Baugebiet in Oberemmel steht in der Kritik - Bürger stören sich am Durchgangsverkehr

Kostenpflichtiger Inhalt: Kommunalpolitik : Leidet die Wohnqualität in Oberemmel? Bürger kritisieren Planung für Baugebiet

Anwohner der Straße Im Brühl im Konzer Stadtteil Oberemmel befürchten, dass in Zukunft zu viel Verkehr an ihren Häusern vorbeifließt und dadurch die Wohnqualität leidet.

Das geplante Neugebiet Im Petschel 2 in Konz-Oberemmel löst schon in einem frühen Planungsstadium Diskussionen aus. Anlieger der Straße Im Brühl befürchten, dass es mit der Wohnqualität bergab geht, sobald die 26 Bauplätze verkauft und Häuser gebaut sind und der dann zu erwartende Verkehr durch „ihre“ Straße fließt. „Alles unbegründet“, meint der Oberemmeler Ortsvorsteher Hermann-Josef Benzkirch: „Die Anwohner von Im Brühl werden von der neuen Anbindung an die Landesstraße L138 am meisten profitieren.“

Seit Jahren plant der Oberemmeler Ortsbeirat das Neubaugebiet Im Petschel. Auf dem Gelände zwischen dem sogenannten Kutscherweg – dem Wirtschaftsweg, der unter anderem zu den Weingütern Agritiushof und von Hövel führt –  der L 138 und der Straße Im Brühl sollen 26 Bauplätze entstehen. Seitdem erste Planungsdetails bekannt sind, fühlen sich die Anwohner der Straße Im Brühl vom Ortsbeirat im Stich gelassen.

„Obwohl wir direkt betroffen sind, denn das Neubaugebiet soll unter anderem durch die verkehrsberuhigte Straße Im Brühl an den Ort angeschlossen werden, wurden wir nie informiert“, beschwert sich Stephan Forster, der auch eine Wertminderung seines Hauses befürchtet, wenn aus der ruhigen Sackgasse eine Durchfahrtstraße werden sollte.

Zankapfel ist insbesondere die Verlängerung der Straße Im Brühl als zweite Zufahrt zu dem Neubaugebiet. Die hauptsächliche Anbindung von Im Petschel 2 soll über eine noch zu bauende Straße zur Landesstraße L138 erfolgen. Die zukünftige Straße ist in Ansätzen bereits zu erkennen, denn momentan gibt es schon etwa fünf Meter asphaltierte Fläche unmittelbar am jetzigen, in Richtung Krettnach liegenden Ortseingang von Oberemmel.

Die Anwohner der Straße Im Brühl, die sich selbst auf keinen Fall als Gegner des Neubaugebiets sehen, haben kürzlich das Gespräch mit dem Ortsbeirat gesucht und schrieben im Juni dieses Jahres einen Brief, auf den sie zu ihrem großen Ärger nie eine Antwort erhielten. „Nicht einmal für eine Eingangsbestätigung hat es gereicht“, sagt Stephan Forster. In dem Brief schrieben die Anwohner um Forster und seine Mitstreiter Jürgen Reinert und Thomas Lellig, die stellvertretend für die meisten Anwohner von Im Brühl handeln, dass sie auf keinen Fall eine Straßenverbindung zwischen Im Petschel 2 und Im Brühl haben wollen.

Der Ortsbeirat sieht das vollkommen anders. Zwar verstehe man den Ärger der Anwohner darüber, dass auf ihr Schreiben nicht adäquat reagiert wurde und bitte um Entschuldigung für das Versäumnis, halte aber an der Planung für das Baugebiet fest. „Wir sind nach langen Jahren des Beratens und des Verhandelns mit dem Landesbetrieb Mobilität, der Stadtverwaltung und den Fraktionen im Ortsbeirat zu dem Schluss gekommen, dass die Anbindung der Baugebiets an die Straße Im Brühl nicht zu einem nennenswerten Mehr an Verkehr führen wird“, sagt Ortsvorsteher Benzkirch. Er und die Fraktionschefs der im Ortsbeirat vertretenen Gruppierungen SPD, CDU, FDP, FWG und Unabhängige sind in diesem Punkt der gleichen Meinung.

Lothar Tapp (FWG) legt sich fest: „Die meisten Nutzer der neuen Straßenverbindung werden die Anwohner von Im Brühl selbst sein, denn für sie ist die neue Straße eine perfekte Abkürzung zur Landesstraße, auf der sie nach Konz, nach Trier und nach Luxemburg fahren können.“

In früheren Planungsstadien hatte man einen Kreisverkehr an der Kreuzung Kutscherweg/L138 erwogen. „Das wäre für uns die beste Lösung gewesen, da dann auch gleich eine Straßenanbindung an das auf der anderen Seite gelegene Gebiet Im Petschel 1 möglich gewesen wäre“, sagt Benzkirch. Das Problem war die Finanzierung. Der LBM, die Stadt Konz und die Grundstückseigentümer konnten und wollten die erforderlichen Summen, die eine Erschließung von Im Petschel 2 absolut unattraktiv gemacht hätten, nicht aufbringen. „Da müssen wir uns an dem Machbaren orientieren“, sagen die Fraktionschefs im Oberemmeler Ortsbeirat.

„Selbst eine Linksabbiegerspur in das neue Baugebiet wollte der LBM nicht bezahlen“, sagt Benzkirch. Ebenfalls unbezahlbar wäre der Ausbau des Wirtschaftswegs „Kutscherweg“ zu einer Ortsstraße geworden. „Straßenbeleuchtung, Fußwege, Kanalisation – all das umzulegen auf die 26 Baugrundstücke, das wäre ein Ding der Unmöglichkeit“, sagt Thomas Michels (SPD).

Daher bliebe es bei der jetzigen Planung mit zwei Zufahrten zum Neubaugebiet: Eine neue Straße zur L138 und der Ausbau eines Schotterwegs als Verlängerung von Im Brühl. „Sollte sich herausstellen, dass tatsächlich viele der zukünftigen Bewohner von Im Petschel 2 durch Im Brühl fahren würden, würden wir natürlich reagieren und über Maßnahmen wie zum Beispiel Poller nachdenken“, verspricht Benzkirch. Aber grundsätzlich sei man dafür, dass das Neubaugebiet auch verkehrstechnisch in den Ort integriert würde. „Wenn die Leute zum Supermarkt, zur Kirche, zum Kindergarten oder zur Schule fahren möchten, wäre der Weg durch Im Brühl keine gute Alternative“, sagen Benzkirch und die Fraktionschefs.

Ein kurzfristig angesetztes Gespräch zwischen Vertretern des Ortsbeirats und Ortsvorsteher Benzkirch mit den Anwohnervertretern brachte in der Sache keine Annäherung.

Im Gespräch mit dem TV hatte Benzkirch bereits versichert, dass der Baustellenverkehr auch nicht durch das Wohngebiet Im Brühl führen würde. Man würde zunächst die Zufahrt von der Landesstraße aus anlegen. „Kein Sattelschlepper oder Betonmischer muss dann durch die enge Straße fahren“, versprach der Ortsvorsteher. Den Anwohnern gegenüber blieb dieser Punkt nach Auskunft von Stephan Forster unerwähnt.