Bald Waffenruhe auf dem Marktplatz
Wasserliesch · Der Gemeinderat von Wasserliesch will einen schmucken Pavillon auf dem Marktplatz sinnvoll nutzen. Der beherbergt noch ein historisches Schlachtenmodell, das unbeachtet vor sich hindämmert. Der Beschluss, die Darstellung abzuräumen, steht fest. Gesucht wird eine neue Bleibe für das Modell.
Wasserliesch. Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit tobt seit fast 30 Jahren mitten auf dem Marktplatz von Wasserliesch die blutige Schlacht an der Konzer Brücke. Wirklich laut geht es dabei nicht zu, denn die in bunte Uniformen gekleideten Soldaten auf dem Schlachtfeld sind nur zentimetergroß und aus Zinn gefertigt. Adolf Metzdorf aus Oberbillig hatte vor etwa drei Jahrzehnten die Schlacht von 1675 auf der Ebene zwischen Könen und Reinig in einem beeindruckenden dreidimensionalen Modell - einem sogenannten Diorama - dargestellt (siehe Extra).
Inzwischen modert der mehrere Quadratmeter umfassende Nachbau der "Granaschlacht" in dem fast vollverglasten Pavillon auf dem Wasserliescher Marktplatz still vor sich hin. "Dieses Gebäude lässt sich sinnvoller nutzen. Es könnte etwa als Treff allen im Ort zugute kommen", sagt Ortsbürgermeister Thomas Thelen. So sieht es auch der Gemeinderat und hat in jüngster Sitzung den Auszug der Granaschlacht beschlossen. Über die neue Nutzung des Pavillons soll anschließend im Rahmen der laufenden Dorfmoderation unter der Leitung des Kanzemer Planungsbüros Vollmuth entschieden werden. Doch was soll aus dem Werk des inzwischen verstorbenen Adolf Metzdorf werden? Einfach entsorgen? Wer den normalerweise abgeschlossenen Pavillon betritt und vor dem liebevoll im Detail ausgearbeiteten Diorama steht, denkt unwillkürlich "zum Wegschmeißen zu schade".
So sehen es auch Thelen und der Gemeinderat. Sie suchen einen Liebhaber für das Modell. Der müsste allerdings einigen Restaurationsaufwand in die vergilbte Anlage stecken. Beispielsweise ist das ehemalige Grün der Landschaft an der Saarmündung total ausgeblichen, so dass die Truppen sich eher durch eine Wüste als über mitteleuropäische Felder bewegen. Die Gemeinde hofft, dass das Museum Roscheider Hof Interesse zeigen könnte. Der Beigeordnete Reinhold Weber soll nun mit dem Museum reden. Die Zeit im Pavillon ist für das Diorama abgelaufen.
Thelen: "Das Gebäude könnte wirklich sinnvoller genutzt werden. Kein Mensch beachtet die Schlachtendarstellung, die durch die Verglasung ohnehin nur schlecht erkennbar ist." Manchmal schaut aber doch noch jemand hin. Kürzlich, so Thelen, hätten ihn verwirrte Touristen angesprochen und gefragt, was die Zinnsoldaten im Pavillon darstellen. f.k.
Extra
In dem Diorama gezeigt wird das Geschehen vom 11. August 1675. Eine Allianz aus Deutschen, Österreichern, Trie rern, Lothringern und Spaniern wollte mit insgesamt 17 000 Mann das seit 1673 französisch besetzte Trier befreien. Die Franzosen waren natürlich dagegen und schickten 10 000 Mann aus Metz. An der Saarmündung bei Konz trafen die Truppen aus Infanterie, Reiterei und Artillerie aufeinander. Am Ende mussten sich die zahlenmäßig unterlegenen Franzosen trotz harten Widerstands geschlagen geben. Den Hauptverdienst am Sieg soll der Feldherr de Grana gehabt haben, weshalb das Gelände oberhalb von Wasserliesch heute noch Granahöhe genannt wird. Auch ein Denkmal erinnert dort an das Geschehen. f.k.