Auf eigenen Füßen stehen

RASCHEID. (urs) Zum fünften Mal haben Jugendliche in Rascheid eine Woche lang probeweise auf eigenen Füßen gestanden. Dabei meisterten sie neben Hausaufgaben auch Hauswirtschaft, ein eigenes Theater-Projekt und den "alltäglichen Stress" in einer Wohngemeinschaft (WG).

Für 19 Jugendliche der Verbandsgemeinde Hermeskeil hat der Ernst des Lebens begonnen. Allerdings nur für eine Woche, in der sich die 13- bis 18-Jährigen im Rascheider Haus der "Katholischen Studierenden Jugend" (KSJ) dem ganz normalen Alltag stellten. In einer Wohngemeinschaft mit Gleichaltrigen der Jugendclubs Reinsfeld und Gusenburg nutzten sie die Chance, probeweise auf eigenen Füßen zu stehen. Dazu mussten sie nicht nur ihren Tagesablauf selbst organisieren, sondern weitere Hürden nehmen. Etwa die, abgesehen von Schulbesuch und Einkaufsfahrten keinen Ausgang zu haben. "Die dürfen das Gebäude nicht verlassen - die Gemeinschaft steht über allem", umschreibt Jugendpfleger Bernd Hermesdorf die Grundidee des Projekts. Denn der Ideengeber für die WG, die auf Anregung von Jugendlichen mit wechselnden Teilnehmern zum fünften Mal zusammenfand, war "Big Brother". Doch laut Hermesdorf mit einem wichtigen Unterschied: "Wir haben natürlich das Ziel, bis zum Ende zusammen zu bleiben." "Nicht nur ein Spaßprogramm"

Die Bewältigung des ganz normalen WG-Stresses steht folglich bei den Teilnehmern ganz oben an. Doch neben den Fragen, wer wann mit dem Spülen dran ist, oder den Debatten über unterschiedliche Ansichten in puncto Ordnung haben die Jugendlichen eine weitere Aufgabe zu meistern. Denn der Abschluss der WG-Woche will gebührend gefeiert sein. Also müssen sie parallel zu Hausaufgaben und Hauswirtschaft ein - auf die Schnelle selbst verfasstes - Theater-Stück mit Tanz- und Gesangeinlagen einüben. Die Jugendlichen seien echt gefordert, sagt Hermesdorf. Die Woche sei "nicht nur ein Spaßprogramm". Erschwerend kommt hinzu, dass er und ein weiterer Betreuer während dieser Zeit nur als Beobachter fungieren: "Wir sind nicht Mama und Papa und ziehen bei Fragen oft nur die Schultern hoch." Die Einzige, die darauf gefasst war, ist Eva Ludwig, die als Betreuerin die WG schon von früher kennt. Alle anderen waren überrascht, alles selbst entscheiden zu müssen, ließen sich davon aber nicht schrecken. Ihre Erwartungen seien sogar in mancher Hinsicht übertroffen worden, gestehen einige ein. "Wir verstehen uns besser als ich erwartet habe", sagt Philipp Dewans. Tina Jung pflichtet ihm bei. Sie hätte nicht gedacht, "dass wir uns so schnell so gut vertragen". Auch die vielfältigen Aufgaben sind für sie kein Problem. "Das ist halt normal - wie daheim auch", meint Florian Reget. Jacqueline Kuhn hat allerdings zuvor noch nicht allzu häufig von Hand gespült oder gekocht, wie sie erzählt. Sie selbst müsse nur manchmal in der Küche helfen: "Die Spülmaschine einräumen oder mal das Bad sauber machen - mehr aber auch nicht." Die Finanzierung des außergewöhnlichen Projekts teilen sich das Land Rheinland-Pfalz, der Kreis Trier-Saarburg und die Verbandsgemeinde Hermeskeil. Außerdem zahlt jeder Teilnehmer 40 Euro für die Woche.