Bach von allen Saiten

KONZ. Bach im Jazz-Format ist nicht gerade eine Neuigkeit. Aber das Quartett, das im Kloster Karthaus unter dem leicht irreführenden Titel "Jazz à la française" auftrat, entwickelte das altbekannte Schema zur einer Reihe von Glanzstücken.

Sie starten mit Oscar Peterson, und machen gleich deutlich, wohin im Festsaal Konz-Karthaus die Reise geht. Thomas Thiel, Kontrabass, Rolf Seel, Schlagzeug, der kurzfristig eingesprungene Pianist Achim Schneider und, später, auch "special guest" Wolfgang Mertes, spielen feinsinnigen Kammer-Jazz. Wobei der irreführende Titel "Jazz à la française" nur auf eins hinweist - die Nähe zu Jacques Loussier und seinen Bach-Verjazzungen.Vorteilhaft: Verjazzter Paganini

Peterson und Dave Brubeck waren die einzigen originalen Jazz-Stücke des Abends, dessen Titel "Jazz à la française" sich wohl auf Jacques Loussiers Bach-Bearbeitungen bezog. Im Mittelpunkt stand Klassik-Jazz: Johann Sebastian Bach und sein Sohn Carl Philipp Emanuel, außerdem Nicolo Paganini. In nicht gerade umwerfenden Arrangements, aber doch so geschickt bearbeitet, dass sich die Stücke respektabel von einer anderen Seite zeigen: der rhythmischen auch der harmonischen. In Bach steckt tatsächlich allerhand Jazz. Auch Sohn Carl Philipp Emanuel und Paganini präsentieren sich in den rhythmisierten Versionen vorteilhaft. Das ist, als würde jemand ein wertvolles Gewand mal links herum anziehen. Dann wirkt es anders - nicht unbedingt hässlicher, aber so dass Nähte, Stoffkombinationen, Schnitte deutlicher werden und der Betrachter Einblick erhält in die Machart des Kleidungsstücks. Und so verdeutlicht die Verjazzung, die das Quartett in Konz betrieb, auch einiges an der Substanz Bachscher Kompositionen. Zum Beispiel die harmonische Grundstruktur der zweistimmigen Inventionen oder auch die walzernahe Eleganz des berühmten Sicilianos aus der Es-Dur-Flötensonate - das allerdings in einem eher schwülstigen Arrangement. Die Stücke spielen sie gekonnt, Profis, die nichts anbrennen lassen, und die, wie der Pianist, auch in knappen 14 Tagen ihre Partie beherrschen. Einer freilich musizierte sich immer weiter in den Mittelpunkt. Wolfgang Mertes begann mit der Sarabande aus Bachs d-Moll-Violinpartita als guter, solider Geiger und steigerte sich bei Paganini, bei Carl Philipp Emanuel und dann noch einmal bei Paganini zu atemberaubendem Können: Virtuosität ohne Allüren. Kein Wunder, dass die Ankündigung des letzten Stücks im Publikum lautstarkes Bedauern auslöste. "Man wird sehen", sagte Moderator Rolf Seel auf Französisch und tatsächlich: Ohne zwei Zugaben kamen die vier Musiker nicht aus dem Festsaal heraus.