Bauprojekt am Kloster stößt auf Skepsis im Hermeskeiler Stadtrat

Bauen : Bauprojekt am Kloster stößt auf Skepsis im Hermeskeiler Stadtrat

Private Investoren wollen im Garten des Hermeskeiler Klosters einen Senioren-Wohnpark errichten. Nach Kritik von Nachbarn haben sie ihre Pläne vom März 2018 überarbeitet und erneut im Stadtrat präsentiert. Die Dimensionen des Neubaus sind weiter Anlass für Bedenken.

Der Franziskanerorden hat sein Kloster in Hermeskeil 2016 aufgegeben. Genutzt wird es aber weiterhin – als geistliches Zentrum mit Gottesdiensten, Konzerten und spirituellen Angeboten. Im März vor einem Jahr deutete sich auch für das Gelände hinter dem Gotteshaus eine neue Nutzung an. Private Investoren möchten dort einen Seniorenwohnpark mit ergänzenden Pflegeangeboten bauen. Ihre Pläne präsentierten sie 2018 im Stadtrat. Dort waren die Projektentwickler aus dem Saarland am Dienstagabend erneut zu Gast, um zu zeigen, wie sich das Vorhaben seither entwickelt hat.

Das Projekt Laut Stadtbürgermeister Mathias Queck (CDU) gab es viele Gespräche mit den Beteiligten. Der Stadtrat hatte damals dem Projekt zwar grundsätzlich zugestimmt. Aber Anwohner des angrenzenden Wohngebiets und der Kloster-Förderverein hatten Bedenken geäußert, etwa zum geringen Abstand zwischen Neubau und Kloster.

Diesen Punkt griff Architekt Rainer Hiemisch bei der Vorstellung der überarbeiteten Pläne auf: „Wir haben den Abstand auf zwölf Meter erhöht.“ Zudem werde der Bereich zwischen beiden Gebäuden zu einer „beruhigten Zone“. Den Bereich für Anlieferungen habe man an die Klosterstraße verlegt (siehe Grafik). Als Hauptzufahrt diene eine Anliegerstraße neben dem Kloster. Der Neubau soll drei Geschosse haben und die Form eines „V“. Platz biete es für maximal 96 Betten, Räume für Verwaltung, Personal, eine Küche, Gastro- und Aufenthaltsbereiche. Geplant sei ein behüteter Bereich für Demenzkranke mit einem „Garten der Sinne“, zugänglich nur für die Bewohner. Der Rest des Klostergartens bleibe für die Allgemeinheit nutzbar.

Eine Simulation habe ergeben, dass ein Schattenwurf in Richtung Häuser nur im März, Juni und Dezember „zu gewissen Uhrzeiten“ zu erwarten sei. Planerin Sarah End vom Büro Kenrplan erläuterte den Entwurf für einen Bebauungsplan. Einen solchen muss der Stadtrat genehmigen, um Baurecht für den Investor zu schaffen. Der Entwurf enthält laut Planerin exakte Vorgaben wie maximal drei Vollgeschosse und eine Gebäudeoberkante bei 10,50 Meter. Parkplätze werde es zwölf bis 18 geben.

Entwurfsplanung zum Senioren-Wohnpark, der im Garten des Hermeskeiler Franziskanerklosters entstehen könnte. Quelle: Büro Kernplan. Foto: TV/Schramm, Johannes

Fragen aus dem Rat Mehrere Ratsmitglieder stellten kritische Fragen. Ottmar Muno (Piratenpartei) bezweifelte, dass die Parkplatzzahl ausreichen werde. Der Stadtchef verwies auf Befürchtungen, die Klosterstraße werde möglicherweise zugeparkt. Klaus-Peter Breuer (Die Linke) bemängelte einen intensiven Lieferverkehr mit „drei, vier LKW am Tag“. So viele Anlieferungen gebe es sicher nicht, entgegnete der Architekt. Und die Zahl der Stellplätze liege deutlich über der gesetzlich geforderten.

Aus der CDU-Fraktion kam die Frage, wie viele Arbeitsplätze entstünden und wie man an das Fachpersonal kommen wolle. Dazu nahm Daniel Dilger, Geschäftsführer der Projektgesellschaft, Stellung: Der favorisierte Betreiber – ein Unternehmen aus Düsseldorf – verfüge über eigene Ausbildungsstätten und plane ein Drei-Schicht-Modell mit 60 bis 80 Mitarbeitern. Auf Nachfrage bestätigte Dilger den Bedarf für ein solches Haus in Hermeskeil: „Grundlage unseres Tuns ist natürlich, dass die Einrichtung auch belegt werden kann.“

Das Grundstück am Kloster sei aus Betreibersicht „ideal“, sagte Dilger. „Die Menschen sollen mitten im Leben sein.“ Ratsmitglied Muno widersprach: „Für mich ist das Projekt total am verkehrten Platz.“ Die künftigen Bewohner kämen mit dem Rollator vielleicht noch den Berg hinunter zum Einkaufszentrum, aber kaum wieder zurück. Willi Auler (CDU) stellte fest: „Wenn ich mir vorstelle, dass dort quasi ein Haus wie das Altenzentrum St. Klara in den Garten gesetzt wird, wäre das eine Katastrophe.“ Beide Redner erhielten Applaus von den 23 Zuhörern im Saal, die sich nicht äußern durften. „Es geht heute um reine Information“, sagte der Stadtchef. Die Interessen der Anwohner seien in jedem Fall später im Bebauungsplan-Verfahren zu berücksichtigen. „Aber so weit sind wir noch nicht.“

Die Größe des Neubaus entpuppte sich als Knackpunkt. René Treitz (SPD) fragte, ob der Baukörper „fix“ sei. Auch der Stadtchef erkundigte sich danach, da vor einem Jahr noch von 80 Betten die Rede gewesen sei. Sollten keine Änderungen mehr denkbar sein, tue sich „der ein oder andere vielleicht schwer, dem Ganzen zuzustimmen“. Der Architekt verwies auf gesetzlich vorgeschriebene Quadratmeterzahlen: „An jeder Seite fünf Meter reduzieren, das wird nicht funktionieren.“ Es gebe ein wenig Spielraum, aber deutlich weniger Betten werde der Betreiber aus wirtschaftlichen Gründen nicht mitmachen, sagte Dilger.

Position des Vereins Die deutsche Franziskanerprovinz, Eigentümerin des Grundstücks, hatte per Brief an die Stadt erklärt, dass der Verein und die aktuellen Kloster-Bewohnerinnen der interfranziskanischen Gemeinschaft mit dem Projekt grundsätzlich einverstanden seien. Ihr Hauptanliegen sei der Erhalt des geistlichen Zentrums. Die Vereinsvorsitzende Kerstin Schmitz-Stuhlträger erklärte im Rat, sie werde sich vorerst nicht mehr äußern. Die Vereinsmitglieder würden in etwa drei Wochen über das Thema beraten. Sie betonte: „Die Entscheidungsbefugnis liegt allein bei Stadt und Orden.“ Queck sagte, die Stadt strebe ein „gedeihliches Einvernehmen“ aller Beteiligten an. Er schlug vor, die Positionierung des Vereins abzuwarten, bevor der Rat das weitere Vorgehen festlege.

Bedenken von Nachbarn Nach der Sitzung machten Anwohner ihrem Ärger Luft. Gegenüber dem TV erklärten Betroffene, die Planer hätten wichtige Details nicht erwähnt. So falle das Gelände zur Klosterstraße hin ab, weshalb möglicherweise zusätzliche Kellergeschosse gebaut werden müssten. Laut Planentwurf seien auch zusätzliche Staffelgeschosse möglich. Beides werde die Wirkung des Komplexes verstärken, der mit den geplanten Dimensionen nicht in das Wohngebiet passe.

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