Auf dem Weg zum Lebensretter: Baggerfahrer aus Hermeskeil spendet Stammzellen für junge Amerikanerin

Auf dem Weg zum Lebensretter: Baggerfahrer aus Hermeskeil spendet Stammzellen für junge Amerikanerin

Andreas Weidert aus Hermeskeil hat sich vor zwei Jahren bei einer Aktion in Trier als Stammzellen-Spender registrieren lassen. Er wollte damals zwei Menschen helfen, die an Blutkrebs litten. Damals passte sein genetischer Code nicht. Jetzt hat der 43-Jährige aber doch noch die Chance, ein Leben zu retten.

Hermeskeil. "Für mich war sofort klar, dass ich helfe", sagt Andreas Weidert. Der 43-jährige Hermeskeiler bekam vor wenigen Wochen den entscheidenden Anruf von der Stefan-Morsch-Stifung. Man sagte ihm, dass er als Stammzellen-Spender für einen an Blutkrebs erkrankten Menschen infrage komme. In der Kartei der Stiftung mit Sitz in Birkenfeld (siehe Hintergrund) sind rund 400 000 potenzielle Lebensretter registriert.

Nach dem Anruf ging alles recht schnell. Weidert erklärte sich bereit, seine Stammzellen zu spenden - ohne zu wissen, wer der Empfänger sein sollte. Inzwischen weiß er: Eine 19 Jahre alte Frau, die in den USA um ihr Leben kämpft, hat seine Zellen bekommen.Gesundheitscheck vor Entnahme


Vor der Entnahme der Körperzellen aus seinem Blut musste der Hermeskeiler einige Voruntersuchungen durchlaufen. Denn nur, wer vollkommen gesund ist, darf spenden. Dann habe er sich vier Tage lang ein Medikament gespritzt, um die Produktion der Stammzellen anzukurbeln. "Das war schon auch mit leichten Kopf- und Gliederschmerzen verbunden", gibt Weidert zu. "Als würde ich eine Erkältung kriegen."

In der Entnahmestation der Stefan-Morsch-Stiftung in Birkenfeld wurden die Zellen schließlich aus seinem Blut herausgefiltert. "Dafür habe ich etwas mehr als zwei Stunden lang an der Maschine gehangen." Niemand müsse sich vor der Spende scheuen, betont Weidert: "Meine leichten Symptome waren danach sofort verschwunden." Weiderts Arbeitgeber, die Firma UVB Universal-Bau Sàrl in Wasserbillig, hatte den Baggerfahrer freigestellt. "Die fanden auch, das sei eine tolle Sache."

Bei der Stiftung ist Weidert seit zwei Jahren registriert. Im Januar 2014 gab es in Trier eine große Typisierungsaktion - so nennt man die nötigen Laboruntersuchungen für eine Aufnahme in die Spender-Datei. Damals ging es um das Leben eines 44-Jährigen aus Wolsfeld (Eifelkreis Bitburg-Prüm) und eines 13 Jahre alten Jungen aus Trier, die beide an Blutkrebs erkrankt waren. Rund 900 Menschen hatten damals im Pfarrsaal von St. Matthias ihr Blut testen lassen. Auch Andreas Weidert war dort. Damals kam er nicht als Spender infrage. Dafür kann er jetzt vielleicht ein Leben retten.

Nach Informationen der Stefan-Morsch-Stiftung erkranken jährlich 11 000 Menschen in Deutschland an Blutkrebs (Leukämie). Die Stammzellspende sei oft "die letzte Chance", wenn Chemotherapie oder Bestrahlung keine Wirkung zeigten, erklärt Andrea Djifroudi, Sprecherin der Stiftung. Um geeignete Spender ausfindig zu machen und ins Register aufnehmen zu können, führe die Stiftung regelmäßig Typisierungsaktionen durch. In der Region gibt es gleich mehrere Termine in den nächsten Wochen (siehe Extra).

Es sei stets "ein Glücksfall", wenn die genetischen Merkmale zweier Menschen "so gut übereinstimmen, dass eine Transplantation möglich ist", sagt Djifroudi. Weiderts genetischer Zwilling sei eine ihm unbekannte US-Amerikanerin, der man die Stammzellen nur 72 Stunden nach der Entnahme übertragen habe. Laut dem Zentralen Knochenmarkspender-Register Deutschland in Ulm gingen 2015 mehr als 4900 der rund 6700 Entnahmen deutscher Spender ins Ausland. Wie die Sprecherin der Stiftung mitteilt, bleiben einmal registrierte Spender "bis zur Vollendung des 61. Lebensjahres" in der Datei gespeichert. Die Mehrzahl der geeigneten Kandidaten sei aber zwischen 20 und 40 Jahren alt.

Für Andreas Weidert, Vater dreier Töchter, war sein Eingreifen selbstverständlich. "Die Krankheit könnte auch meine Kinder treffen. Dann wären wir auch froh, wenn jemand hilft." Ob seine Spende der jungen Frau geholfen habe, danach dürfe er sich in vier Monaten erkundigen, sagt Weidert. "Es würde mich sehr freuen, wenn sie's geschafft hätte."

Ein direkter Kontakt zwischen Spender und Empfänger sei "unter Beachtung datenschutzrechtlicher Bestimmungen" nach zwei Jahren möglich, erklärt Andrea Djifroudi. Grundsätzlich könne der Spender, wenn der Patient damit einverstanden sei, auch nach der Stammzelltransplantation über den Zustand des Patienten informiert werden. Die Gesetzgebung sei aber von Land zu Land verschieden. In Deutschland und den USA sei eine Kontaktaufnahme erlaubt.Extra

In Kooperation mit dem Deutschen Roten Kreuz werden in der Region demnächst mehrere Blutspende-Termine angeboten, bei denen sich die Teilnehmer auch für eine mögliche Stammzellspende typisieren lassen können: Freitag, 29. April, 17 bis 20.30 Uhr, Gillenfeld, Schule, Schulstraße 11 (Kreis Vulkaneifel). Freitag, 29. April, 17 bis 20.30 Uhr, Welschbillig, Kulturscheune, Burgstraße 1 (Kreis Trier-Saarburg). Donnerstag, 12. Mai, 17 bis 20.30 Uhr, Hetzerath, Realschule plus, Waldalbert Straße 16, (Kreis Bernkastel-Wittlich). Dienstag, 24. Mai, 17 bis 20.30 Uhr, Tawern, Bürgerhaus (Kreis Trier-Saarburg). Montag, 30. Mai, 17.30 bis 20.30 Uhr, Manderscheid, Realschule plus, Cusanusstraße 7 (Kreis Bernkastel-Wittlich). redExtra

Die Stefan-Morsch-Stiftung mit Sitz in Birkenfeld ist die älteste Stammzellspenderdatei Deutschlands. Sie bietet seit 1986 Hilfe für Leukämie- und Tumorkranke. Ihr Hauptziel ist es, Menschen zu werben, sich als Stammzellspender registrieren zu lassen. In der Datei der Stefan-Morsch-Stiftung sind inzwischen rund 400 000 potenzielle Stammzell- oder Knochenmarkspender verzeichnet. Prinzipiell kann jeder gesunde Erwachsene Spender werden. Ausschlussgründe nennt die Internetseite der Stefan-Morsch-Stiftung ( www.stefan-morsch-stiftung.de ). Dort kann man sich auch online registrieren lassen, die notwendige Einverständniserklärung ausfüllen und sich ein Entnahmeset zuschicken lassen. Dieses enthält das entsprechende Material, um sich beim Hausarzt eine Blut- oder Speichelprobe entnehmen zu lassen. Das Päckchen wird dann einfach an die Stefan-Morsch-Stiftung zurückgesendet. Auf der Homepage stehen auch alle Termine für Typisierungsaktionen. Die Typisierung ist für alle Spender zwischen 18 und 40 Jahren kostenlos. Geldspenden sind jedoch willkommen - denn jede Spenderregistrierung kostet laut Stiftung mindestens 40 Euro. red/cweb

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