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Ausstellung in Saarburg: „Dem Leben eine neue Perspektive geben“

Ausstellung : Wenn Fotos einen Blick in die Seele erlauben

Kunstpädagogin Birgit Wehlus zeigt in der Kulturgießerei Saarburg unter dem Titel „Dem Leben eine neue Perspektive geben“ Fotos, auf denen immer eine Holzpuppe eine Rolle spielt. Die Bilder zeigen Gemütszustände als Bewältigung ihrer Krebsdiagnose.

Ein Bild sagt bekanntlich mehr als 1000 Worte. Das trifft in besonderem Maße auf die großformatigen Fotografien von Birgit Wehlus zu, die derzeit in der Kulturgießerei zu sehen sind. Die ehemalige Kunstpädagogin am Saarburger Gymnasium nennt ihre Ausstellung „Dem Leben neue Perspektiven geben“. Und das hat einen besonderen Grund: Sie schöpft daraus Kraft zur Bewältigung ihrer Krebs­erkrankung für sich und andere.

Die Ausstellung kam in Zusammenarbeit mit der Krebsgesellschaft Rheinland-Pfalz zustande. „Mit der Puppe ist ein visuelles Tagebuch entstanden, das Tag für Tag zeigt, wie es Birgit Wehlus geht“, erklärt die Geschäftsführerin der Kulturgießerei, Anette Barth. Ein schwieriger Weg. Vorstandsmitglied Wolfgang Matthes dankte bei der Vernissage für die Wahl des Ausstellungsorts. Wehlus ist seine ehemalige Kollegin am Saarburger Gymnasium, die mit der Diagnose Bauchspeicheldrüsen­krebs leben muss. Und dabei hilft die Holzpuppe – eine Begegnung der besonderen Art. Sie kommt mit dem Laudator zu Wort: „Keiner schaute mich an, niemand interessierte sich für mich und wollte mich kaufen.“ Doch Birgit war beim Antiquitätenhändler sofort schock­verliebt, weil die Puppe die Kunst­pädagogin mit gestalterischer Energie erfüllte.

 Für die Kunstpädagogin Birgit Wehlus ist ihre noch namenlose Holzpuppe sowohl Fotomodell als auch Therapeutin, um eine Krebsdiagnose zu bewältigen.
Für die Kunstpädagogin Birgit Wehlus ist ihre noch namenlose Holzpuppe sowohl Fotomodell als auch Therapeutin, um eine Krebsdiagnose zu bewältigen. Foto: Herbert Thormeyer

Die Puppe wurde zur Haupt­darstellerin in immer neuem Umfeld und mit immer neuer Aussagekraft, wie es ihrer Besitzerin an diesem Tag gerade geht, als das Foto aufgenommen wird.

Es ist ein Leben auf Zeit, in dem sie lernte, Wesentliches von Unwesentlichem zu unterscheiden, Glücksmomente viel stärker zu genießen. Geplant war am 4. Januar 2019 eine dreimonatige Welt­kreuzfahrt. Eine Untersuchung beim Hausarzt davor brachte zunächst die Diagnose „Gallensteine“. Doch die weiteren Laborwerte ergaben etwas viel Schlimmeres: Krebs mit Verdacht auf einen Tumor in der Bauch­speichel­drüse. Eine Operation wurde nötig.

Zwölf Zyklen Chemo­therapie und eine Anschluss­heil­behandlung in Kassel brachten die Künstlerin wieder auf die Beine. Doch dann kamen auch noch die Corona-Pandemie und eine zweite Operation. „Die Beschäftigung mit meiner Puppe diente mir als therapeutisches Instrument, war Bewältigung und Auseinandersetzung“, erläutert sie und will damit auch anderen Betroffenen helfen.

„Die Idee finde ich charmant“, sagt Ausstellungsbesucher Michael Seeling aus Saarburg und hofft, dass das vielen Menschen hilft. „Das ist eine wichtige Ausstellung für Betroffene und Nichtbetroffene“, stellt Lilly Hiry-Bauer aus Saarburg fest. Die bildhafte Darstellung einer Situation bringe einen intensiveren Zugang, als wenn ein Text zu lesen sei.

Die Ausstellung „Dem Leben eine neue Perspektive geben“ ist in der Kulturgießerei Saarburg, Staden 130, noch bis zum 23. Januar zu sehen. Geöffnet ist sie montags bis freitags von 9 bis 17 Uhr und sonntags von 11 bis 17 Uhr – an Weihnachten und zum Jahreswechsel geschlossen. Es gelten die 2G- und die Hygieneregeln. Es liegt ein Gästebuch aus. Darin können Vorschläge zum Namen für die Holzpuppe hinterlassen werden. Die Bilder werden auch zum Verkauf angeboten.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Birgit Wehlus stellt  in der Kulturgießerei aus: Dem Leben eine neue Perspektive geben