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Aufbruch zu neuen musikalischen Horizonten

Aufbruch zu neuen musikalischen Horizonten

Mehr als 50 Studierende aus aller Welt und rund 20 Dozenten sehen in Saarburg das ideale Arbeitsumfeld, um die Kunst auf ihren Instrumenten und mit ihrer Stimme auf ein neues Niveau zu heben. Welche Fähigkeiten sie weitergeben können, zeigten die Professoren, die Festivalleiter Semyon Rozin eingeladen hat, im Eröffnungskonzert in der Stadthalle.

Saarburg. Ziyang Ye Chin sitzt in der ersten Reihe der Stadthalle. Der 19-jährige Chinese ist einer von mehr als 50 Studierenden im Alter von zwölf bis 40 Jahren, die am Eröffnungsabend der Saarburger Serenaden ihren Dozenten zuhören. Diese eröffnen traditionell die Konzertreihe.
Der junge Pianist ist sicher: "Hier erweitern alle ihren musikalischen Horizont." In Saarburg treffen sich junge Musiker aus vielen Ländern und Kulturen. Rund 250 Zuhörer waren dabei, als ihre Lehrer die Kompositionen spielten, die Festivalleiter Semyon Rozin ausgesucht hatte.
Von Barock bis in die Gegenwart


"Wir präsentieren einen sehr breiten Musikbereich, vom Barock über die Oper und Operette bis zu Stücken des 21. Jahrhunderts, mit Schwerpunkt Kammermusik", erklärt der gebürtige Ukrainer, der Dozent an der Musikhochschule in Köln ist.
Einmal im Jahr spricht er weltweit hochkarätige Kollegen an, die Studierende nach Saarburg mitbringen, damit diese ihre Fähigkeiten wie Ziyang Ye Chin verbessern können. Geprobt wird dabei im Saarburger Gymnasium, da ja gerade große Ferien sind.
Auffallend viele Asiaten sind unter den Gästen, und das hat laut Rozin auch einen guten Grund: "In Europa ist kaum jemand bereit, 2100 Euro für Kurs, Kost und Logis plus Flug für eine solche Akademie zu zahlen." In den USA zum Beispiel herrsche ein anderes System und eine andere Mentalität.
Zum einen gebe es dort für begabte Studierende Stipendien, zum anderen wisse jedes Kind, dass der Aufbau der eigenen Karriere auch eigenes Geld koste. "Wegen 500 Euro Studiengebühren geht man in Europa schon auf die Straße", nennt Rozin das Gegenbeispiel.
Die Stücke, die von den Studierenden in Saarburg einstudiert und auf die Bühne gebracht werden, werden meist sehr selten gespielt. Und das ist der Trick von Rozin. "Die sollen das nicht im Internet finden und nachspielen, sondern ihre eigene musikalische Persönlichkeit entwickeln und ihren Horizont erweitern", lautet sein Credo. Wer nach Saarburg komme, sei erpicht darauf, hart an seinen Fähigkeiten zu arbeiten und diese mit dem örtlichen Publikum zu teilen.
Wie perfekt das letztendlich klingen kann, zeigten die Dozenten. Ein besonders drastisches Stück spielte der Violinprofessor Javier Pinell von der Sam Houston State University in Huntsville Texas. "Der Komponist Ladislav Burlas erhielt in den 60er Jahren eine Krebsdiagnose. Unter dieser Belastung schrieb er das Violinsolo Ritornel", erklärte der Künstler den Hintergrund der sich ständig ändernden musikalischen Stimmungen in diesem Werk.
Extra

Die Studierenden zeigen ihr Können am 2. August, um 19.30 Uhr in der Saarburger Pfarrkirche St. Laurentius, am 3. August ab 18.30 Uhr an der Bettinger Mühle im saarländischen Schmelz und am Montag, 4. August, um 19.30 Uhr gemeinsam mit der Liedertafel Irsch im Bürgerhaus Winzerkeller. Oper und Operette sind das Thema des Abends am 5. August um 19.30 Uhr in der Kulturgießerei Saarburg. Das große Abschlusskonzert ist am 6. August um 19.30 Uhr wieder in der Stadthalle Saarburg. doth