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Auf die letzte Glocke folgt die Kultur

Soziales : Auf die letzte Glocke folgt die Kultur

Zehn Jahre Kulturgießerei – das bedeutet zehn Jahre Kultur im Denkmal, sozio-kulturelles Zentrum und Industriemuseum. Geschäftsführerin Anette Barth blickt auf die Anfänge zurück und Richtung Zukunft.

Kultur, Tourismus, Bildung und Soziales sind in der Kulturgießerei angesiedelt, alles vernetzt mit dem Träger Lokales Bündnis für Familien, dem 90 Organisationen, Institutionen und Einzelpersonen angehören. Anette Barth (Foto: Archiv/Herbert Thormeyer) ist Geschäftführerin der Kulturgießerei.

Wie sind Sie damals bei der Organisation vorgegangen, Frau Barth?

Anette Barth: Als 2002 die Glockengießerei Mabilon die letzte Glocke gegossen hat und klar war, dass niemand sie weiterführen wird, hat mich als Kunsthistorikerin die Frage nach der Zukunft dieses kunsthistorisch sehr wertvollen Denkmals sehr beschäftigt. Die Familie hatte mit mir, damals noch als Leiterin der Volkshochschule, Konzerte in der Gießhalle angeboten sowie ihr Ensemble schon lange als Museum Interessierten aus aller Welt die Türen geöffnet. Etwa 10 000 Besucher sind damals schon pro Jahr gekommen. Somit waren zwei wesentliche Eckpfeiler des späteren Konzepts bereits vorhanden. Klar war für mich aber auch, dass es kaum zu finanzieren wäre, ein reines Museum oder eine reine Veranstaltungsstätte aufzubauen. Durch meine Arbeit in der VHS, die ja sehr vielschichtig ist, habe ich schon lange Themenfelder aus dem Bereich Bildung und Soziales miteinander in Projekten vernetzt. Parallel zu dieser Entwicklung entstanden bundesweit die Idee der Lokalen Bündnisse für Familie, die wir 2005/2006 mit der Verbandsgemeinde in Saarburg etablierten sowie die Idee der Mehrgenerationenhäuser (MGH). Um ein MGH zu gründen, musste man für die Bewerbung im Bundesprogramm eine Immobilie aufweisen. Und so fügte ich diese Bausteine in einem Gesamtkonzept mit den Eckpfeilern Kultur – Tourismus – Bildung – Soziales zusammen und begann für diese Idee bei Bürgermeistern, Landrat und anderen Mitstreitern zu werben.

Sind Sie in den Anfängen auf Skepsis gestoßen?

Barth: Die Skepsis am Anfang galt weniger den Inhalten als der Frage, wie man das finanzieren könnte. Denn es musste zunächst das alte Ensemble der Familie Hausen-Mabilon erworben und ein Erweiterungsbau finanziert werden. Mein Dank gilt hier wirklich allen, die an die Idee und das Konzept geglaubt haben und das waren und sind bis heute neben den vielen Vereinen, Institutionen, sozialen Einrichtungen und einzelnen Personen auch die gesamte kommunale Familie bis hin zum Bund, über Parteiinteressen hinweg. Heute haben wir aus meiner Sicht die Menschen wirklich erreicht. Nicht jeder weiß, was wir alles machen als Träger, da wir eben sehr vielfältig aufgestellt sind. Aber die Menschen wissen, dass sie sich mit Fragen an uns wenden können und selbst wenn wir nicht direkt weiterhelfen können, vermitteln wir zu Partnern im Bündnis oder externen Stellen.

Was sind aus Ihrer Sicht die größten Erfolge der Kulturgießerei?

Barth: Aus meiner Sicht bestehen die größten Erfolge darin, dass wir ganz nah an den Bedürfnissen der Menschen sind, egal wie jung oder alt, egal mit welcher Herkunft und Religion und egal ob mit oder ohne Handicap. Bei uns sind alle Menschen willkommen, die unsere demokratischen und christlichen Werte respektieren. Wir setzen ausdrücklich auf  Vielfalt und gehen damit offensiv und mit einer klaren Haltung nach außen. Unser Einsatz für alle Menschen ist ein gutes Argument gegen pauschalisierende, populistische Anfeindungen.

Was sind die weiteren Ziele?

Barth: Wir möchten diese Wege weitergehen und vor allem möchten wir wirklich zu einem weiterhin guten gesellschaftlichen Zusammenleben der Menschen in unserem Sozialraum beitragen. Da spielen soziale Fragen wie Armut im Alter oder Vereinbarkeitsfragen von Familie/Pflege und Beruf eine ebenso große Rolle wie Integrations- oder Mobilitätsfragen im ländlichen Raum. Konkrete Ziele sind zum Beispiel der Ausbau der außerschulischen Betreuung an Grundschulen in der Verbandsgemeinde, dem demografischen Wandel sowie die Integration zugewanderter Menschen nicht nur in unsere Arbeitswelt sondern in unserer Gesellschaft, dies vor allem in Hinblick auf die nachfolgenden Generationen, für die wir jetzt die Weichen stellen müssen.


Mehr Informationen zum Jazz-Festival, dem Tag der offenen Tür sowie zu Angeboten der Kulturgießerei gibt es auf www.kulturgiesserei.de