Bald nur noch Tempo 30 in allen Gassen

Bald nur noch Tempo 30 in allen Gassen

Kanzem soll komplett zur Tempo-30-Zone erklärt werden. Dies hat der Ortsgemeinderat in seiner jüngsten Sitzung entschieden. Schon in Kürze sollen die rot-weißen Schilder mit der schwarzen 30 an allen Gemeindestraßen des kleinen Saarortes stehen. Vielleicht wird Kanzem dadurch zum Modell für andere Gemeinden.

Kanzem. Seit Jahren gehören Tempo-30-Schilder in Kanzem zum Ortsbild. Die Verkehrszeichen stehen entlang der L-137-Ortsdurchfahrt, über die viel Durchgangsverkehr von Konz in Richtung Saarburg fließt. "Auf dieser Landesstraße hat die Gemeinde selbst nichts zu bestimmen. Tempo 30 hat dort der Landesbetrieb Mobilität eingeführt - hauptsächlich wegen der engen Saarbrücke am Ortseingang", erklärt Ortsbürgermeister Dirk Burdjak und fügt hinzu: "Zwar halten sich die wenigsten Autofahrer genau an das Limit, aber die meisten reduzieren ihr Tempo wenigstens von den sonst üblichen 60 auf etwa 40 Kilometer pro Stunde. Das ist immerhin ein Erfolg."
So sah es vor einigen Jahren auch der Kanzemer Bürgerverein und mit ihm viele Ortsbewohner. Sie fühlten sich gestört von eiligen ortskundigen Fahrern, die im forcierten Tempo ihre Abkürzungen durch enge Wohnstraßen nehmen. Burdjak: "Hinzu kommt, dass Kanzem eine verhältnismäßig kinderreiche Gemeinde ist. Wir mussten etwas für die Sicherheit unserer Kinder tun."
Im Frühjahr 2012 wurde zunächst für drei Wohnstraßen rund um den Kinderspielplatz die Einrichtung von Tempo 30 beschlossen. Dadurch fühlten sich die Bewohner anderer Straßen jedoch benachteiligt.
Auch die Verbandsgemeindeverwaltung Konz riet von der "Bevorzugung" nur einiger Straßen ab, denn das würde unweigerlich zu innerörtlichen Diskussionen führen. Burdjak: "Damals gab es auch noch andere Ideen, um das Tempo zu drosseln. Etwa durchgezogene Linien an Rechts-vor-Links-Einmündungen nach französischem Vorbild."
Dann habe sich allerdings herausgestellt, dass diese Art von Straßenmarkierung nicht den deutschen Verkehrsvorschriften entspricht. Am Ende sei nur die Maximallösung geblieben - nämlich Tempo 30 auf allen Gemeindestraßen.
So folgte in der jüngsten Kanzemer Ratssitzung der entscheidende Beschluss: Für alle Gemeindestraßen wird künftig Tempo 30 gelten. Die Entscheidung wurde nach Angaben des Ortsbürgermeisters mit überwältigender Mehrheit getroffen.
Die Umsetzung des Beschlusses soll möglichst schnell in Zusammenarbeit mit dem Ordnungsamt der Verbandsgemeinde folgen. Nach Einschätzung der Experten dürften etwa zehn Tempo-30-Schilder reichen, um den Verkehr in der gesamten Ortslage zu beruhigen.
In einem nächsten Schritt sind laut Burdjak auch große, auf die Fahrbahnen aufgemalte 30-Stundenkilometer-Piktogramme geplant, wie Autofahrer sie aus vielen anderen Orten kennen. Diese "Straßenmalereien" seien zwar keine offiziellen Verkehrszeichen und hätten somit keine rechtliche Wirkung, aber sie erzeugten bei den Verkehrsteilnehmern einen hohen Aufmerksamkeitsgrad.
"Die große Mehrheit der Ortsbevölkerung steht der umfassenden Tempo-30-Regelung sehr positiv gegenüber", sagt Burdjak. Und er sehe darin ein Pilotprojekt, das anderenorts Schule machen könnte.
Weiterhin erklärt der Ortsvorsteher: "Wir werden nun von anderen Gemeinden genau beobachtet. Es wird mit Sicherheit eine Diskussion über das Kanzemer Modell geben. Und wenn wir damit das Durchschnittstempo im Ort von etwa 60 km/h auf 40 km/h herunterdrücken, ist schon einiges für mehr Sicherheit und Ruhe auf unseren Straßen erreicht."
Was halten Sie von dem Kanzemer Modell? Könnte es Vorbild für andere Gemeinden werden? Ihre Vorschläge können Sie an die Adresse echo@volksfreund.de mailen. Bitte geben Sie Ihren Namen und Ihre Anschrift mit an.
Extra

Die Tempo-30-Diskussion ist in vielen Städten und Gemeinden der Region aufgeflammt. In Trier gibt es Bestrebungen, das Tempo zur Lärmminderung auf stark frequentierten Straßen wenigstens zu Nachtzeit zu drosseln (der TV berichtete). Die Saar- und die Matthiasstraße sollen dort zum Pilotprojekt werden. In vielen Dörfern - nicht nur in Kanzem - sind zu hohe Geschwindigkeiten das Problem. Dieser Ärger ist allerdings oft hausgemacht: Bei der Sanierung von Dorfstraßen wurde zu großzügig und autofreundlich ausgebaut, was zum Gasgeben verleitet. Nun versuchen die Gemeinden, mit Tempo-30-Beschränkungen, künstlichen Hindernissen und auf den Fahrbahnen versetzt angeordneten Stellflächen, das Tempo zu drosseln. Bei der Anordnung von Tempolimits haben die Orte nur bei ihren eigenen Gemeindestraßen freie Hand. Bei Kreis- und Landesstraßen mit "überörtlicher Bedeutung" liegt die Entscheidung beim Landesbetrieb Mobilität. Er kann auf Bitten der Gemeinden reagieren - muss dies aber nicht. Auf innerörtlichen Bundesstraßen ist nach der Gesetzgebung grundsätzlich kein Tempo 30 zulässig. f.k.

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