Auf Winnetous Spuren

HERMESKEIL. (kat) Was Touristen verborgen bleibt, wird Annegret Schröder in wenigen Tagen erfahren: Zwei Wochen wird sie in einer indianischen Familie leben und deren Traditionen kennen lernen. Zurzeit beherbergt sie "Blackfire", eine indianische Band, die heute Abend ein Konzert im "Madhouse" geben wird.

Annegret Schröder hat keine Scheu vor fremden Kulturen. In Trier geboren, lebte sie bis zu ihrem 16. Lebensjahr in Saudi-Arabien, dem Iran und in Nigeria. Ihr Vater arbeitete dort als Bauleiter, und die Familie zog mit. "Als Kind habe ich es gehasst. Immer wieder musste ich neue Freundschaften schließen", sagt die 38-Jährige. Als Erwachsene jedoch ist sie dankbar für diese Erfahrung. "Ich konnte andere Kulturen hautnah kennen lernen." Seit der Geburt ihres Sohnes vor 17 Jahren ist sie in Hermeskeil, dem Heimatort ihres Vaters, "sesshaft" geworden.Traumfänger aus South Dakota

Auch wenn sie die Kindheit in fernen Ländern verbrachte, hat sie doch mit vielen Menschen eines gemeinsam: "Ich bin mit Winnetou groß geworden." Die Karl-May-Filme haben ihr Interesse an Indianern geweckt. "Richtig los ging es aber erst, als meine älteste Tochter Milena immer wieder Alpträume hatte", erzählt Schröder. Da sei ihr die Idee mit dem Traumfänger gekommen. Der aus der indianischen Kultur entliehene Gegenstand besteht aus einem Reifen und einem mit Perlen und Federn verzierten Geflecht. Er wird über dem Bett aufgehängt und soll schlechte Träume fernhalten; die guten lässt er hindurch. "Aber es sollte kein 08/15-Traumfänger sein, sondern ein von Indianern hergestellter." Das Internet half bei der Suche. Annegret Schröder stellte einen Kontakt zum "Pine Ridge Reservat" im US-Bundesstaat South Dakota her. Seitdem unterstützt sie Aktionen, die jugendlichen Indianern helfen. Und: Die Internet-Bekanntschaften wurden intensiver. In zwei Wochen fliegt die dreifache Mutter nach Morinville. Dort wird sie in einer indianischen Familie leben, sie wird die Cree-Sprache lernen und an Tanzzeremonien teilnehmen. Was fasziniert Schröder an den Indianern? "Die Erdverbundenheit, ihr Bewusstsein, die Erde mit Blick auf die Kinder ,gesund‘ zu erhalten, und der völlig andere Umgang mit der Zeit. Die Gelassenheit der Indianer." Seit gestern ist Annegret Schröder Gastgeberin für drei "Native Americans", die in der Black Mesa Region in Arizona aufgewachsenen sind. Jeneda (31), Klee (29) und Clayson (28) sind "Blackfire", eine Band, die heute Abend Navajo-Punkrock im "Madhouse" spielen wird. "Den Kontakt habe ich über Internet hergestellt, das Konzert und einen Grundschul- und Kindergartenbesuch organisiert", sagt Annegret Schröder. Trotz aller Vorbereitung ist sie aufgeregt. "Man muss viele Verhaltensregeln beachten, wenn Native Americans zu Besuch sind." Die Kleidung dürfe nicht zu freizügig sein, denn Nacktheit sei unter Indianern verpönt. Der Älteste müsse zuerst begrüßt und bedient werden. Das Konzert von "Blackfire" beginnt um 21 Uhr im "Madhouse". Eintritt: 5 Euro.