Außergewöhnlicher Münzfund in Nittel

Hinter dem Nitteler Pfarrhaus schlug der Metalldetektor von Hans-Josef Wietor Alarm. Der Nitteler Ortsbürgermeister entdeckte auf einen Schlag fast 6000 Münzen. Das Rheinische Landesmuseum in Trier bestätigte jetzt den großen wissenschaftlichen Nutzen der Münzen.

Nittel. Ein großer lehmiger Klumpen, rund 17 Kilogramm schwer - Nittels Ortsbürgermeister Hans-Josef Wietor traute seinen Augen kaum: hinter seinem Garten grub der Hobby-Historiker einen "Schatz" aus - fast 6000 Münzen, die zum größten Teil Anfang des 20. Jahrhunderts geprägt wurden. Wietor, der eine offizielle Genehmigung zum Einsatz eines Metalldetektors hat, lieferte seinen Fund ordnungsgemäß beim Rheinischen Landesmuseum in Trier ab: "Das ist die Vorschrift, und die Fachleute im Museum wissen am besten, wie die Münzen zu bewerten sind."Karl-Josef Gilles, Leiter des Münzkabinetts im Landesmuseum, ist von dem Fund begeistert. "Die eigentlich wertlosen Münzen sind von hohem wissenschaftlichem Interesse", freut er sich. Die Münzen seien zum größten Teil sogenanntes "Notgeld" aus der Zeit des Ersten Weltkriegs, bis sie in der verheerenden Inflation von 1922/23 wertlos wurden. "Viele Städte und Kreise durften damals eigene Münzen prägen lassen, um den Mangel an Klein- und Wechselgeld in ihrer Region zu beheben", erläutert der Münz-Experte."Ein vergleichbarer Münzfund ist bislang nicht bekannt", erklärt Gilles den wissenschaftlichen Wert des "Schatzes". Er vermutet, dass die Münzen von armen Leuten in den kirchlichen Klingelbeutel geworfen wurden: "Nach der Währungsreform war das Geld wertlos, machte aber im Klingelbeutel genau das richtige Geräusch." Möglicherweise habe der Pfarrer die Münzen gesammelt in der Hoffnung, eines Tages doch noch etwas dafür erlösen zu können, erklärt sich Gilles die ungewöhnliche Größe des Funds. "Als 1929 die Pfarrstelle neu besetzt wurde, könnte der neue Pfarrer die wertlosen Münzen hinter dem Haus ,entsorgt' haben", spinnt der Archäologe den Faden weiter.Die Herkunft der Münzen lässt Rückschlüsse auf Handelsbeziehungen, Reisetätigkeiten und politische Ereignisse zu. "Die meisten Münzen stammen aus Trier und Luxemburg, also aus der unmittelbaren Umgebung", berichtet der Münzfachmann. Die russischen und polnischen Münzen wurden wahrscheinlich von Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg mitgebracht. "Mit einigen Münzen aus der Schweiz könnte man sogar heute noch bezahlen", hat Gilles herausgefunden und schmunzelt: "Mit dabei in dem Münzfund waren auch Knöpfe und bislang unbekannte Marken für den Ausschank eines Bieres der Trierer Aktienbräu."Finder Hans-Josef Wietor hofft, dass die Münzen eines Tages einmal in der Öffentlichkeit gezeigt werden. "Für die besonderen Exemplare, zum Beispiel eine kurtrierische Münze aus dem Jahr 1625, ist das durchaus denkbar", bestätigt Gilles. Der Münzexperte des Landesmuseums plant noch wissenschaftliche Artikel in Fachzeitschriften. "Hans-Josef Wietor hat wirklich einen außergewöhnlichen Fund getan", bilanziert der Numismatiker.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort