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Auf verbotenem Pfad durchs Unterholz

Auf verbotenem Pfad durchs Unterholz

Eine illegale Radrennstrecke für Mountainbikes im Wasserliescher Wald beschäftigt derzeit die Gemeinde. Ihre Befürchtung: Nicht nur Flora und Fauna werden dadurch gestört, sondern es drohen auch Unfälle der Radsportler mit anderen Waldbesuchern.

Wasserliesch. "Downhill" ist ein halsbrecherischer Sport. Im Wesentlichen geht es darum, auf geländetauglichen Fahrrädern (Mountainbikes) einen Steilhang hinabzurasen. Zig Meter weite Sprünge über künstliche oder natürliche Rampen erhöhen den Adrenalinpegel der Fahrer zusätzlich, ebenso dicht stehende Bäume, von denen es auf dem Löschemer Berg oberhalb von Wasserliesch jede Menge gibt. Genau dort haben ein paar junge Leute aus dem Ort vor einiger Zeit eine Radrennstrecke angelegt.

Unterhalb der Löschemer Kapelle beginnend führt sie über abschüssiges Terrain und abseits offizieller Wege rund einen Kilometer weit durch den Wasserliescher Gemeindewald und endet im Bereich der Römerstraße an einem Parkplatz. Besonders gefährlich: Auf ihrer Tour durchs Unterholz überqueren die Radler an zwei Stellen den vom Dorf zur Kapelle führenden Kreuzweg. "An diesen Stellen könnte es zu Unfällen mit Spaziergängern kommen", befürchtet Ortsbürgermeister Herbert Rausch.

Helmut Lieser, Forstamtsleiter in Saarburg, sieht weitere Probleme: "Bei der Fahrt über den Waldboden werden die Vegetationsdecke und womöglich schützenswerte Pflanzen zerstört." Zudem würden Kleinlebewesen "platt" gefahren. Nicht umsonst sei klar geregelt, wer sich wo im Wald bewegen dürfe.

Lieser erläutert: "Laut Landeswaldgesetz ist das Radfahren dort nur auf Straßen und Wegen erlaubt." Die Rennstrecke auf dem Löschemer Berg ist demnach illegal. Wer sie befährt, dem droht ein Bußgeld. Dennoch: Die neue "Attraktion" hat sich mittlerweile auch außerhalb des Ortes herumgesprochen. "Es waren schon Leute aus dem Kölner Raum hier, zum Teil mit Kleinbussen", berichtet Ortsbürgermeister Rausch.

Derweil sucht die Gemeinde nach einer Lösung, die auch für die jungen Radsportler akzeptabel ist. So habe es kürzlich Gespräche mit den Betroffenen gegeben. "Stand der Dinge ist, dass sich die Leute nach einem besser geeigneten Gelände umsehen wollen", berichtet Rausch. Wie Forstamtsleiter Lieser erklärt, spricht grundsätzlich nichts gegen eine Rennstrecke im Wald. "Allerdings muss der Waldbesitzer - in diesem Fall die Gemeinde - grünes Licht geben. Zudem müssen die Kreisverwaltung als untere Naturschutzbehörde, der Naturpark Saar-Hunsrück und das Forstamt zustimmen." Geklärt werden müsse außerdem noch die Haftungsfrage (siehe Extra unten). Extra Haftungsfrage: Wer den Wald betritt, tut das laut Landeswaldgesetz auf eigene Gefahr, der Waldbesitzer trägt keine besondere Verkehrssicherungspflicht. "Wenn aber eine walduntypische Einrichtung - etwa eine Radrennstrecke - geschaffen wird, ändert sich die Situation", erklärt Forstamtsleiter Helmut Lieser. Gefahren, die etwa von Bäumen entlang der Strecke ausgehen, müssen dann frühzeitig erkannt und beseitigt werden. "Die erhöhte Verkehrssicherungspflicht kann die Gemeinde als Waldbesitzer aber per Gestattungsvertrag auf den Betreiber der Strecke übertragen", sagt Lieser. Für die Sicherheit auf der Strecke sei ohnehin deren Betreiber - etwa ein Verein - verantwortlich. (hpü)