Auf Augenhöhe mit Cäsars Legionären

Auf Augenhöhe mit Cäsars Legionären

Es wird wieder gegraben am ehemaligen römischen Militärlager in Hermeskeil. Welche neuen Erkenntnisse dabei bisher zutage kamen, können Interessierte beim Tag der offenen Grabung, Samstag, 10. September, erfahren.

Hermeskeil. Die abgesteckten Flächen, in denen nur wenige Leute arbeiten, wirken unspektakulär. Und doch strahlt das, was hier nahe Hermeskeil seit wenigen Jahren geschieht, weit über den Hochwald hinaus. Archäologen des Instituts für Altertumswissenschaften der Johannes Gutenberg-Universität Mainz lassen dort ein Stück Weltgeschichte erleben. Kollegen aus ganz Europa verfolgen ihre Funde auf dem Gelände, auf dem vor mehr als 2000 Jahren Soldaten des römischen Feldherrn Gaius Julius Cäsar lagerten (siehe Extra).
Aufschüttung wird untersucht


Aktuell beschäftigt etwa eine Mauer, die tatsächlich gar keine ist. Die Anhäufung von Steinen im Bereich des sechs Meter breiten Lagertors wurde zweifelsfrei aufgeschüttet - und nicht aufgeschichtet oder gemauert. Aber zu welchem Zweck - und welche Besonderheiten gab es darüber hinaus in dem Lager? Fragen wie diesen gehen die Archäologen auf den Grund. Daher graben sie exakt an dieser und einer weiteren Stelle, auf die sie geomagnetische Messungen aufmerksam machten: am etwa 1,5 Meter hohen einstigen Schutzwall, angehäuft mit dem Erdreich des daneben ringsum ausgehobenen circa 1,7 Meter tiefen Grabens. Geschippt wird immer nur dort, wo Interessantes zu erwarten ist. So etwa Erkenntnisse darüber, wie das eigentliche Lager angelegt war und wie es funktionierte. Immerhin lebten dort Tausende Menschen, die das Lager nicht nur verließen, um zu kämpfen, sondern auch um Trinkwasser und Essen herbeizuschaffen. Wie sich der Alltag im Lager gestaltete, lässt sich ein wenig besser vorstellen, seit Reste von Feuerstellen und Mühlsteinen entdeckt wurden.
Besucher des "Tags der offenen Grabung" (siehe Extra) können sich wie schon in den Vorjahren von alldem persönlich ein Bild machen. Sie wollten "allen Interessierten die dort sichtbaren Befunde zeigen und erklären", verspricht Projektleiterin Sabine Hornung, die "in enger Taktung je nach Bedarf" Führungen anbieten will. Besucher werden dann erahnen können, wie die Wälle verliefen und wo es größere oder kleinere Durchlässe gab. Ob sich dort Holztore befanden, ist eine der Fragen, die die Wissenschaftler um Hornung und Grabungsleiter Patrick Mertl aktuell ganz konkret beschäftigt. Und nicht nur sie. Die Forscher aus Mainz stehen in ständigem Kontakt mit namhaften Kollegen wie Michel Reddé, einem der Archäologen, die Alesia ausgruben. Ebenso wie mit Wissenschaftlern in der Schweiz, in Luxemburg, den Niederlanden oder in Großbritannien. "Das geht wirklich durch halb Europa und interessiert alle, die sich mit Julius Cäsar befassen", sagt Hornung. Ihre eigentliche Arbeit beginnt laut Mertl aber erst, wenn die Grabungen beendet sind. Denn dann geht es ans wissenschaftliche Auswerten von Erkenntnissen und Funden, die mit modernsten Verfahren untersucht und ebenso wie Grabungspläne digitalisiert werden. Dass auch dieser Teil ihrer Arbeit inzwischen auf soliden finanziellen Füßen steht, motiviert die Archäologen ungemein. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert 2016 und 2017 die Grabungen wie deren Auswertungen, was die Bedeutung des Projekts unterstreicht. Eine weitere, die Bewilligungsphase überbrückende Fundraising-Initiative wie in 2015, als Hochwälder wie berichtet knapp 11 000 Euro sammelten, war nicht nötig.
Extra

Römerlager: Seit Funden in 2012 steht fest, dass es sich in Hermeskeil um ein Lager aus der Zeit des von Gaius Julius Cäsar geführten Gallischen Krieges handelt. Angelegt um 51 vor Christus steht es offensichtlich in direktem Zusammenhang mit der Schlacht von Alesia im heutigen Burgund. Dort besiegten die Römer 52 v. Chr. die Gallier entscheidend. Von den Auswirkungen für den Keltenstamm der Treverer zeugt auch der keltische Ringwall bei Otzenhausen, eine wenige Kilometer von Hermeskeil entfernte Befestigungsanlage. ursExtra

Tag der offenen Grabung: Von 14 bis 18 Uhr können sich Besucher am Samstag, 10. September, über neue Erkenntnisse, Grabungstechniken und Dokumentationsmethoden informieren. Fragen sind ausdrücklich erwünscht - ebenso der Dialog mit Wissenschaftlern, die erläutern, wie Geschichte mit Hilfe unscheinbarer Spuren lebendig wird. Die Zahl der Führungen orientiert sich am Andrang. Das Gelände ist vom Parkplatz Waldstadion, Züscher Straße, erreichbar. Besucher werden gebeten, den ausgewiesenen Wegen zu folgen, um den landwirtschaftlichen Verkehr nicht zu beeinträchtigen. Gastgeber sind die Uni Mainz und das Nationalparkamt Hunsrück-Hochwald. urs

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