Anwälte für Kinder gesucht

REINSFELD. Spielleitplanung – was ist das? Antworten fanden 60 neugierige Erwachsene und Kinder während der Auftaktveranstaltung in der Kulturhalle Reinsfeld. Mit dem Aktionsprogramm des Landes möchte die Hochwaldgemeinde neue Wege in der Kinder- und Jugendarbeit beschreiten.

"Wir haben früher immer draußen gespielt", erzählt Harald Schuld. "Ja, Gummizwist, und wie heißen diese Kästchen noch, die wir auf die Straße gemalt haben?", fragt Gabi Wollscheid in die Runde. Diplom-Ingenieurin Annette Weber, Planerin der "Spielleitplanung", hatte die Anwesenden dazu aufgefordert, sich in Gruppen Gedanken über die Kindheit von früher und über die Kindheit von heute zu machen. Das Ergebnis der Gruppenarbeiten war eindeutig: Kindheit hat sich stark gewandelt, auch im ländlichen Reinsfeld. Alle Gruppen kamen zu dem Schluss, dass Kinder früher sehr viel mehr Zeit draußen verbrachten und ihre Kreativität mehr gefordert war. Kindheit heute spiele sich meist mit und vor den neuen Medien ab. "Kindheit ist heute gepflegtes Abhängen auf dem Sofa", meldete sich ein Vater zu Wort. Was hat die Gemeinde Reinsfeld vor? "Spielleitplanung ist ein relativ neues Konzept für kinder- und jugendfreundliche Planung", informierte Ortsbürgermeister Rainer Spies. Ziel sei es, Kindern und Jugendlichen Spielräume zu schaffen, die zum Spielen und Erleben einladen. Zu einer gesunden Entwicklung gehöre, dass die junge Generation das gemeinsame Spielen draußen wieder mehr entdecke. Das Land Rheinland-Pfalz hat die "Spielleitplanung" entwickelt, damit die politischen Entscheidungsträger zusammen mit Planern und den Akteuren der Kinder- und Jugendarbeit qualifiziert und strukturiert zur Entstehung von Spielräumen beitragen können. Und Reinsfeld "spielt mit". "Wir wollen die familienfreundlichste Gemeinde im Kreis Trier-Saarburg werden", kündigte Spies an. Erste Weichen sind gestellt: Der Rat hat beschlossen, die Spielleitplanung zu aktivieren. Die Gemeinde Reinsfeld hat Annette Weber mit der Planung des Projektes beauftragt. Bernd Hermesdorf, Jugendpfleger der Verbandsgemeinde Hermeskeil, ist der pädagogische Betreuer der Planung. "Spielleitplanung funktioniert nur, wenn viele mitmachen", appellierte Rainer Spies während der Auftaktveranstaltung. Einige engagierte Gruppen und Personen hätten bereits zugesagt mitzumachen. Ganz besonders seien Kinder- und Jugendliche gefordert. "Wir lassen uns von ihnen leiten", sagte Annette Weber. Streifzüge durch die Gemeinde

Wie geht es weiter auf dem Weg zu mehr Kinder- und Jugendfreundlichkeit? Erst einmal müsse eine Bestandserhebung gemacht werden, so Weber. "Geplant sind Streifzüge mit Kleingruppen von Kindern durch Reinsfeld", informierte die Planerin. "Wir werden Reinsfeld unter den Gesichtspunkten abklappern, wo treffen sich Kinder und Jugendliche, wo werden Aktionen angeboten, aber auch, wo werden Kinder und Jugendliche von Erwachsenen verjagt", sagte Weber. Auch den Verkehr in Reinsfeld wird die Planerin mit den jüngsten Bürgern kritisch betrachten. "Beispielsweise werden Schulwege kontrolliert, und wir schauen, wo bereits gute Lösungen für Schulwegsicherheit gefunden wurden". Denn "Altbewährtes", wie die oftmals vorbildliche Vereinsarbeit, werde selbstverständlich in die Planung integriert. "Wir halten die gesamte Gemeinde im Blick", sagte Weber. Voraussetzung für die Umsetzung des Projekts sei die konsequente Beteiligung von Jungen und Mädchen am Planungsprozess. "Und, dass Anwälte der Kinder gefunden werden", so Weber. Ein weiterer Schritt wird sein, eine die Arbeitsgruppe "Spielleitplanung auf Ortsebene" zu bilden. "Das Stimmorgan der Kinder", so Spies. Auch werde das Projekt die Generationen wieder mehr ins Gespräch miteinander bringen. Der erste Erfolg in Sachen "gelungener Kommunikation" wurde am Ende der Auftaktveranstaltung verbucht. Eine Gruppe von Jugendlichen nutzte das Treffen, um über die Schließung des Jugendclubs zu diskutieren. Resultat: Die Erwachsene erkannten, dass die Jugendlichen einen Raum brauchen, den sie gestalten und wo sie sich treffen können. Die Jugendlichen sahen ein, dass mit Regeln, anders als bisher, umgegangen werden muss. "Wir machen mit bei der Spielleitplanung", verkündete ein Jugendlicher. Weitere Auftaktveranstaltungen finden für 13- bis Siebzehnjährige am 6. März, 17 Uhr, sowie für Acht- bis Zwölfjährige am 7. März, 15 Uhr, in der Kulturhalle in Reinsfeld statt. Auch alle interessierten Eltern sind herzlich willkommen.