Bald geht's nicht mehr über die Gleise zum Zug

Bald geht's nicht mehr über die Gleise zum Zug

Der Stadtrat hat am Dienstagabend die Planung für das Umfeld des Konzer Hauptbahnhofs verabschiedet. Neben neuen von beiden Seiten zugänglichen Bahnsteigen sind unter anderem eine Fußgängerunterführung, ein Park-and ride-Platz und ein Busbahnhof vorgesehen.

Konz. Zurzeit ist die Situation am Konzer Hauptbahnhof sehr altmodisch. Trifft der Zug ein, muss ein Bahnmitarbeiter ein Tor öffnen. Aus Sicherheitsgründen dürfen die Fahrgäste nicht unkontrolliert auf den Bahnsteig. Wenn sie in Richtung Trier fahren wollen, müssen sie ein Gleis überqueren, um in ihren Zug steigen zu können. Der Bahnsteig ist nur von der Bahnhofsstraße aus durch das sanierungsbedürftige Bahnhofsgebäude erreichbar. Der Stadtteil Berendsborn ist nur über die Brienon-Fußgängerbrücke und die Schillerstraße an den Bahnhof angeschlossen
Der Stadtrat hat am Dienstagabend bei einer Gegenstimme und einer Enthaltung einen Plan für den Umbau des Bahnsteigs und des Bahnhofsumfelds abgesegnet, um die missliche Situation zu verändern. Voraussichtlich Mitte 2013 starten die Bauarbeiten, in die etwa 4,5 Millionen Euro investiert werden. Einen Bauzeitplan gibt zwar noch nicht, Bürgermeister Karl-Heinz Frieden rechnet aber mit etwa 18 Monaten Bauzeit, so dass der Bahnhof 2014 fertig werden kann. Derzeit gehe er davon aus, dass die Stadt einen Kostenanteil von einer Million Euro tragen müsse.
Das Hauptaugenmerk bei der Planung liegt auf dem barrierefreien Zugang. Künftig soll niemand mehr Gleise überqueren oder Stufen erklimmen müssen. Die drei Gleise bleiben erhalten. Es werden Rampen und neue Bahnsteige auf beiden Seiten der Gleise gebaut, über die die Fahrgäste ebenerdig zu den Waggons kommen. Die neuen Bahnsteige werden auf beiden Seiten auf 190 Metern Länge um 70 Zentimeter angehoben, damit auch die Waggons barrierefrei zugänglich sind. Für Sehbehinderte wird zudem ein spezielles Leitsystem eingerichtet. Zum Unterstellen gibt es Wetterschutzhäuschen. Bahnhofs- und Güterstraße werden mit einer barrierefreien Fußgängerunterführung verbunden.
"Das Bahnhofsgebäude hat künftig für den Haltepunkt keine Funktion mehr", sagt Erhard Holbach vom Konzer Bauamt. Ein Privatinvestor könne seine Pläne für das Gebäude unabhängig vom Ausbau des Haltepunkts umsetzen (siehe Extra). Auf der Seite der Güterstraße wird neben 82 neuen Parkplätzen ein überdachter Busbahnhof gebaut, damit die Menschen direkt in Busse umsteigen können. Auch für Zweiradfahrer ist gesorgt: Es sind überdachte Motorradparkplätze und zehn Fahrradboxen geplant.
Kritik an der Planung gab es gestern von Grünen-Ratsmitglied Sascha Gottschalk. Auf dessen Frage, welche Erfahrungen in anderen Städten mit ähnlichen Bahnhöfen, vor allem mit 90 Meter langen Rampen, gemacht worden seien, antwortete Frieden: "Es sind keine schlechten Erfahrungen an uns herangetragen worden." Aufzüge seien problematischer, weil es häufiger zu technischen Problemen komme, argumentierte auch SPD-Fraktionssprecher Alfons Maximini für die Rampenlösung.Extra

Die Firma Ifa-Immobilien GmbH aus Schillingen (Verbandsgemeinde Kell am See) will das Bahnhofsgebäude in ein Restaurant mit Brauereiausschank und Biergarten umbauen. Im April hat der Investor mitgeteilt, dass er seine Kaufoption ziehen will. Zurzeit werden noch entsprechende Verträge mit der Stadt verhandelt. Plangemäß will die Firma 2013 mit der Sanierung des Gebäudes beginnen. Neben dem eigentlichen Bahnhofsgebäude will die Ifa zudem ein Zwei-Sterne-Hotel errichten, mit dem sie vor allem Fahrradtouristen ansprechen will (der TV berichtete). cmk