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Artenvielfalt Kell Flurbereinigung

Natur : Mehr Grün für mehr Artenvielfalt

Neue Hecken, Obstbäume und blühende Wiesen: Die Gemeinde Kell will Flächen so gestalten, dass sich dort möglichst viele Tiere und Pflanzen wohlfühlen. Dafür möchte sie auch Landwirte und Privatleute begeistern. Der Zeitpunkt ist kein Zufall.

Die Landschaft rund um Kell am See hat sich in den vergangenen 15 Jahren stark verändert. Denn seit dem Jahr 2003 läuft ein Flurbereinigungsverfahren, das mittlerweile kurz vor dem Abschluss steht. „Da sind größere Flurstücke entstanden, die viel besser zu bewirtschaften sind. Aber das Landschaftsbild ist auch ein wenig monotoner“, sagt Ortsbürgermeister Markus Lehnen. Darin sieht er zugleich aber eine Chance für die Gemeinde, sich für mehr Artenreichtum auf diesen Flächen zu engagieren.

Wie er sich das vorstellt, hat der Ortschef vor kurzem im Gemeinderat erklärt. Das Gremium will die Idee weiter verfolgen. „Man könnte Streuobstwiesen anlegen, hier und da die Randstreifen blumenreicher gestalten oder auch mal eine Hecke mehr pflanzen“, erläutert Lehnen. Auch die Gemeinde selbst verfüge über Flächen, die so gestaltet werden könnten, dass sich dort möglichst viele Tiere und Pflanzen wohlfühlen. „Das wäre ein Beitrag, um unsere Kulturlandschaft langfristig zu schützen.“ Und dank der Flurbereinigung müsse man damit auch nicht bei null anfangen.

Im Rahmen des Verfahrens sei schon viel bewegt worden, sagt Johannes Mock, der die Flurbereinigung in Kell für das Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Mosel begleitet. Aus vorher 8000 seien knapp 3000 neue Flurstücke mit einer Gesamtfläche von 2500 Hektar entstanden. Dabei seien schon 158 Laubbäume, 361 Obstbäume und 1443 Sträucher neu gepflanzt worden. Außerdem gehörten automatisch Landespflege-Arbeiten wie das Anlegen von Pflanzstreifen entlang von Wirtschaftswegen dazu.

Hinzu kämen 220 Hektar Flächen entlang von Gewässern, die dem besseren Hochwasserschutz dienen sollen: „Das Thema ist ja brandaktuell“, sagt Mock im Hinblick auf die heftigen Unwetter und zahlreichen überfluteten Dörfer der vergangenen Wochen. Es spreche nichts dagegen, auf diesen Uferflächen gezielt etwas für mehr Artenvielfalt zu tun. Im Dorfpark Dumpert ist dies laut Lehnen bereits mit Erfolg umgesetzt worden im Rahmen der Ruwer-Renaturierung. „Das ist enorm, wie viele Arten man dort inzwischen wieder findet, zum Beispiel die Ringelnatter.“ Das Projekt wolle die Gemeinde auf jeden Fall fortsetzen.

Lehnen hat auch den Revierförster Axel Weber auf das Thema angesprochen. Der sagt Unterstützung zu, etwa durch das gezielte Entfernen von Nadelbäumen wie beispielsweise Fichten. Dadurch könne sich am Waldboden eine deutlich vielfältigere Flora und Fauna entwickeln.

Ebenfalls einbinden will der Ortschef die örtlichen Landwirte. „Wir brauchen ein Konzept, das Gemeindeflächen, private und landwirtschaftliche Flächen zusammenbringt, das kriegen wir nur gemeinsam hin.“ Bei Rudolf Marx vom Gestüt Fronhof trifft er damit auf offene Ohren, obwohl dieser in Kell eher weniger Probleme mit monotonen Monokulturen sieht. „Hier gibt es noch viel unterschiedliche Nutzung.“ Um zu überleben, bräuchten die Landwirte die großen Flächen. Er könne sich aber durchaus vorstellen, zum Beispiel aktuelle Getreidefelder im nächsten Jahr zu Grünland zu machen und dort Blumenmischungen einzusäen. Er habe schon geeignete Flächen im Auge. Saatmischungen für mehrjährige Blumenwiesen kosteten allerdings etwa 1000 Euro pro Hektar.

Lehnen betont: „Wir brauchen die Unterstützung der Landwirte, auch, um die Flächen fachmännisch einzusäen und zu pflegen.“ Angesprochen seien auch Privatleute, allerdings nur bei Randflächen, damit die grundsätzliche neue Ordnung der Flächen nicht zerstört werde. „Die Landwirte müssen ihre Flächen ja weiterhin mit den Maschinen bearbeiten können, da kann nicht mittendrin ein Obstbaum gepflanzt werden“, versichert Lehnen.

Er sieht auch Vorteile für den Tourismus in Kell. „Die Unterbrechung der Landschaft ist ja optisch reizvoll. Das steht einem Fremdenverkehrsort gut zu Gesicht.“ Was die Finanzierung betreffe, stelle die Verbandsgemeinde-Verwaltung derzeit fest, wo bei Bund, Land oder Europäischer Union Fördertöpfe anzuzapfen wären. Aus der Flurbereinigung stünden noch Restmittel in Höhe von 12 000 Euro zur Verfügung.

Steuern soll das Ganze ein Gemeindeausschuss, der auch für interessierte Bürger offen sein soll. „Ich würde gern junge Leute mit im Boot haben, denn das Thema ist kein kurzfristiges, sondern eins für die nächsten Jahrzehnte.“ Auch die Schulen wolle er einbinden, die das Thema Artenvielfalt im Unterricht integrieren könnten. Für den Start soll der Ausschuss erste Musterflächen festlegen. Geeignet wären laut Lehnen Grünstreifen in Verlängerung der Straße zum Stausee oder Flächen an der Hunsrückhöhenstraße.