Antikes Tawern im Miniaturformat

Nicht nur alt, sondern auch einzigartig: Der Verein Römisches Tawern stellt am heutigen Freitag sein neuestes Projekt vor. Am Standort des "Vicus Tabernae", dem Ursprung des Dorfes, erwartet die Besucher jetzt ein originalgetreues Modell der römischen Straßensiedlung.

Tawern. Trier wurde 17 vor Christus gegründet und gilt als die älteste Stadt Deutschlands. Gerade 16 Jahre später begann die Geschichte von Tawern.

Der Vicus Tabernae (siehe Extra) - die erste Straßensiedlung auf der 1800 Kilometer langen Straße zwischen Trier und Rom - wurde im Jahr eins vor Christus gebaut. Seitdem hatten die Reisenden dort eine Möglichkeit zu rasten.

Der Verein Römisches Tawern (siehe Hintergrund) kümmert sich seit rund 14 Jahren um die Erhaltung des antiken Erbes im Ort (siehe Extra). Nach langer Vorarbeit hat er jetzt ein Modell des Vicus Tabernae aufgestellt. Am Vicus-Standort unterhalb der Tempelanlage am Rande des Neubaugebietes finden die Besucher einen großen Panzerglaskasten, in dem im Format 1:75 der Vicus Tabernae nachgebaut ist. Der Pavillon, in dem das Modell steht, erinnert selbst an ein römisches Gebäude. Am Freitag, 29. Oktober, 15.30 Uhr, stellt der Verein das Modell und seine Arbeit vor Ort vor.

"Wir haben jahrelang um die Erhaltung des Vicus gekämpft", sagt Gerhard Michel, Vorsitzender des Vereins Römisches Tawern. "Unsere Hauptmotivation war, den Ursprung des Dorfes der Öffentlichkeit zu zeigen." Der Vicus sei wichtiger als die Tempelanlage in Tawern. Für den eigentlichen Plan, ein Museum zu bauen, sei aber kein Geld da gewesen. Fundstücke gebe es hingegen genug.

Der Bau des Modells samt Überdachung hat insgesamt 20 000 Euro gekostet. 8250 Euro hat der Verein aus dem Lea der-Programm erhalten, mit dem das Land Rheinland-Pfalz und die Europäische Union solche Projekte unterstützen. Etwa 2700 Euro habe die Sparkasse dazu gegeben, sagt Michel. "Den Rest haben wir selbst gezahlt." Zusätzlich seien noch 10 000 Euro für die Sanierung der Mauern des echten Vicus, die Erneuerung der Wege und für das Aufstellen von Schildern hinzugekommen.

Den Miniaturvicus hat die Ayler Spezialistin Lilli Steier gestaltet. "Für das Modell könnte man ein Patent anmelden", sagt Michel. Es sei vor allem kompliziert, die Luftzirkulation unter der Glasscheibe zu gewährleisten. Nur so könne - gerade bei kalten Temperaturen - vermieden werden, dass die Scheibe beschlage.

Auf das Schmucktor des Vicus Tabernae ist Michel besonders stolz. Im Modell ist zu erkennen, dass es früher von allen vier Seiten einsehbar war. Michel geht davon aus, dass ein reicher römischer Bürger das Tor gesponsert hat. Das Besondere an dem Tor, von dem auf dem Vicusgelände noch die Grundmauern zu finden sind, kann Michel schnell erklären: "Im ganzen Römischen Reich sind nur zehn solche Tore nachgewiesen."

Schon jetzt hat der Verein das nächste Projekt vor Augen. "Das Sorgenkind ist der Keller des Vicus", sagt Michel. Der müsse ringsum über Gräben und eine Dichtung gesichert werden. Dazu habe der Verein schon Kontakt mit Experten des Rheinischen Landesmuseums in Trier aufgenommen. Extra Kleiner Latein-Exkurs: Vicus bedeutet auf Latein Straßensiedlung. Taberna hat mehrere Bedeutungen: Bretterbude, Hütte, Laden, Werkstätte, Wirtshaus und Bierwirtschaft. Die Mehrzahl Tabernae bezeichnet auch einen Stationsort an der Heerstraße. (cmk)Hintergrund Der Verein Römisches Tawern wurde am 30. September 1996 gegründet. Inzwischen hat er laut seinem Vorsitzenden Gerhard Michel 145 ehrenamtliche Mitglieder, von denen neun im Vereinsvorstand tätig sind. Der Verein finanziert sich mit Führungen, dem Verkauf von Broschüren und Mitgliedsbeiträgen. Der Verein bietet sonntags von Mitte Mai bis Ende September regelmäßige Führungen durch den Tempelbezirk an. Das kostet pro Person 2 Euro. Außerhalb der Hauptsaison sowie bei größeren Gruppen müssen die die Führungstermine mit Gerhard Michel, Telefon 06501/17969, oder Manfred Schwab, Telefon 06501/608573, vereinbart werden. (cmk)