunsrückquerbahn? Erst hatte die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) in Trier den Landkreisen Bernkastel-Wittlich und Trier-Saarburg eine finanzielle Beteiligung am Schienenerwerb wegen ihrer Verschuldung verweigert. Jetzt entschied das Wirtschaftsministerium in Mainz, dass der Erhalt der Bahntrasse keine dringliche Aufgabe sei (der TV berichtete). Die Dringlichkeit wäre die Voraussetzung gewesen, damit die Kreise dennoch bereits beschlossene Zuschüsse in Höhe von 175 000 Euro zur Kaufsumme von 508 000 Euro beisteuern können. Damit fehlt erneut Geld bei der Finanzierung. Der Morbacher Bürgermeister Gregor Eibes, Sprecher der Anrainerkommunen Hermeskeil, Thalfang, Morbach und Bernkastel-Kues, hatte bereits geäußert, die Bahntrasse nicht aufgeben zu wollen. Wie es weitergeht, weiß er noch nicht. Man suche nach Alternativen. Er schließt eine Beteiligung von privater Seite nicht aus.

Was sagen die anderen Bürgermeister? Für einen "großen politischen Fehler" hält es Michael Hülpes, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Hermeskeil, wenn man den Erhalt der Hunsrückquerbahn nicht sichert. Aus seiner Sicht sollte die Landesregierung nicht 100 Millionen in eine "Sackgasse bis zum Hahn" investieren, sondern weiter in Richtung Westen schauen. Nochmals beraten will Hans-Dieter Dellwo, Bürgermeister der VG Thalfang am Erbeskopf. Und: "Wir werden nicht aufgeben." Er sei ein Verfechter der Hunsrückquerbahn. Ulf Hangert, Dellwos Amtskollege in Bernkastel-Kues, bedauert die Entscheidung des Ministeriums. Die Bahn habe seit der Privatisierung 11 000 Kilometer Strecke stillgelegt. "Diese Bahn wollen wir erhalten", unterstreicht er.

Was sagt der potenzielle Betreiber? Mit der Hochwaldbahn Gruppe (HWB) in Hermeskeil steht auch ein Betreiber für den Schienenverkehr bereit. Geschäftsführer Bernd Heinrichsmeyer hofft, dass es einen Weg gibt, das Projekt zu retten. Die HWB bietet bereits von Büchenbeuren nach Morbach Ausflugsfahrten an. Später sollen sie nach Hermeskeil verlängert werden. Das Unternehmen will auf der Strecke auch Güterzüge fahren lassen. Sie sei wegen der Verbindung in Richtung Saarland und Frankreich interessant. Ob sich das Unternehmen am Kauf finanziell beteiligen kann, will er prüfen.

Wie ist die Haltung von Firmen? Am deutlichsten bezieht Reijo Ranki von der Karl Decker GmbH in Hochscheid Stellung. Für das Unternehmen mit 120 Mitarbeitern ist die "fehlende Bahnverbindung in Richtung Frankreich ein erheblicher Wettbewerbsnachteil". Ob die Firma einen finanziellen Anteil zum Kauf beisteuern kann, das müsse er mit dem Mutterunternehmen Fruytier in Belgien abstimmen. Auch andere Firmen haben laut Bürgermeister Eibes ein Interesse am Erhalt der Strecke.

Meinung

Private müssen mit ins Boot

Noch ist nicht einmal klar, ob und wie die Trasse der Hunsrückquerbahn künftig genutzt wird. Dennoch wollen die Kommunen sie unbedingt kaufen. Warum? Es handelt sich um eine Infrastruktureinrichtung, die zum Verkauf steht. Sie ist Geschichte, wenn die ersten Gleise abgebaut werden. Und seien es nur 100 Meter. Will man sie dann reaktivieren, weil sich verkehrspolitische Vorzeichen geändert haben, kann das mit Planfeststellungsverfahren Jahrzehnte dauern - siehe Hochmoselübergang. Deshalb handelt es sich beim Streckenerwerb um ein Projekt, das dringlicher ist als andere, die man auch ein oder zwei Jahre aufschieben kann. Für die Verantwortlichen gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder man hofft auf eine Veränderung der politischen Landschaft. Die Landtagswahl wirft schließlich ihre Schatten voraus. Oder man versucht, Private mit ins Boot zu holen. Das ist die bessere Variante. i.rosenschild@volksfreund.de