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Bahnarbeiter finden Bombe in Konz – Züge zwischen Trier/Konz/Perl fallen aus

Bombenentschärfung in Konz : Eine mittlere Herkulesaufgabe

In der Nacht auf Donnerstag ist bei Gleisbauarbeiten in Konz eine 500 Kilogramm schwere Fliegerbombe gefunden worden. Die Bahnstrecke zwischen Konz und Perl bleibt gesperrt. Entschärft wird der Blindgänger am Sonntag.

Viele Schüler und Berufspendler haben am Donnerstag vergebens auf ihren Zug gewartet. Bauarbeiter hatten nach Auskunft der Bundespolizei in der Nacht auf Donnerstag eine Fliegerbombe in der Nähe der Konzer Granastraße gefunden. Die Folge: Die Obermoselstrecke der Bahn wurde gesperrt. Und so wie es aussieht, wird sich das in den kommenden Tagen nicht ändern. Und es wird nicht bei der Sperrung der einen Bahnstrecke bleiben.

Der Fund unweit des Stellwerks Konz zwischen Granastraße und Alte Straße hat nämlich nicht nur Folgen für Bahnreisende. Denn der Sprengkörper muss unschädlich gemacht werden. Und zwar an Ort und Stelle. Und das passiert normalerweise erst dann, wenn sich in einem Sicherheitsbereich um den Einsatzort herum außer den Spezialisten des Kampfmittelräumdiensts Rheinland-Pfalz keine anderen Menschen mehr befinden.

Das hinzubekommen ist angesichts der Lage der Bombe eine Herausforderung. Denn das Relikt aus dem Zweiten Weltkrieg liegt nahe am Konzer Stadtzentrum. Dementsprechend lange hat ein Treffen gedauert, bei dem über das weitere Vorgehen gesprochen worden ist.

Das Ergebnis ist eine mittlere Herkulesaufgabe. Der Sprengkörper soll am Sonntag, 28. Oktober, gegen 13 Uhr unschädlich gemacht werden. Zuvor müssen nach Auskunft der Verbandsgemeindeverwaltung Konz rund 6600 Menschen ihre Häuser und Wohnungen verlassen haben. Das sagt Michael Naunheim, Sprecher der VG-Verwaltung Konz.

Die Räumung beginnt um 9 Uhr. Auch die Straßenzüge stehen bereits fest. Man könne grob sagen, dass neben der Innenstadt der Bereich Canet und auch ein Teil von Roscheid betroffen ist. Richtung Könen reiche der ein Kilometer große Sicherheitsradius bis ungefähr an den Verkehrskreisel beim Aldi-Markt. Der Bereich reicht sogar ein Stück weit über das nördliche Moselufer hinaus. Kommt es wirklich so wie derzeit angenommen, müssen unter anderem die B 51, die Bahnstrecke Trier - Saarbrücken, die Mosel und der Moselradweg gesperrt werden.

Naunheim geht davon aus, dass ein Großteil der Konzer bei Verwandten und Freunden einen Unterschlupf finden wird. Gleichwohl wird in der Turnhalle am Gymnasium eine Sammelstelle eingerichtet, in der sich Menschen aufhalten können und wo sie versorgt werden.

Das sagen die Menschen in Konz

Und was sagen die Menschen, in deren Nähe derzeit die gut bewachte Bombe liegt? Coskum Tunali (aus Konz) arbeitet in einem Friseursalon fast schon in Sichtweite der Fundstelle. Sie sagt: „Ich habe wirklich von keiner Bombe gehört, ich bin nur am Arbeiten.“

Optikerin Nasiba Babayeva (aus Konz) ist ein Stück weit besser informiert: „Mein Freund hat mir geschrieben, ein Kollege habe ihm gesagt, dass eine Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden wurde, und dass die Züge nicht mehr fahren.“

Rasheed Mamora, Inhaber der Änderungsschneiderei Smart Repair: „Ich habe gehört, dass eine Bombe von fünf Tonnen gefunden wurde. Mir wurde gesagt, sie stamme aus der Nazi-Zeit.“ Kundin Hedi Werel ist hingegen noch nicht über den Fund informiert gewesen.

Michelle Bauschere sagt: „Ich finde das schon ziemlich schockierend, dass hier eine Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden wurde.“

In der Region ist es keine Seltenheit, dass mehr als 70 Jahre nach Kriegsende Sprengkörper gefunden werden. Die Verkehrswege sowie die Bahninfrastruktur waren während des Zweiten Weltkriegs immer wieder Ziel von Angriffen durch alliierte Bomber. Konz-Karthaus war schließlich nicht nur Standort eines bedeutenden Ausbesserungswerks der Reichsbahn. Dort treffen bis heute mehrere Zugstrecken aufeinander.

Das ist der Blindgänger, der in der Nacht auf Donnerstag gefunden worden ist. Foto: Bundespolizeiinspektion Trier

Im Fall des Konzer Blindgängers handelt es sich nach aktuellem Kenntnisstand übrigens um eine US-amerikanische 1000-Pfund-Bombe mit zwei Zündern. Sie wurde unter anderem eingesetzt, um vorhandene Verkehrsinfrastrukturen wie zum Beispiel Eisenbahnbrücken zu zerstören.

(cmk/iro)