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Autor Hans-Peter Lorang darf keine Lesungen im Nationalpark machen.

Heimatliteratur : Keine Lesung mehr im Nationalpark: Verbot ärgert Autor

Schon oft hat der Hochwälder Autor Hans-Peter Lorang Leser bei Wanderungen zu den Schauplätzen seiner Geschichten geführt. Eine im Sommer geplante Tour in den Nationalpark hat ihm das zuständige Amt nun allerdings versagt. Und das hat nichts mit der Pandemie zu tun.

Krimiautor Hans-Peter Lorang versteht die Welt nicht mehr. Das Nationalparkamt, zuständig für den seit 2015 bestehenden Nationalpark Hunsrück-Hochwald, hat ihm eine für Juni geplante Lesewanderung zu Schauplätzen seines aktuellen Romans nicht erlaubt. „Warum darf ich im Nationalpark keine Ausschnitte aus meinem neuen Buch vortragen, im angrenzenden Naturpark aber schon?“, fragt der Autor aus Neuhütten irritiert.

Die Tourist-Information der saarländischen Gemeinde Nonnweiler hatte ihn gefragt, ob er eine Lesewanderung über die Dollbergschleife bei Züsch begleiten wolle – sofern es die Pandemie im Sommer wieder erlaube. „Ich habe mich darüber sehr gefreut, denn im letzten Jahr musste ich wegen Corona alle Wanderungen absagen“, berichtet der Schriftsteller. Drei Lesestationen – davon eine im Nationalpark am keltischen Ringwall bei Nonnweiler-Otzenhausen –  hatte er geplant. Mit ähnlichen Veranstaltungen habe er schon oft Literatur- und Wanderfreunde begeistert, sagt Lorang. Auch schon im Nationalpark. Doch auf die Anmeldung der Juni-Tour durch die Touristinformation folgte prompt die Absage des Nationalparkamts. Über die Gründe, sagt Lorang, habe er zunächst nichts erfahren. Es habe ihn aber gewundert, dass die von Nonnweiler aus organisierten Wanderungen zum Ringwall offenbar weiterhin angeboten werden dürften.

Inzwischen wurde die Route für seine Tour verlegt – am Nationalpark vorbei (siehe Info). Wie geplant will Lorang am 26. Juni aus seinem historischen Roman „Das Vermächtnis der Kräuterfrau“ vorlesen, der teilweise auf dem Gebiet des Nationalparks spielt – wie viele Handlungsorte in seinen mittlerweile 14 Büchern, zu denen auch geschichtliche Abhandlungen, Aufsätze und Gedichte zählen. Seit zehn Jahren führt Lorang Krimi- und Wanderfreunde zu Orten, wo sich seine Geschichten abspielen. „Das bringt für mich einen besonderen Reiz. Man sieht dann an den Gesichtern der Zuhörer, dass sie erkennen: Wo sie gerade stehen, passiert das, was sie hören.“

Der 69-Jährige ehemalige Berufsoffizier sieht sich nicht nur als Werber für seine Heimat im Hochwald, sondern auch für den Nationalpark. Seine Touren hält er für „ausdrücklich mit den Zielen und dem Schutzzweck des Nationalparks vereinbar“. Zudem fließe die Teilnahmegebühr stets in wohltätige Projekte.

Warum aber ist das Schutzgebiet diesmal tabu? Der TV hat beim Nationalparkamt nachgefragt. Im Auftrag der Behördenleitung antwortet Anja Eckhardt, dass organisierte Veranstaltungen im Staatswald generell genehmigungspflichtig seien. Im Staatsvertrag zum Nationalpark Hunsrück-Hochwald sei zudem verankert, dass „organisierte Veranstaltungen ausschließlich von sachkundigen Personen durchgeführt“ werden dürften.

In einem Schutzgebiet der obersten Kategorie müssten Menschen, die mit Besuchergruppen unterwegs sind, dafür geschult sein und sich mit den Besonderheiten und Gefahren in einem Wildnisgebiet auskennen. Zusätzlich zu den Rangern haben sich demnach fast 50 Menschen zu zertifizierten Nationalparkführern ausbilden lassen, die einen Kooperationsvertrag mit dem Nationalparkamt abgeschlossen haben und Besucher im Nationalpark führen dürfen. „Für diese Ausbildung wurden mehrere Hundert Stunden an Zeitaufwand und ein vierstelliger Eurobetrag investiert“, teilt Eckhardt mit. Um das Zertifikat zu erhalten, müssten die Nationalparkführer auch an Fortbildungen teilnehmen.

Lorang habe die Lesewanderung nicht selbst beim Nationalparkamt angemeldet. Da es sich um Kooperation mit der Touristinformation (TI) Nonnweiler handele, sei die Strecke der Tour in Absprache mit der TI verlegt worden: „Es wurde eine Ausweichroute außerhalb des Nationalparks angeboten.“

Bezüglich der Ringwalltouren habe man die „Ausnahmeregelung“ mit der Touristinformation getroffen, dass diese Führungen „bis auf weiteres durchgeführt werden können. Einem eng definierten Personenkreis, der die Touren schon seit vielen Jahren macht, wurde hierfür ein Bestandsschutz zugesichert“. Komme jemand neu hinzu, müsse derjenige über die Ausbildung als Nationalparkführer verfügen.

Thomas Finkler, Leiter der TI Nonnweiler, bestätigt auf TV-Nachfrage, dass die gesetzlichen Vorschriften zu Veranstaltungen in dem Schutzgebiet bekannt seien. „Wir hatten Herrn Lorang keine Vorgaben zur Wanderstrecke gemacht. Uns ist schlicht entgangen, dass eine Lesestation in der Nationalparkkulisse geplant war“, sagt Finkler. Grundsätzlich stimme sich die TI bei Veranstaltungen, die den Nationalpark berührten, mit dem Amt in Birkenfeld ab. „In diesem Fall gibt es aber auch genug Möglichkeiten, auszuweichen. Wir freuen uns nach wie vor auf eine schöne Lesewanderung mit Herrn Lorang, die hoffentlich stattfinden kann.“

Beim Autor selbst stoßen die Erklärungen der Parkbehörde auf wenig Verständnis: „Die Kultur- und Regionalentwicklung in der Nationalparkregion wird mit solchen Verboten nicht gefördert“, findet er.