Bach-Renaturierungen: 40 Millionen Euro fließen in die Gewässer

Bach-Renaturierungen: 40 Millionen Euro fließen in die Gewässer

Der Kreis Trier-Saarburg und die Verbandsgemeinden haben seit 2006 rund zehn Millionen Euro in die Renaturierung von Gewässern investiert. Im Hochwald flossen Fördermittel zum Beispiel in einen naturnahen Verlauf der Ruwer in Kell. Bis 2021 stehen für die Region weitere 40 Millionen Euro zur Verfügung. Davon könnte unter anderem Hentern profitieren.

Kell am See/Hentern/Hermeskeil. Es gluckert und blubbert. Erlen, Pappeln und Haselnusssträucher säumen das Ufer. Eine Kohlmeise schimpft, weil sie bei ihrer Suche nach Samen gestört wird. Morsche Holzpfosten stehen auf einer Insel. Manche sind mit rostigem Stacheldraht untereinander verbunden. Das erinnert daran, dass die Viehweiden in Höhe der Obersten Neumühle bis 2012 noch bis an den Leukbach reichten.

Bis Ende des Jahres wird der Kreis Trier-Saarburg im Rahmen des rheinland-pfälzischen Förderprogramms Aktion Blau plus rund 2,7 Millionen Euro in die Renaturierung des Leukbachs (VG Saarburg) investiert haben. Das ist im Rahmen dieses Programms die größte Einzelmaßnahme im Kreis. In fünf Bauabschnitten ist der zwölf Kilometer lange Bachlauf zwischen der saarländischen Landesgrenze und Saarburg saniert worden. Dazu wurden die Gewässersohle angehoben, Wehranlagen umgebaut und Land angekauft, damit sich das Wasser bei starkem Regen ausweiten kann und es so langsam versickert.

Kreissprecher Thomas Müller sagt: "Die Renaturierung des Leukbachs hat bei Hochwasser schon jetzt zu einer deutlichen Entlastung geführt." Ende 2016, wenn die Arbeiten zwischen Kollesleuken und dem Saarland abgeschlossen sind, soll der rheinland-pfälzische Teil des Leukbachs komplett saniert sein.
Das aktuelle Landesprogramm Aktion Blau plus läuft noch bis 2021. Nach Auskunft der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord stehen 40 Millionen Euro bereit, die der Kreis Trier-Saarburg sowie die Stadt Trier für die Sanierung von Gewässern abrufen können.

Welche Beträge der Kreis nutzen wird, ist noch offen. So ist die Renaturierung der Kyll wegen förderrechtlicher Fragen ins Stocken geraten. Bisher wurden dafür in Höhe der Itteler Mühle (Welschbillig) 156 000 Euro ausgegeben. Wie es an der Deimlinger Mühle (Zemmer) weitergeht, ist unklar. Weitere Gewässer-Renaturierungen sind bislang nicht geplant. Das hängt auch damit zusammen, dass der Landkreis ausschließlich für die Renaturierung der Gewässer zweiter Ordnung (Kyll, Kleine Dhron, Leuk, Salm und Ruwer) zuständig ist.

Ein Überblick über die Ausgaben

Für die Gewässer dritter Ordnung, das sind überwiegend Bäche, sind die Verbandsgemeinden zuständig. Der TV gibt einen Überblick, wie viel die Verbandsgemeinden Kell, Hermeskeil und Ruwer bisher für die Sanierung von Bächen seit 2006 ausgegeben haben und was dort geplant ist:

207 000 Euro hat die VG Kell am See bislang in die Renaturierung der Ruwer im Keller Dorfpark Dumpert investiert. Dort wurde seit 2009 die einstige Begradigung des Bachlaufs rückgängig gemacht. Die Ruwer schlängelt sich nun wieder in natürlichem Lauf durch eine naturnahe Bach-auenlandschaft.

Ganz frisch auf der Liste der weiteren geplanten Projekte steht nach Auskunft des Henterner Ortsbürgermeisters Michael Marx die Renaturierung des Lauschterbachs, der von der nordöstlichen Dorfgrenze Henterns Richtung Ruwer fließt. "Das Bachbett soll verbreitert werden, außerdem wird ein nicht mehr genutzter Feuerlöschteich zurückgebaut", erläutert Marx. Inklusive neuer Bepflanzung werde so eine "deutliche Aufwertung fürs Dorf" erreicht. Die Kosten schätzt Marx auf insgesamt rund 100 000 Euro. "Wir sind deshalb froh, dass wir mit unserem Antrag auf der Prioritätenliste der VG ganz nach vorn gerückt sind." Im Juli solle mit den Arbeiten begonnen werden.
Weitere Gewässersanierungen sind laut VG-Verwaltung am Burkelsbach (Waldweiler, Mandern) und am Lehbach (Kell am See) geplant.

In der VG Hermeskeil wurden seit 2007 440 000 Euro im Rahmen der Aktion Blau (plus) investiert. Ein Abschnitt des Labachs im Stadtpark Hermeskeil und ein namenloses Gewässer in Neuhütten wurden renaturiert. In Neuhütten arbeiten die VG-Werke derzeit im Auftrag des Landes an einem umfassenden Konzept zu Hochwasserschutz und Oberflächenentwässerung (der TV berichtete). Geplant sind Renaturierungen des Löster-, Dörren- und Rotbachs in Hermeskeil sowie des Osterbachs in Reinsfeld.

In der VG Ruwer ist der Kundelbach mit rund 300 000 Euro saniert worden. Vor zwei Jahren wurde noch ein Seitenarm dieses Gewässers renaturiert. Für die nähere Zukunft gibt es laut Bürgermeister Bernhard Busch keine weiteren Planungen. Allerdings würde im Rahmen von Flurbereinigungsverfahren im unteren Ruwertal darauf geachtet, dass die Ortslagen vor zufließendem Wasser geschützt werden.

Mehr von Volksfreund