Auch im Alter offenbleiben für Neues

Hermeskeil · Mehr als 100 Besucher haben beim Aktionstag "Älter werden - na und!?" im Mehrgenerationenhaus (MGH) Johanneshaus in Hermeskeil vorbeigeschaut. Die Mitmachangebote des als Auftakt einer Veranstaltungsreihe gedachten Aktionstags kamen sehr gut an.

Uschi Wihr vom Trierer Demenzzentrum testet ihr Auffassungsvermögen anhand von Fotos, die möglichst schnell im chronologischen Ablauf anzuordnen sind. TV-Foto: Ursula Schmieder

Hermeskeil. Bei der Vielzahl der Angebote des Hermeskeiler Aktionstags "Älter werden - na und!?" hatten Besucher die Qual der Wahl. Die Palette reichte vom Autogenen Training bis zur Wirbelsäulengymnastik und von Vorträgen und Infoständen bis zum Demenz-Parcours und einem Clownesken Theater. "Das ging unter die Haut", kommentierten zwei ältere Besucherinnen aus Damflos die Leistung von Ida Paul, die die tagtäglichen Mühen älterer Menschen darstellte. Jeder hoffe ja, eine Erkrankung wie Demenz nicht selbst erleben zu müssen, sagte Walfriede Dengler. Elfriede Trampert nahm von dem "sehr anregenden Tag" etwas ganz Wesentliches mit nach Hause: "dass man im Alter offen bleibt für etwas Neues und sich nicht verschließt oder abkapselt".
Geistige Beweglichkeit testen


Während zum Theater etwa 50 Besucher vorbeischauten, waren es laut Christoph Eiffler, Leiter des MGH, über den ganzen Tag weit mehr als 100: "Das übertrifft alle meine Erwartungen."
Eingeladen zu dem ersten Tag dieser Art hatte der Runde Tisch Demenz (siehe Extra). Auch Markus Minder (43) nutzte den Tag, um sich zu informieren, "was man eventuell schon in jüngeren Jahren tun kann, um Demenz vorzubeugen". So könnte es etwa hilfreich sein, die Ernährung umzustellen und sich mehr zu bewegen, ist er überzeugt. Wohl deshalb nutzten viele Besucher die Gelegenheit, ihre geistige Beweglichkeit an den Stationen des Parcours zu testen. Er ließ erahnen, wie sich Menschen fühlen, denen im Alltag immer weniger gelingt. Referentin Uschi Wihr vom Demenzzentrum Trier staunte, wie viel schwieriger es ist, alltägliche Handgriffe spiegelbildlich betrachtet auszuführen. Selbst Max (11) hatte seine Mühe, Schnürsenkel korrekt einzufädeln. "Wenn man dabei nicht in den Spiegel schaut, ist es einfacher", gestand auch er ein. Erfahrungen wie diese ergänzten Informationen wie am Stand von Hörgeräte Kerstin Ritter, wo Sebastian Tatus für das Zusammenspiel von "Hören und Verstehen" sensibilisierte. Mirjam Minder vom AWO-Betreuungsverein beantwortete vor allem Fragen zum Betreuungsrecht oder zu Vorsorgevollmachten. Aufgelockert wurde der Tag mit Singen und Tanzen, worauf die Frauentanzgruppe der katholischen Pfarrei Wadrill Laune machte.
Zu Beginn befasste sich eine von Diplom-Pädagogin Beate Stoff moderierte Podiumsdiskussion mit dem Thema "Selbstbestimmt im Alter". Wihr machte etwa deutlich, dass Demenz schon etwas über die Gesellschaft sage, deren Schnelllebigkeit Menschen krank mache. Für Theologe Franz-Josef Euteneuer gilt es umso mehr, die Volkskrankheit weniger als Schreckgespenst zu sehen, sondern den Menschen, der Wertschätzung verdiene, im Blick zu behalten. Täglich gelebt wird das in Häusern wie dem Hochwald-Altenzentrum St. Klara mit ihren, laut Leiterin Maria Borrello, sehr hohen Qualitätsstandards. Dem Plädoyer der Allgemeinmedizinerin Dr. Martina Wagener für einen gesunden Lebensstil entnahm der Zuhörer "zwei Credos: Bewegung und soziale Kontakte." Wichtig sei aber auch, nicht auf Angebote anderer zu warten, sondern eigene Ideen umzusetzen. Der Impuls müsse von den Menschen kommen. Das MGH unterstütze das, indem es Initiativen anstoße und Räume zur Verfügung stelle.
Extra

Dem Runden Tisch Demenz haben sich 2013 verschiedene Träger angeschlossen: aus Hermeskeil Arbeiterwohlfahrt (Awo), St. Josef-Krankenhaus, Hochwald-Altenzentrum St. Klara, Mehrgenerationenhaus Johanneshaus und der Pflegestützpunkt in der Kunickerstraße sowie das Demenzzentrum Trier und Wohngemeinschaft Haus Sonnenschein in Damflos. Mit ihrem ersten gemeinsamen Info- und Aktionstag "Älter werden - na und!?"- zu verstehen als eine Art Auftaktveranstaltung - möchten sie die Menschen motivieren, sich umfassend zu informieren, sich umzuschauen und umzuhören - und vor allem, selbst aktiv zu werden. Die Landesregierung verfolgt ähnliche Ziele, wie beim Aktionstag Brigitta Dewald-Koch deutlich machte, die für eine "sorgende Gesellschaft" warb. Für das MGH hatte sie die erfreuliche Botschaft im Gepäck, dass die Landesförderung für 2015 gesichert ist. urs