Auf der Steinkaul tut sich was

WELLEN. In der jüngsten Sitzung des Gemeinderates Wellen drehte sich das meiste um das Thema Baugebiete im Ort. Raumplanerin Annette Weber präsentierte den Ratsleuten sowie den ungewöhnlich zahlreichen Besuchern die Ergebnisse des Ortsentwicklungsplans.

Bei den meisten Stadt- und Gemeinderats-Sitzungen hält sich das Zuschauer-Interesse in Grenzen. Einzig, wenn das Thema Baugebiete auf der Tagesordnung steht, sind einige zum Besuch der Ratssitzungen zu bewegen. Die jüngste Sitzung in Wellen bewies dies. Zunächst stellte die selbstständige Raumplanerin Annette Weber in verknappter Form die Ergebnisse eines Gutachtens zur Ortsentwicklungsplanung der Gemeinde vor. Auf Wunsch der Kreisverwaltung Trier-Saarburg hatte die Ortsgemeinde die Raumplanerin damit Ende vergangenen Jahres beauftragt. Vier Gebiete kommen in Frage

Kernfrage, auf die das Gutachten eine Antwort liefern sollte, war, welches Gebiet im Ort sich als künftiges Neubaugebiet am besten eignet. "Sie stehen als Wellener vor der schwierigen Situation, dass Sie vier Baugebiete ausweisen können. Sie müssen die Entscheidung treffen, welches Sie in Zukunft favorisieren. Allein Hässeln III ist bislang im Flächennutzungsplan drin." Die vier Gebiete sind die so genannte Rennbahn, Hässeln III, Unter dem Farster Weg und Auf der Steinkaul. "Die Frage, die Sie im Rat klären müssen, lautet ,Wie und mit wieviel machen wir weiter?'" Weber schickte voraus: "Ich kann Ihnen nur sagen, dass Sie bei dem Bedarf an Grundstücken, der in Wellen nach wie vor besteht, alle Flächen loswerden. Auch wenn Sie alle vier Gebiete gleichzeitig entwickeln würden."Hässeln III ist klarer Favorit

Allerdings "werfe" sich die Gemeinde "auch keinen Knüppel zwischen die Beine" im Hinblick auf die Erschließung von Hässeln III, wenn sie die übrigen drei Bereiche als Wohngebiete ausweise. Untersucht habe die Planerin die Gebiete unter drei Aspekten: Wie gut ist das Gebiet erschließbar?, wie gut passt sich das Gebiet in die Umgebung ein? und wie sieht es mit landespflegerischen Gesichtspunkten aus? "Klarer Favorit unter diesen Gesichtspunkten ist Hässeln III", sagte Weber. Für die Erschließung dieses Bereichs spreche vor allem ein Grund: "Es gibt dort keine Probleme hinsichtlich der Niederschlagswasser-Bewirtschaftung. Der Niederbach ist in der Nähe, und die Fläche an sich ist groß genug." Einen Nachteil bei den Gebieten Rennbahn und Unter dem Farster Weg stellt die Planerin klar heraus: Dort sei ein privater Investor aus Luxemburg im Gespräch, der die Grundstücke nur in Kombination mit Häusern verkaufen will. "Das entspricht nach meiner Erfahrung nicht dem allgemeinen Trend. Es werden bevorzugt Grundstücke nachgefragt und nicht Grundstücke mit Häusern. Der Markt muss auch die separate Alternative anbieten." Über die von Annette Weber vorgestellten Ergebnisse fasste der Rat zwar keinen Beschluss. Die Ratsherren und -frauen stimmten dem groben Konzept jedoch grundsätzlich einstimmig zu. Das Gutachten werde nun an die Kreisverwaltung weitergeleitet. Einen Beschluss fasste der Rat hingegen beim Tagesordnungspunkt Neubaugebiet Auf der Steinkaul. Einstimmig segnete der Rat den bereits vom Bauausschuss befürworteten Bebauungsplan ab. Damit ist ein wesentlicher Schritt für die Erschließung der insgesamt 43 Baugrundstücke in dem Bereich zwischen dem Friedhof und dem ehemaligen Lagerplatz des TKDZ-Werks gemacht.Großteil der Aufgaben erledigt

Das private Projektentwickler-Büro Petra und Claudius Frühauf aus Wiltingen ist mit der Erschließung des Wohngebietes beauftragt. "Beim Gebiet ,Hinter den Gärten' in Wiltingen, das wir erschlossen haben, hat das Bebauungsplanverfahren weniger als acht Monate gedauert", erklärt Claudius Frühauf gegenüber dem TV. Ähnlich zügig könne das Verfahren auch in Wellen laufen, da das Büro einen Großteil der Aufgaben bereits erledigt habe. Wie auch in Wiltingen (der TV berichtete mehrfach) haben die Projektentwickler die Grundstücksbesitzer in einer privaten Interessengemeinschaft zusammengeführt. Sie übernehmen die Kosten für das Bebauungsplanverfahren sowie für die Erschließung. Petra und Claudius Frühauf organisieren und koordinieren die gesamte Erschließung und werden von der Interessengemeinschaft bezahlt. Anders als die Gemeinde muss das Büro nicht öffentlich ausschreiben, sondern kann direkt mit entsprechenden Firmen verhandeln. Die Gemeinde behält allerdings ihr Hoheitsrecht und schreibt vor, wie gebaut wird. "Wir sind mit der Planung bereits sehr, sehr weit vorangekommen", erklärte Claudius Frühauf in der Rats-Sitzung und präsentierte eine Lösung für das Thema Oberflächenwasser: "Wir planen, auf der Steinkaul das Oberflächenwasser in das Regenwasser-System einzuleiten und auf die Rückhalteflächen zu führen. Das entlastet das Klärwerk extrem."