Auf den Hund gekommen

TRIERWEILER. In der Seniorenresidenz Niederweiler Hof in Trierweiler bringen Therapie-Hunde Freude und Abwechslung in den Alltag der Bewohner. Dies hat auch medizinisch gesehen positive Auswirkungen.

Der 79-jährige Josef Schons hat ein Strahlen in den Augen. Seit Minuten streichelt er das glänzende Fell von Bordercolli Mischling Murphy. Und Elisabeth Wenzel (88) ruft entzückt: "Diese Tiere sind ja mit nichts zu bezahlen." In ihrem Arm hält sie die kleine Emmy. Das grau-schwarze Wollknäuel hat ihr gerade mit seiner Nase die Wange "geküsst". Emmy, Murphy und die junge Bordercolli-Hündin Chrissi, die auf dem Tisch vor Frau Hellriegel liegt, sind zertifizierte Therapie-Hunde. Monika Klöckner, ihre Besitzerin und Trainerin, kommt seit Juli vergangenen Jahres mit ihnen in die Seniorenresidenz Niederweiler Hof in Trierweiler. Waren es anfangs nur kurze Besuche, einmal wöchentlich, arbeitet die 41-Jährige mittlerweile Vollzeit in der Einrichtung. Sie bastelt, backt und singt mit den Bewohnern, aber besonders gut kommen ihre Hunde bei den alten Menschen an. Auch heute sitzt wieder eine Gruppe von sieben Bewohnern um einen Tisch im Mehrzweckraum "Udelfangen". Auf und um den Tisch wuseln in Streichelnähe und gut erreichbar Murphy, Chrissi und Emmy herum. "Die Tiere kennen wirklich keinerlei Berührungsängste", sagt Monika Klöckner und wirft Murphy ein "Leckerli" zu. Der fängt es und legt zufrieden seinen Kopf zurück in den Schoß von Frau Haas. Dann ist Chrissi mit einem Kunststückchen dran - sehr zum Gefallen von Frau Lissfeld: "Schön, schön!", ruft sie begeistert, als der Hund seine Pfote vor die Augen legt und sich auf den Rücken rollt.Die Tiere bewirken positive Veränderungen

"Im Prinzip macht Frau Klöckner eine Animation. Sie bringt Abwechslung in den Alltag der Menschen und ermöglicht ihnen eine ganz andere Art von Beschäftigung hier im Haus", sagt der Geschäftsführer des Niederweiler Hofs, Reinhard Schuh. Mit den Hunden im Altenheim hat Schuh keinerlei Probleme: "Unsere Bewohner leben und wohnen hier - da gehören wie in vielen Haushalten eben auch Haustiere dazu." Dabei bewirken die zertifizierten Vierbeiner eine sichtbar positive Veränderung bei den alten Menschen. Demente Bewohner, die eher teilnahmslos und verloren wirkten, öffnen sich noch einmal und zeigen Reaktionen. Einige, die lange kein Wort mehr gesprochen haben, fangen plötzlich wieder an zu reden - mit den Tieren. Beispiele wie diese sind keine Seltenheit, wie Chefarzt Lienhard Stolzis im Mutterhaus der Borromäerinnen in Trier erklärt. Im Umgang mit einem vertrauten Tier sinken nachweislich Blutdruck und Pulsschlag. Der Kreislauf wird stabilisiert, sogar Schmerzen werden weniger stark wahrgenommen. Berühren und berührt werden, wie beim Streicheln der Tiere, ist ein menschliches Grundbedürfnis, das einfach gut tut. Stolzis verweist aber hauptsächlich auf die psychische Komponente in der Beziehung zwischen Mensch und Tier. Gerade ältere Menschen, die viel allein sind, werden durch die kommunikative Verbindung zu einem Hund motiviert. "Ich merke das ja schon bei mir selbst, wenn ich abends heimkomme, und mein Hund begrüßt mich", beschreibt Stolzis diese Wirkung. Einem Tier sind Äußerlichkeiten wie Alter und Aussehen egal. Durch seine Zuneigung und Offenheit kann es Nähe und Geborgenheit vermitteln - Gefühle, die Heimbewohner trotz guter Pflege in ihrem Alltag oft entbehren.Therapie-Hunde sorgen auch für Bewegung

Bei den Bewohnern des Niederweiler Hofs sorgen die Therapie-Hunde neben der psychischen Stärkung aber auch schlicht für Bewegung. "Das ist wie eine Art Krankengymnastik", sagt Monika Klöckner und reicht Herrn Schons einen Hula-Hup-Reifen, den er um die vor im sitzende Chrissi legt. "Herr Schons hatte letzte Woche sogar einen kleinen Muskelkater nach dieser Übung", beschreibt Klöckner verschmitzt grinsend den Erfolg ihrer Arbeit.

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