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Bauhof der Stadt Konz fällt 60 Bäume in Könen - ein Bürger ist schwer enttäuscht

Umwelt : Bürger klagt über gefällte Bäume in Konz-Könen

Nach Fällarbeiten in einem kleinen Park mitten in Könen ist ein Bürger verärgert. Die Verwaltung erklärt die Aktion und beruft sich auf die Empfehlung eines Experten. Ein Streit ums Grün.

Wolfgang Gierke spaziert gerne durch Könen, oft mit Hund. Diesmal bleibt der Vierbeiner zu Hause, aber ein TV-Redakteur begleitet ihn. Im Regen führt der Weg von den Glascontainern in der Brunnenstraße am Rand des Gewerbegebiets Konzerbrück zu einem kleinen Park. Die Grünanlage trennt das Gewerbegebiet vom Ortskern. Sie erstreckt sich zwischen der Könener Straße und der Brunnenstraße. Neben dem Weg plätschert der Marbach.

 Wolfgang Gierke ärgert sich darüber, dass in einem kleinen Park in Könen 60 Bäume gefällt worden sind.
Wolfgang Gierke ärgert sich darüber, dass in einem kleinen Park in Könen 60 Bäume gefällt worden sind. Foto: TV/Christian Kremer

Für Gierke ist der Park eine grüne Oase mitten im Ort. Der 77-Jährige ist vor rund einem Jahr  mit seiner Frau aus der Verbandsgemeinde Saarburg nach Könen gezogen und fühlt sich auch wohl in sieiner neuen Heimat. Doch nun geht ihm etwas so richtig gegen den Strich. Als er Ende Dezember durch den Park ging, fiel es ihm zum ersten Mal auf: Mitarbeiter des Konzer Bauhofs haben dort Dutzende Bäume gefällt. Weitere Stämme waren mit grünen Strichen markiert.

Bürger macht seinem Ärger Luft Gierke kann nicht nachvollziehen, dass in der Grünanlage im großen Stil Bäume gefällt werden. „Wo gibt es denn so etwas noch?“, fragt der Beamte im Ruhestand. „Der kleine Park ist eine grüne Lunge mitten im Ort.“ Das sei besonders wichtig, weil die Zahl der Autos immer weiter wachse und so immer mehr Abgase freigesetzt würden. Weil ihn das Thema so wurmt, hat der 77-Jährige die Verwaltung und den Ortsvorsteher Detlef Müller-Greis (FWG) kontaktiert.

 Wolfgang Gierke ärgert sich darüber, dass in einem kleinen Park in Könen 60 Bäume gefällt worden sind.
Wolfgang Gierke ärgert sich darüber, dass in einem kleinen Park in Könen 60 Bäume gefällt worden sind. Foto: TV/Christian Kremer

Verwaltung erklärt Vorgehen  Michael Naunheim, Pressesprecher der Konzer Verwaltung, erklärt den Hintergrund genauer. Die Fällarbeiten seien „eine Pflegemaßnahme“. Aus dem existierenden Baumbestand werde eine größere Anzahl Bäume gezielt entnommen. „Dabei werden abgestorbene, zusätzlich schwache und fehlgewachsene oder auch schon schlagreife Bäume gefällt“, sagt Naunheim.

Ziel sei es, durch die Entnahme ausgewählter Bäume die Lichtverhältnisse und die Freiräume für die verbleibenden Bäume so zu verbessern, dass sich dieser Zukunftsbestand noch besser entwickeln kann.

 Wolfgang Gierke ärgert sich darüber, dass in einem kleinen Park in Könen 60 Bäume gefällt worden sind.
Wolfgang Gierke ärgert sich darüber, dass in einem kleinen Park in Könen 60 Bäume gefällt worden sind. Foto: TV/Christian Kremer

Laut Naunheim werden in dem Könener Park insgesamt etwa 60 Bäume gefällt. Damit die richtigen Bäume gefällt werden, holt sich die Verwaltung in solchen Fällen die Expertise eines Diplomforstingenieur ein. Karl-Josef Prüm vom Büro Ökoplan für Baumdiagnose hat laut der Konzer Verwaltung die zu fällenden Bäume ausgewählt. Prüm ist in ein in der ganzen Region anerkannter Experte. Im Auftrag der Stadt Konz kümmert er sich auch um die Überprüfung des städtischen Baumbestands (siehe Info).

 Wolfgang Gierke ärgert sich darüber, dass in einem kleinen Park in Könen 60 Bäume gefällt worden sind.
Wolfgang Gierke ärgert sich darüber, dass in einem kleinen Park in Könen 60 Bäume gefällt worden sind. Foto: TV/Christian Kremer

Kritik an Informationspolitik Der Könener Ortsvorsteher Müller-Greis ist etwas irritiert, dass ihn die Verwaltung nicht über die Fällarbeiten informiert hat. „Fachlich verlasse ich mich auf die Experten in der Verwaltung“, sagt er. Aber: „Die Informationspolitik funktioniert nicht reibungslos.“ Das störe ihn als Ortsvorsteher vor allem, da er Anfragen wie die von Gierke nicht beantworten könne.

Die Verwaltung sei nicht dazu verpflichtet, über die Arbeiten zu informieren, erklärt Naunheim. Weil die Fällarbeiten weder den Naturhaushalt oder das Landschaftsbild noch den innerörtlichen Verkehr dauerhaft beeinträchtigten, müssten sie nicht bekanntgegeben werden.

Er verweist auf die Regelung im Bundesnaturschutzgesetz (Paragraf 39), dass Bäume nur zwischen dem 1. Oktober und dem 28. Februar gefällt werden dürfen. Da müsse der städtische Bauhof oft spontan und flexibel ansetzen, wenn gerade nichts Wichtigeres anstehe wie Hochwasser- oder Winterstreueinsätze.

Diese Argumente zählen für Gierke nicht. Als er durch den Park geht und die vielen Stümpfe sieht, zweifelt er daran, dass die Bäume krank waren. Aus seiner Sicht wurde die kleine Oase mitten in Konz-Könen durch die Fällarbeiten schwer beschädigt.