Bauland schaffen für jedermann

IRSCH. Leere Gemeindekassen machen es den Kommunen zunehmend schwer, neues Bauland in Eigenregie zu erschließen. Die Ratsherren von Irsch liebäugeln deshalb mit finanzkräftigen Investoren. So stellte in der jüngsten Ratssitzung die WGZ Immobilien und Treuhand GmbH ein Erschließungskonzept für das Baugebiet "Im Baumbüsch" vor.

Ein Bild ländlicher Idylle bietet sich dem Betrachter des großen, teils von bewaldeten Anhöhen flankierten Wiesengeländes am nördlichsten Zipfel von Irsch. Allerdings könnte es schon in zwei Jahren mit der Idylle vorbei sein. Denn wo derzeit Kühe friedlich grasen, sollen nach den Vorstellungen der WGZ Immobilien und Treuhand GmbH aus Münster bis Ende 2008 neue Häuser wie Pilze aus dem Boden schießen. Das stellte WGZ-Sprecher Ingo Kronenberg in der jüngsten Sitzung des Irscher Gemeinderats zumindest in Aussicht. Danach ist vorgesehen, eine Gesamtfläche von etwas mehr als fünf Hektar in Bauland umzuwandeln. In zwei Bauabschnitte unterteilt, sollen zunächst 44 Grundstücke mit einer Durchschnittsgröße von 660 Quadratmetern erschlossen werden. Baumbestand in Planung integrieren

18 weitere, durchschnittlich 620 Quadratmeter messende Baustellen, sollen im zweiten Abschnitt entstehen. Die Zufahrt zu dem Gelände, das den Arbeitstitel "Im Baumbüsch" trägt, wäre sowohl über die nach Ockfen führende Kreisstraße 137 als auch über die Straße "Baumbüsch" möglich. Obwohl das relativ ebene Gelände hinsichtlich der Bebaubarkeit "große Vorteile hat", wie Ingo Kronenberg betonte, scheint die Erschließung in punkto Entwässerung nicht ganz unproblematisch zu sein. Nach Auskunft von WGZ-Stadtplanerin Karin Decker ist "wegen des schwachen Gefälles" der Anschluss an die bestehende Ortskanalisation nicht ohne Weiteres möglich. Für Abhilfe soll eine Pumpstation sorgen. Außerdem sollen ein Teil des Baumbestands sowie ein vorhandener Bachlauf in die Planungen einbezogen werden. Noch ist das Baugebiet "Im Baumbüsch" Zukunftsmusik. Ob tatsächlich unter Federführung der Münsteraner WGZ Immobilien und Treuhand GmbH, die eng mit der Volksbank kooperiert, in Irschs Norden ein neues Wohngebiet entsteht, liegt in erster Linie am Gemeinderat. Der kann nach dem Baugesetzbuch "einem Dritten die Vorbereitung und Durchführung städtebaulicher Maßnahmen übertragen". Eine Grundsatzentscheidung des Rates ist zunächst notwendig. Dabei ist das Angebot des Investors zweifellos verlockend. Denn während die Gemeinde in die Planungen einbezogen wird, gehen die Kosten für sämtliche Leistungen im Zusammenhang mit der Erschließung - von der Projektplanung über den Ankauf der erforderlichen Flächen bis hin zur Bauausführung - zu Lasten des Investors. "Wir tragen in vollem Umfang das wirtschaftliche Risiko", betonte Kronenberg. Der Verkauf der bebauungsfähigen Grundstücke, die bis zur Veräußerung im Eigentum der WGZ blieben, würde über die Volksbank abgewickelt werden. Öffentliche Flächen sowie die Erschließungsanlagen würden am Ende kosten- und lastenfrei an die Gemeinde übertragen. Der Frage aus dem Rat nach den Preisen für Bauland im "Baumbüsch" wich Kronenberg aus. Es sei noch zu früh, damit an die Öffentlichkeit zu gehen. Sowohl die Ankaufspreise für das "Rohland" als auch die voraussichtlichen Baulandpreise sollen, sofern die Gemeinde ihre Zustimmung gibt, in einer Eigentümerversammlung auf den Tisch kommen. Konkreter wurde Kronenberg auf Nachfrage des Trierischen Volksfreunds: "Wir werden uns am aktuellen Marktwert, der in Irsch meines Wissens nach zwischen 70 und 80 Euro liegt, orientieren. Denn wir wollen Bauland für jedermann schaffen." Über die Entwicklung will der Gemeinderat in einer der kommenden Sitzungen entscheiden.