Auch Hotel wird Flüchtlingsherberge

Kell am See · In Kell sind die ersten Flüchtlinge in die Container eingezogen, die der Kreis neben der Alten Mühle aufgestellt hat. 19 Menschen, darunter zwei syrische Familien, leben nun dort. Derweil verdichten sich die Anzeichen, dass das Hotel St. Michael künftig ebenfalls dauerhaft zur Unterbringung von etwa 60 Asylbewerbern genutzt wird.

Foto: (h_hochw )

Kell am See. Ihre Ankunft hat sich einige Wochen verzögert. Ursprünglich sollten bereits im November die ersten Flüchtlinge in die "mobilen Wohneinheiten" auf dem Platz neben der Alten Mühle in Kell einziehen. Bei diesen Containern handelt es sich um die erste Gemeinschaftsunterkunft dieser Art im Kreis Trier-Saarburg (siehe Extra).
Es gab aber Probleme mit Keimen in den Wasserleitungen. Da diese nun behoben sind, haben seit Mitte der Woche 19 Menschen für die Dauer ihres Asylverfahrens eine Bleibe in den Containern gefunden. Zwei Familien kommen aus Syrien. In einem separaten Teil des Viertels sind die jungen, alleinreisenden Männer untergebracht. Alle Migranten waren nach ihrer Flucht zunächst in diversen rheinland-pfälzischen Erstaufnahmestellen untergebracht - eine davon gibt es auch in Hermeskeil - und wurden von dort dem Kreis Trier-Saarburg zugewiesen. Dieser hatte die 19 Flüchtlinge dann übergangsweise für ein paar Tage im Keller Hotel St. Michael einquartiert.
"Alles ist okay", antwortet Abdo Almerai in Englisch auf die Frage, was er zu seinem neuen Domizil in den Containern sagt. Der junge Syrer teilt sich ein kleines Zimmer mit einem anderen Flüchtling aus dem Iran. Sie und die anderen Asylbewerber haben auch schon ihre ersten Stunden beim Deutschkurs in Hermeskeil hinter sich. In Kell gefalle es ihnen gut. Weil der Ort jedoch klein ist, sei es nicht so einfach, sich die Zeit zu vertreiben, sagt Almerai. Er will aber noch diese Woche in Kell mal ins Taekwondo-Training gehen. Bei dieser Kontaktaufnahme zu den Ortsvereinen, aber auch zu Behörden und den einheimischen Bürgern, werden die Asylbewerber vom Caritasverband Trier unterstützt. Er ist als Kooperationspartner des Kreises für die soziale Betreuung der Flüchtlinge zuständig. In der Alten Mühle hat die Sozialarbeiterin Katharina Schmidt ihr Büro.
Von dieser Anlaufstelle aus übernimmt die Caritas auch die Betreuung der Migranten in anderen Hochwaldorten - etwa in Reinsfeld, wo inzwischen knapp 20 Menschen in der früheren Pension Zum Rösterkopf leben.
Im Keller Containerdorf gibt es 36 Unterkunftsplätze. Durch Doppelstockbetten könnte diese Aufnahmekapazität theoretisch sogar auf 72 erhöht werden. Dazu wird es aller Voraussicht nach aber nicht kommen. Der Grund: Das Hotel St. Michael wird künftig wohl als zweite Gemeinschaftsunterkunft im Ort dienen. Über diese Möglichkeit wurde in Kell schon seit Wochen offen diskutiert (der TV berichtete mehrfach). Offiziell sagt Kreis-Pressesprecher Thomas Müller auf Anfrage unserer Zeitung zwar nur, "dass die Gespräche fortgesetzt wurden". Er dementiert aber auch nicht die aktuelle Auskunft, die Ortsbürgermeister Markus Lehnen gegenüber dem TV gemacht hat. Demnach gebe es zwischen dem Kreis und den Hoteleigentümern bereits Einigkeit, nur noch keinen unterschriebenen Mietvertrag. Im Hotel St. Michael könnten etwa 60 Menschen aufgenommen werden. Zusammen mit den Asylbewerbern in den Containern rechnet die Gemeinde laut Lehnen also damit, dass in Kell "um die 90 Flüchtlinge aufgenommen werden". Bei 2000 Einwohnern im Ort wäre das noch eine "akzeptable" Größenordnung. Damit sei für Kell aber auch eine Grenze der Belastbarkeit erreicht, so Lehnen.
Dass es im Ort auf die Unterbringung von 90 Asylbewerbern hinausläuft, bestätigt Müller indirekt. Er erinnert daran, dass Landrat Günther Schartz bereits vor einiger Zeit angekündigt hatte, dass in den Containern zunächst nur 36 Flüchtlinge untergebracht werden. Die Begründung lautete schon damals: "Wir wollen den Ort nicht überspannen, wenn noch eine andere große Unterkunft in Kell hinzukommen sollte." Gemeint war bereits zu diesem Zeitpunkt das Hotel St. Michael.Extra

Weitere Container: Neben Kell werden im Auftrag des Kreises bis Ende des Jahres auch in anderen Orten - etwa in Schweich, Konz oder Saarburg - Unterkunftscontainer aufgestellt und bezugsfertig sein. Hinzu kommen Wohnungen oder Zimmer, die der Kreis in Häusern oder Hotels mietet. Nach aktueller Lage wird der Kreis nach Auskunft von Landrat Günther Schartz 2015 voraussichtlich 1300 Menschen aufgenommen haben. ax/kat