Auf dem Weg zur Perfektion

HINZERT-PÖLERT. Erster im Kreis Trier-Saarburg, Zweiter beim Gebietsentscheid: Das ist die Erfolgsbilanz des Doppelorts Hinzert-Pölert beim Wettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft 2006". Doch welche Impulse und Anregungen für die weitere Entwicklung der 310-Einwohner-Gemeinde hat diese Teilnahme gebracht? Der TV hat nachgefragt.

Weithin bekannt ist die Hochwaldgemeinde Hinzert-Pölert wegen ihrer Gedenkstätte auf dem Gelände des früheren SS-Sonderlagers, die im Dezember 2005 mit der Einweihung eines neuen Dokumentationszentrums weiter aufgewertet wurde. Dieses "Hinzert-Haus" fand wegen seiner bemerkenswerten Architektur selbst in internationalen Medien Beachtung, und auch die Gebietskommission des Wettbewerbs "Unser Dorf hat Zukunft" lobte den Neubau als "überraschend eindrucksvoll". Hinzert-Pölert hat aber viel mehr als nur das Dokumentationszentrum zu bieten. Darauf kann die Gemeinde nicht zuletzt wegen ihres erfolgreichen Abschneidens beim aktuellen "Schönheitswettbewerb" unter den Dörfern verweisen. Immerhin sicherte sich der Doppelort beim Kreisentscheid 2006 in der Sonderklasse den Sieg, auf Gebietsebene landete er hinter Steffeln in der Vulkaneifel auf Rang zwei (der TV berichtete). "Natürlich hätten wir uns auch gerne auf Landesebene präsentiert. Das hat zwar nicht geklappt, gelohnt hat sich die Teilnahme aber trotzdem", betonen Mathilde Müller und Mario Leiber im Gespräch mit dem TV unisono. Ein Schub für's Dorfleben

Zum einen sind die Ortsbürgermeisterin und ihr Beigeordneter der Meinung, dass der Wettbewerb einen Schub fürs Dorfleben gebracht hat und der Erfolg wichtig für das Selbstwertgefühl der Hinzert-Pölerter ist. "Die Leute sind schon stolz auf das gute Ergebnis. Sie haben sich aber auch vorbildlich ins Zeug gelegt, um den Ort so gut wie möglich zu präsentieren", sagt Leiber und nennt ein Beispiel: Vor dem Besuch der Jury hatten nämlich viele Hinzerter noch kurzerhand mit angepackt, um das Spritzenhäuschen neu zu streichen. Erfreulich sei aber auch das Urteil der Fachleute gewesen, dass "wir an allen Punkten gearbeitet haben, die bei unserer Teilnahme 2002 noch bemängelt worden sind. Wir haben also schon einige Fortschritte gemacht", betont der Beigeordnete. So hatte die Gemeinde damals die Anregung der Jury aufgegriffen, den Pölerter Friedhof umzugestalten - ein Projekt, dessen Umsetzung die Kommission vier Jahre später als "gelungen" lobte. Bereits Initiative ergriffen hat die Kommune außerdem beim Thema "Dorferneuerung". Sie bezahlt nämlich eine Architektin für die Beratung von Privatleuten, wenn diese einen Umbau oder die Neugestaltung von ortsbildprägenden Altbauten planen. Weil es bei dem Wettbewerb aber längst nicht mehr nur um schöne Häuserfassaden und üppige Blütenpracht geht, sondern wie der Name schon sagt, die Zukunftsfähigkeit einer Gemeinde im Vordergrund steht, beeindruckte die Kommission eine Leistung besonders: Als "großartig" hob sie nämlich hervor, dass es dem Engagement der Bevölkerung zu verdanken ist, dass die marode Johanneskapelle in Hinzert gerettet und restauriert wurde. Allerdings: Zu tun gibt es in Hinzert-Pölert noch genug: Bei ihrem Rundgang durchs Dorf und auch in der Urteilsbegründung vermied es die Jury zwar, das Wort "Schwachstellen" direkt in den Mund zu nehmen. "Wenn aber von Entwicklungspotenzial die Rede war, dann wussten wir: Das ist ein Hinweis, wo wir noch etwas machen können", sagt Mathilde Müller schmunzelnd. Hoffen auf die Hunsrück-Bahn

Das gilt beispielsweise für eine Detailfrage wie die Gestaltung des Spielplatzes am Pölerter Brunnen, betrifft aber auch eine eher grundsätzliche Aufforderung: "Gewünscht wurde, dass Übernachtungsmöglichkeiten geschaffen werden, um den Ort mehr zu beleben. Das fehlt bislang", sagt Müller. In diesem Zusammenhang hofft die Ortsbürgermeisterin vor allem auf die geplante Reaktivierung der Hunsrück-Bahn und das damit verbundene Draisinen-Projekt. "Wenn das klappt, wäre das für unsere wirtschaftliche Entwicklung sehr wichtig", sagt Müller. Ein Problem, das den Hinzert-Pölerter Verantwortlichen schon lange unter den Nägeln brennt, ist zudem die schlechte Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr. "Das ist ein Standort-Nachteil", betont Müller und denkt dabei insbesondere daran, Auswärtigen die Ansiedlung in den beiden Neubaugebieten im Doppelort schmackhaft zu machen. "Vielleicht verbessert sich die Situation in dieser Hinsicht aber mit dem neuen Dokumentationszentrum", hofft Leiber. Für Müller jedenfalls steht fest: "Ich finde, es lohnt sich, an diesem Wettbewerb teilzunehmen. Denn es bedeutet doch für die Gemeinden, dass sie mit der Jury kostenlose Unternehmensberater in ihr Dorf bekommen."

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