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Ausstellung Saarburg Amüseum Maler Josef Kochems vom 1. Juli bis 13. September 2020

Ausstellung : Saarburger Maler Josef Kochems – Hochbegabt und auch mal stur

Mit einer Ausstellung ehrt das Saarburger Amüseum zum wiederholten Mal den 2004 verstorbenen Maler Josef Kochems, der zeitlebens am Wasserfall lebte. Wer war dieser Mann?

Ein stattlicher Mann im Mantel mit Hut und Aktentasche auf dem Weg zum Bahnhof – das ist das Bild, das viele Einheimische noch vor Augen haben, wenn sie an den heimatverbundenen Maler Josef Kochems denken. Der Saarburger hat zeitlebens am Wasserfall mit seiner Schwester Susanne („Sannchen“) und deren Familie gelebt.

Ein viel detaillierteres Bild hat sein ehemaliger Nachbar und Weggefährte Robert Vadrot. Der gebürtige Franzose war mehr als 30 Jahre lang der Betreiber der Gaststätte Zunftstube am Markt und als kunstsinniger Freund ein häufiger Begleiter (und Chauffeur) von Kochems. Mit ihm hat er Reisen zu Kunstausstellungen in ganz Deutschland und Europa unternommen hat. Der 72-jährige Vadrot beschreibt seinen Freund als durchaus ambivalente Persönlichkeit: einerseits hoch begabt, breit gebildet und sehr intelligent. Andererseits manchmal jähzornig und stur, besonders Obrigkeiten gegenüber. Da wurde auch schon mal ein dienstbeflissener Bahnschaffner angeblafft. Gütig sei er zu Kindern gewesen. Immer hatte er kleine Geschenke zur Hand, verlangte aber auch Dankbarkeit und Höflichkeit.

Unvergesslich sein Auftritt am Bahnhof von Wesel, als er kraft seines forschen Auftretens, einen schon angefahrenen Zug stoppte, weil er im Abteil ein wertvolles Ausstellungsplakat vergessen hatte. Das musste er dann vor Sannchen verstecken, die die immensen Ausgaben des Malers für solche Preziosen niemals gebilligt hätte. „Er war ein Original“, sagt Vadrot lachend.

Sabine Repplinger vom Amüseum präsentiert die eingetrocknete Farb-Palette von Josef Kochems. Foto: Dirk Tenbrock

Josef Kochems, 1923 in Saarburg geboren, war wohl ein Getriebener der Kunst. Es musste aus ihm heraus. Er musste seine Eindrücke und Emotionen verarbeiten, die Malerei war das Mittel. Da war es auch egal, was bemalt wurde. Es gibt Bilder auf Pappkarton oder Spanplatten. Josef Kochems hatte zwar nach dem zweiten Weltkrieg die Kunstschule besucht, musste diese jedoch aus finanziellen Gründen abbrechen und hat mehr als 40 Jahre in seinem erlernten Beruf als Polsterer gearbeitet. Kommerzieller Erfolg seiner Werke war ihm nie beschieden, bis heute gibt es keinen signifikanten Markt dafür. Da waren teure Leinwände eine knappe Ressource.

Die Ausstellung im Amüseum am Wasserfall ist erstmalig seinem grafischen Oeuvre gewidmet, das neben Skizzen und Zeichnungen auch druckgrafische Werke aufweist. Gezeigt werden Arbeiten aus den frühen 1950er-Jahren bis hin zu den Werken der letzten Jahre seines Schaffens. Nach dem Tod von Sannchen im Jahre 2000 fehlte Kochems die Kraft zum Malen.

Kuratiert und zusammengestellt wurde die Ausstellung von Sabine Repplinger vom Amüseum, mit Unterstützung der Kunsthistorikerin Dr. Anette Barth von der Kulturgießerei.

Ein Großteil der Ausstellungsstücke stammt aus dem Besitz der Sammlung Schwarz, dem Witwer einer Tochter von Sannchen, der das künstlerische Erbe Kochems‘ pflegt. Schwarz bringt, neben den Bildern, auch ein emotional anrührendes Exponat ein: Eine Original Farb-Palette des Malers, eingetrocknete Farb-Gebirge in allen Blautönen (eine der bevorzugten Farben Kochems‘), mehrere Kilo schwer.

Die Ausstellung „Ein Leben für die Kunst“ im Amüseum am Wasserfall zeigt rund 25 Werke von Josef Kochems. Sie ist von MIttwoch, 1. Juli, bis Sonntag, 13. September, täglich von 11 bis16 Uhr geöffnet, auch sonntags und an Feiertagen. Samstags ist das Museum  geschlossen. Es gelten die Corona-Regeln zur Hygiene, Mund-Nasenschutz und Abstand, deswegen ist der Zutritt begrenzt. Eine Anmeldung ist aber nicht nötig. Der Eintritt ist frei.