Atomgegner machen mobil

An Ostermontag sind die Menschen aus der Großregion zu einer Kundgebung gegen das Atomkraftwerk Cattenom vor dem Werkstor aufgerufen. Viele werden nach Ansicht der Organisatoren dem Aufruf folgen.

Henry Selzer ist sich sicher: "Wir werden ein eindrucksvolles Zeichen für den Ausstieg aus der Atomenergie und den Einstieg in die erneuerbaren Energien setzen." Der Grünen-Politiker aus dem saarländischen Weiskirchen ist einer der Sprecher der "Internationalen Aktionsgemeinschaft gegen Cattenom", die an Ostermontag zur Protestkundgebung gegen das Atomkraftwerk Cattenom in Lothringen aufruft - und mit einer der größten Kundgebungen seit langem rechnet.

Bis zu 5000 Teilnehmer erwartet



"Als wir mit unseren Planungen begannen, war unser Ziel, etwa 2000 bis 3000 Teilnehmer zu erreichen. Jetzt rechnen wir aufgrund der Anfragen für Bustransfers mit 4000 bis 5000 Menschen", sagte Selzer bei einer Pressekonferenz am Schauplatz der Kundgebung, einem Parkplatz an der Landstraße D 56 unmittelbar am Kraftwerk. Dort werden an Ostermontag von 14 bis 17 Uhr Verwaltungschefs aus der Region, Politiker wie der SPD-Europa-Abgeordnete Jo Leinen und Vertreter des Aktionsbündnisses sprechen. Auch der Trierer Oberbürgermeister Klaus Jensen wird nach Angaben des Veranstalters dabei sein.

Zeitgleich finden nach Auskunft von Selzer an zwölf deutschen Kraftwerksstandorten ähnliche Veranstaltungen statt. Die Basis des Widerstandes gegen Atomenergie sei breiter geworden, sagte Stephanie Nabinger aus Merzkirchen (Trier-Saarburg), Fraktionsvorsitzende der Grünen im Verbandsgemeinderat Saarburg und demnächst Landtagsabgeordnete in Rheinland-Pfalz: "Das sind nicht mehr nur die friedensbewegten Hippies, heute kommen Anwälte mit ihren Familien zu den Kundgebungen."

Nabinger kritisierte jüngste Aussagen des Kraftwerksdirektors von Cattenom, Stéphane Dupré la Tour, die dieser beim Treffen des Interregionalen Parlamentarierrates im saarländischen Perl vergangene Woche gemacht hatte: "Er hat dort erklärt, dass die Nachbarländer nicht das Recht hätten, sich in die Energiepolitik Frankreichs einzumischen. Da muss ich ihn fragen: Hat er das Recht, unsere Bürger zu bedrohen?"

Aber auch in Frankreich meinen die Organisatoren einen Stimmungsumschwung zu verspüren, sagte Marie Anne Isler-Béguin von den lothringischen Grünen, einem weiteren Mitglied der Aktionsgemeinschaft, die rund 35 Gruppen aus dem Saarland, Rheinland-Pfalz, Lothringen und Luxemburg umfasst - vornehmlich Parteien, Umweltschutzverbände und Bürgerinitiativen.

Umdenken in Frankreich?



Seit der Atom-Katastrophe im japanischen Fukushima würden sich mehr und mehr Menschen bei ihr melden und fragen, was sie tun könnten, um den Ausstieg aus der Atomkraft zu unterstützen, sagte die französische Grünen-Politikerin. Dass sich die Franzosen sich mit der Forderung nach einem Atomausstieg nicht leicht tun, dessen ist sich Selzer bewusst: "Ein Land, das sich so stark von der Atomkraft abhängig gemacht hat und das 75 Prozent seiner Energie aus dieser Technologie gewinnt, kann nicht über einen sofortigen Ausstieg reden." Aber in der Forderung nach der Abschaltung von Cattenom seien sich alle Mitwirkenden im Aktionsbündnis dennoch einig.

An Ostermontag wird nach Auskunft der Organisatoren die Landstraße D 56 auf einer Länge von fünf Kilometern komplett gesperrt sein, damit Teilnehmer ihre Autos dort parken können. Für die Busse aus der ganzen Region, die in großer Zahl erwartet werden, stehen separate Parkplätze bereit. Die Zusammenarbeit mit den französischen Behörden im Vorfeld der Kundgebung bezeichnete Selzer als konstruktiv. Rund 60 Helfer würrden am Kundgebungstag für einen möglichst reibungslosen Ablauf Sorge tragen.

Die Veranstalter haben Busse organisiert, die die Teilnehmer nach Cattenom bringen. Infos unter: www.iacattenom.de

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