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Jugendarbeit : Wählen für Anfänger (Video)

Drei Jugendliche haben viele Stunden ihrer Freizeit dafür gegeben, ein Erklärstück zu entwickeln, mit dem sie Gleichaltrigen und auch so manchem Älteren die Kommunalwahl näherbringen. Mit dem Medium ihrer Generation.

Ein Tisch, darauf ein Stapel Holzplatten und ein Notenständer, umwickelt mit viel Klebeband und obendrauf ein iPad als Kamera. Zwei Mädchen stehen links und rechts davon und schieben kleine, selbst gemalte Bilder auf dem Tisch hin und her. Eine dritte liest von gegenüber einen Text ein. Die drei Jugendlichen – Selina Dahler (18), Patricia Bach (21) und Marie Böffgen (20) – befinden sich im Jugendcafé des Hauses der Jugend (HDJ) in Konz und filmen ein Erklärvideo zur Kommunalwahl. Immer wieder kommen jüngere Jugendliche herein, hören eine Weile zu oder fragen, was sie da machen. Unterstützt werden die jungen Produzenten von Denise Ziehm, der HDJ-Hausleitung, und Annika Köhler von der mobilen Jugendarbeit Konz.

Das Video erklärt, zu welchen Themen Kommunalpolitiker etwas entscheiden können, wer wählen darf, wie man in der Wahlkabine seine Kreuzchen setzen kann und was eigentlich gewählt wird. Denn die Konzer wählen bei der Kommunalwahl ganze fünf Gremien. „Ich musste mir das erst einmal selber erklären und dann irgendwie aufschreiben, dass es andere auch verstehen“, erzählt Patricia, die selbst aus Konz kommt und gerade im Haus der Jugend ein Praktikum macht. Zwei Tage lang habe sie sich in das Thema eingelesen. Kommunalpolitik sei ihr vor dem Projekt nicht so präsent gewesen. Sie erzählt: „Ich wusste echt nicht, dass da so viel gewählt wird. Ich glaube, auch viele andere sind überfordert, wenn sie ins Wahllokal kommen und dann sieben Zettel in die Hand gedrückt bekommen.“

Am Ende wurde das Video etwa 14 Minuten lang. Fast zwei Monate haben sich die fünf immer wieder dafür getroffen. Mindestens zwei Tage haben sie die unzähligen Erklär-Bildchen gemalt – zwei Tage lang wurde gefilmt. Danach hat Selina das Ganze geschnitten und die Tonspur eingesprochen. Auf die Frage, ob sie sich nun alle wie Experten fühlen, sagt Selina selbstbewusst: „Also auf dem Gebiet der Kommunalwahl schon.“ Und Patricia ergänzt lachend: „Weil wir es hundertmal gehört haben, hat sich das so richtig eingebrannt. Wir haben ja nicht jeden Abschnitt nur einmal gedreht. Eine Sequenz brauchte 20 Anläufe.“

Marie und Patricia schieben die selbst gemalten Bilder unter die Kamera. Foto: Denise Ziehm. Foto: TV/Denise Ziehm

Selina hat im Auguste-Viktoria-Gymnasium in Trier gerade ihr Abitur in Geschichte geschrieben. Für sie ist zurzeit sehr präsent, dass die Demokratie in Deutschland noch gar nicht so alt ist. „Wir denken oft, dass unsere Freiheit unkaputtbar ist. Aber Demokratie ist eben nicht der Selbstläufer, als den man sie als junger Mensch oft wahrnimmt“, sagt sie leidenschaftlich.

Erklärvideo zur Kommunalwahl 2019

Marie stammt aus Trier und macht  im Haus der Jugend ihren Bundesfreiwilligendienst. Sie habe durch das Video gelernt, dass die Verbandsgemeinde für die Finanzierung der Sportplätze und Jugendgebäude zuständig ist. Sie sagt: „Jetzt weiß ich, wen ich ansprechen könnte, wenn mir zu den Themen etwas nicht passt.“

Sie findet es außerdem wichtig, selbst als junge Menschen auf die Wahl aufmerksam zu machen und die Inhalte nicht von oben herab zu vermitteln. Das sei auch das Ziel des ganzen Kooperationsprojekts des HDJ mit der mobilen Jugendarbeit und dem Jugendforum in Konz gewesen, sagt Denise Ziehm. „Mit Film kann man die Zielgruppe gut erreichen. Da ist der Zugang für Jugendliche leichter. Und über die sozialen Netzwerke verbreitet sich ein Youtube-Video auch schnell.“ Annika Köhler ergänzt, dass dadurch auch Hemmungen abgebaut und die jungen Erwachsenen schlussendlich motiviert werden sollten, an der Wahl teilzunehmen.

Denise Ziehm findet, es sei immer schwer, Jugendliche für das Thema Politik zu begeistern. Als Haus der Jugend versuche sie dagegenzuarbeiten und Jugendliche zu motivieren, mehr in diese Richtung zu machen. Das Haus organisierte zum Beispiel auch die U-18-Wahl in Konz mit (siehe Infobox).

Das Erklärvideo jedenfalls habe schon viele positive Rückmeldungen bekommen. Von Jugendlichen, die es meist zu Hause angeschaut hätten. Und von Älteren, die ebenfalls dankbar seien, das komplexe Thema mit dem Film noch mal konkret für Konz auffrischen zu können.

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