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B 51 neu: Insolvenz führt zu Verzögerungen

B 51 neu: Insolvenz führt zu Verzögerungen

Nachdem die Bochumer Baufirma Betam Infrastructure GmbH Insolvenz angemeldet hat, ist unklar, wie es beim Bau der Trasse für die B-51-Ortsumgehung für Könen weitergeht. Die Beteiligten gehen aber davon aus, dass sich das Projekt verzögert.

Konz/Tawern/Bochum. Die Arbeiten an der Könener Ortsumgehung stehen vorerst weiter still. Wann wieder an der Trasse für das 20 Millionen-Euro-Projekt gearbeitet wird, weiß bisher niemand. Denn die mit der Erstellung der Trasse beauftragte Baufirma Betam Infrastructure GmbH ist offenbar zahlungsunfähig. Am Freitag hat sie beim Amtsgericht Bochum Insolvenz angemeldet (TV vom 11. Juli).Seit zwei Wochen untätig


Das eingeleitete Insolvenzverfahren bestätigt die Gerüchte der vergangenen Wochen und Monate. Die Arbeiter der Firma sind schon vor zwei Wochen abgezogen. Während die Auftraggeber vom Landesbetrieb Mobilität erbost reagierten, schwieg die Firma zunächst zu der Einstellung der Arbeiten ("Stillstand auf der Großbaustelle", TV vom 1. Juli). Vergangene Woche äußerte sich Betam erstmals und räumte gegenüber dem TV Liquiditätsprobleme ein. Zudem transportierten Sattelschlepper schon etliche der bei Tawern abgestellten Baumaschinen ab. Zuvor gab es bereits einen Wechsel in der Geschäftsführung.
Als Insolvenzverwalter hat das Unternehmen den Bochumer Rechtsanwalt Rolf Weidmann bestellt. Das geht aus der öffentlichen Bekanntmachung unter www.insolvenzbekanntmachungen.de hervor. Gegenüber dem WDR hat sich der Essener Rechtsanwalt wie folgt geäußert: "Wir werden uns nun zügig darum kümmern, das Insolvenzgeld vorzufinanzieren, damit die Mitarbeiter die ihnen zustehenden Löhne und Gehälter bis zunächst Ende August erhalten." Das Unternehmen sei willens, bestehende Aufträge reibungslos zu erfüllen. Dies könne nur gelingen, wenn Auftraggeber Aufträge bei Betam beließen und unverzüglich und künftig ihren Beitrag zur Sanierung des Unternehmens leisteten, zitiert der Sender den Anwalt weiter.Folgen noch nicht klar


Zur Frage, was die Insolvenz der Firma für den Bau der Könener Ortsumgehung bedeutet, war am Wochenende vom LBM keine Stellungnahme zu bekommen. Laut TV-Informationen erschwert die Firmenpleite jedoch das ohnehin schon komplizierte Verfahren. Der LBM hatte dem Unternehmen eine Frist bis zum heutigen Montag gesetzt, um an der Baustelle weiterzuarbeiten oder sich zu der Bauunterbrechung zu äußern. Vom Insolvenzverfahren war da noch nichts bekannt. Die neue Situation führt dazu, dass der LBM den Auftrag zunächst wohl nicht an andere Firmen vergeben kann. Noch ist zudem unklar, ob es im Falle einer möglichen Neuvergabe eine EU-weite Ausschreibung geben muss. Einig sind die Akteure darin, dass sich der Bau der neuen Trasse für die Umgehungsstraße voraussichtlich verzögert. Wegen des Baustopps mitten im Sommer sei die Fertigstellung der Straße im Jahr 2016 stark gefährdet, heißt es einhellig.Acht weitere Baustellen


Unklar ist auch, was mit den deutschlandweit mehr als 350 Mitarbeitern und bei den anderen Projekten der Firma Betam passiert. Neben der B 51 bei Könen arbeitet Betam laut einem Bericht der Wirtschaftswoche an acht Autobahnbaustellen, auf denen zurzeit nichts mehr passiert. Einen Auftrag an der A 24 in Schleswig-Holstein hat der dortige Landesbetrieb für Straßenbau und Verkehr der Firma schon entzogen und anderweitig vergeben. Das berichtet das Hamburger Abendblatt.
In der Region Trier hatten Mitbewerber der Bochumer Firma vorgeworfen, bei der Ausschreibung für den Bau der B 51 neu ein unwirtschaftliches Angebot vorgelegt zu haben. Nur so habe die Firma die Konkurrenz unterbieten können, lautete die Kritik. Der LBM hingegen hatte gegenüber dem Volksfreund versichert, das Angebot geprüft zu haben. Die Behörde habe keine Fehler entdecken können, hieß es. Der Könener Ortsvorsteher Detlef Müller-Greis ist enttäuscht von den neuesten Entwicklungen: "Dass sich die Sache verzögert, ist klar", sagt er am Sonntag zum TV. "Mir tut es vor allem für die Anwohner leid, die so lange für die Umgehung gekämpft haben."Meinung

Eine Lösung ohne Rechtsstreit muss her
Eine Baufirma meldet Insolvenz an. Hunderte Arbeitsplätze sind jetzt gefährdet. Die Erfüllung mehrerer Aufträge mit einem Volumen von etwa 90 Millionen Euro ist bedroht. Das ist eine richtig schlechte Nachricht für die Mitarbeiter, die Investoren, das Unternehmen, die Auftraggeber und in erster Linie auch für alle Steuerzahler. Denn sollten die Aufträge neu vergeben werden müssen, zahlen letztlich alle die Zeche. Obwohl die Vorfälle für die Allgemeinheit teuer werden können, ist jetzt nicht die Zeit, einen Schuldigen zu suchen. Zunächst ist es wichtig, dass die Beteiligten sich nicht gegenseitig zerfleischen, sondern gemeinsam eine Lösung finden. Denn schießt in einer solchen Situation jemand quer und klagt, hängen erst mal alle mit drin. Und ein monate- oder jahrelanger Rechtsstreit wäre das Schlimmste, was passieren könnte. Dann würden die brachliegenden Bauprojekte erst Recht zum Steuergeldgrab. c.kremer@volksfreund.de