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Aus für die Keller Herzsportgruppe

Aus für die Keller Herzsportgruppe

Der sich abzeichnende Medizinermangel führt manchmal auch an ungewöhnlichen Stellen zu Komplikationen. Das wird im Hochwald an einem konkreten Beispiel deutlich. Die Herzsportgruppe Kell am See muss Ende des Monats nach 16 Jahren mit ihren Übungsstunden aufhören. Der Grund: Beim Training müssten Ärzte dabei sein, aber für diese Aufgabe fehlen Mediziner.

Kell am See. Die Entscheidung ist den Verantwortlichen am Dienstagabend schwergefallen: Doch für das große Problem, das in Zukunft auf die Keller Herzsportgruppe zugekommen wäre, "ist einfach keine Lösung in Sicht", wie Horst Zimmert im TV-Gespräch bedauernd feststellt.
Zimmert ist Vorsitzender des Keller Sportvereins (SV). Eine seiner Abteilungen ist seit 1998 die Herzsportgruppe, die die Leiterin Gabi Behres und Dr. Ullrich Horn gegründet haben. Damals hatte die Gruppe zwölf Teilnehmer. Heute sind dort mehr als 40 Menschen aus den Orten Kell am See, Schillingen, Heddert, Greimerath, Zerf, Lampaden, Paschel, Reinsfeld, Waldweiler und Osburg aktiv.
Üben an einer Demo-Puppe



Doch nun steht die Gruppe vor dem Aus. Sie hat beschlossen, Ende des Monats ihren Betrieb einzustellen. Bisher wurden die Keller Herzsportler bei ihren Treffen von drei lizenzierten Übungsleiterinnen und einem Arzt betreut. Beim TV-Besuch war kürzlich auch Sanitäter und Ausbilder Robert Petry vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) Konz zu Gast.
Unter seiner Leitung geht es für die Teilnehmer im Alter von 50 bis 85 Jahren darum, zunächst an einer Demo-Puppe und anschließend untereinander Erste-Hilfe-Maßnahmen zu trainieren.
Jeder, der sich in der Lage fühlt, kann sich an der Herzmassage und der Mund-zu-Mund-Beatmung versuchen. Auch ein Defibrillator wurde für die Gruppe gekauft. Die Erklärung, wie er richtig gehandhabt wird, gehört zum Training dazu.
Doch solche Übungsstunden sind in Zukunft nicht mehr möglich. Die Erklärung von Gabi Behres: "Alle fünf Jahre wird die Herzsportgruppe durch den Landesverband für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauferkrankungen Rheinland-Pfalz überprüft und nach 19 Qualitätskriterien beurteilt", sagt Behres. "Das ist Voraussetzung für eine Zertifizierung. Wir haben bisher jedes Mal alle Qualitätsstandards erfüllt und somit auch die Zertifizierung erhalten, aktuell bis 2017."
Ein gesetzlich vorgeschriebenes und vertraglich vereinbartes Kriterium dieser Qualitätsstandards verlangt jedoch, dass bei allen Übungsstunden ein betreuender Arzt anwesend sein müsse. "Diese Bedingung konnte auch immer erfüllt werden" sagt Behres, die mit Recht stolz auf ihre Leistungen und die ihrer Mitarbeiter ist. Ab 2015 hätten aber von vier Ärzten, die bisher die Betreuung übernommen haben, mit Dr. Barbara Adenauer aus Zerf und Dr. Ullrich Horn aus Trier nur noch zwei Mediziner zur Verfügung gestanden. "Das hätte bedeutet, dass jeder dieser beiden Ärzte alle zwei Wochen die Betreuung im Wechsel übernehmen muss", so Behres.
Angebot bleibt bestehen


Weil aber fraglich war, dass die beiden Ärzte diesen Aufwand in Zukunft so schultern könnten, wird die Herzsportgruppe aufgelöst. Wie Behres am Mittwoch im TV-Gespräch sagte, wollen sich die meisten Mitglieder auch in Zukunft treffen. "Das sportliche Angebot bleibt auch bestehen, allerdings in eigener Verantwortung. Außerdem werden die Übungsstunden dann nicht mehr von der Krankenkasse bezuschusst", sagt Behres. Wichtig ist der Leiterin auch die Feststellung, dass die Herzsportgruppe dann wieder reaktiviert werden kann, wenn sich noch Ärzte für die Betreuung finden würden. "Das könnten auch Mediziner im Ruhestand sein", betont Behres. Die rund 40 Menschen mit Herzproblemen hätten die Hilfe und die Informationen, die ihnen in den Übungsstunden geboten wurden, immer gerne angenommen.
Das können die Herzsportler selbst nur bestätigen: Karl Heinz Erschens aus Kell sagte kürzlich beim TV-Termin: "Eine Schließung der Gruppe wäre für alle Beteiligten ein riesiger Nachteil. Mir persönlich hat die regelmäßige Teilnahme erhebliche gesundheitliche Vorteile gebracht." Norbert Müller aus Lampaden sieht das genauso: "Wir in der Gruppe profitieren von den sportlichen Übungen, aber auch vom Unterricht in Erster Hilfe oder im Umgang mit dem Defibrillator."