Auf der Suche nach der Perle

HERMESKEIL. 25 Jahre lang war Otfried Stertenbrink Pfarrer in Hermeskeil. Eine lange Zeit, in der es auch immer wieder etwas zu lachen gab.

"Eine Anekdote wollen Sie hören? Schwierig, wissen Sie, da gab es soviel, was passiert ist. Was mir aber im Gedächtnis geblieben ist, ist damals, als ich um zwölf in der Nacht alle vier Glocken in der Kirche in Hermeskeil geläutet habe", erzählt der 70 Jahre alte Stertenbrink, "damals ist sogar die Feuerwehr ausgerückt, weil sie dachte, es brennt." Begonnen habe alles damals, als in Hermeskeil eine neue Orgel angeschafft werden sollte. "Das Geld dafür musste ja irgendwie aufgetrieben werden", sagt Stertenbrink. Jedenfalls sei er mit anderen eines Abends in der Wirtschaft gewesen und einer schlug ihm um Mitternacht vor, ihm 1000 Mark zu geben, wenn er jetzt alle Glocken läuten würde. "Was soll ich sagen, ich hab es gemacht. 1000 Mark sind eine Menge Geld, und ich konnte sie für die Orgel sehr gut brauchen", sagt Stertenbrink. So kam dann das Geld für die neue Orgel zusammen. Das war aber nur eines der vielen Projekte, die Stertenbrink in dem Vierteljahrhundert seiner Tätigkeit in Hermeskeil umsetzte. "In erster Linie habe ich viel Kinder- und Jugendarbeit gemacht, bin in Schulen und Kindergärten gegangen und habe so auch die Eltern kennen gelernt", sagt Stertenbrink. Seine Aufgabe als Seelsorger von 6000 Seelen beschreibt er so: "In jedem Menschen steckt eine Perle, mein Auftrag ist es, diese Perle zu entdecken und sichtbar zu machen, jeder Mensch kann dann auf einmal etwas bedeuten."Pfarrei hatte viel Verständnis

Als er im März 1981 seine Stelle in Hermeskeil antrat, fühlte er sich direkt wohl. "Auch wenn ich damals in Jeans ankam und alle sagten, ich sei verrückt." Aber weil er sich so natürlich gab, konnte er auch die Distanz abbauen und bessere Kontakte zu den Menschen aufbauen. "Die Pfarrei hatte immer sehr viel Verständnis für mich und meine Eigenheiten, denn ich war oft unterwegs in den Ländern dieser Welt und das wurde auch akzeptiert", erzählt Stertenbrink. "Ich habe hier sehr viel Unterstützung erfahren, immer Hilfe erfahren und stand nie alleine da, so war es möglich, sehr viel aufzubauen und mit Leben zu füllen", sagt Stertenbrink. Für ihn soll eine Pfarrei auch zeigen, "wie schön es ist, Freundschaften aufzubauen und zu pflegen. Freundschaften zu den Menschen, zu Gott und zu Jesus Christus." Traurig, dass er nun in den Ruhestand geht, ist er aber nicht. "Ich freue mich, in Pension zu sein, denn jetzt kann ich Mensch sein, so wie ich bin", sagt Stertenbrink. Endlich habe er genügend Zeit für seine Hobbys, sei es lesen, malen oder auch die Bildhauerei. Außerdem schreibt er Bücher und illustriert sie. Er freut sich, dass er weiterhin in Hermeskeil wohnen darf, denn "es ist das Schönste in einer Pfarrei, wenn man nicht nur angenommen wird, sondern das Gefühl entsteht, dass man zusammengehört".

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