Bebauungsplan für Nitteler Einkaufszentrum verabschiedet

Kostenpflichtiger Inhalt: Großprojekt : Acht Jahre Planung – Bald wird in Nittel das Einkaufszentrum gebaut

Ein neuer, präziserer Bebauungsplan wurde verabschiedet. Priorität haben erstmal die Gewerbeflächen des Einkaufszentrums.

(jbo) Seit mehr als acht Jahren bemühen sich die Ortsgemeinde Nittel und die Trierer Baufirma Beda Regiebau um ein Großprojekt im Dorf an der Obermosel: Die Errichtung eines Einkaufszentrums mit einem Supermarkt, einer Drogerie, einer Metzgerei und einer Bäckerei. Jetzt beschloss der Nitteler Ortsgemeinderat den notwendigen „vorhabenbezogenen Bebauungsplan“.

Fast 15 Nitteler Bürger erlebten eine lange, aber von großer Einigkeit bestimmte Sitzung des Ortsgemeinderats. Hauptthema – und das erklärt auch das große Publikumsinteresse – war die Verabschiedung des vorhabenbezogenen Bebauungsplans „Einkaufszentrum Nittel“ und des dazugehörigen Durchführungsvertrags. Nach der letzten Besprechung im Ortsgemeinderat noch vor der Kommunalwahl im Mai haben sich noch Änderungen ergeben. Außerdem wurden die Anmerkungen, die während der Offenlegung des Bebauungsplans eingereicht wurden, berücksichtigt. Das Fazit: Die Einwendungen konnten geklärt werden, zum größten Teil ging es dabei lediglich um Präzisierungen bei Formulierungen und Wünsche von Bahn, Wasserwerken und der Telekom. Der Schallschutz und eventuelle „Geruchsemissionen“ durch die Kläranlage waren auch Themenbereiche, die befriedigend gelöst wurden.

Nur ein Anrainer, der eine an das Baugebiet angrenzende Weinbergsparzelle bewirtschaftet, meldete Bedenken an. Die Baumaßnahme würde die klimatischen Bedingungen, zum Beispiel durch Schattenwurf, verändern. Außerdem befürchte er, dass es Probleme beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln gebe.

Der vorgelegte vorhabenbezogene Bebauungsplan bringe weder eine Einschränkung bei der Bewirtschaftung der Weinbauparzelle mit, da die Zuwege erhalten blieben, noch verändere er das Kleinklima. Bei Weinbau in einer Ortsrandlage müsse immer davon ausgegangen werden, dass sich Veränderungen in der unmittelbaren Umgebung ergeben würden. Im konkreten Fall sei ja bereits ein gültiger Bebauungsplan vorhanden, der durch den neuen Plan lediglich präzisiert werde.

Veränderungen hätten sich in der Planung insofern ergeben, als dass jetzt die Gesamthöhe des Bauwerks an einigen Stellen reduziert wurde und von der Gesamtfläche des Geländes (rund 9000 Quadratmeter) über 2000 Quadratmeter für Grünflächen reserviert sind. Die Parkplatzfläche für das Einkaufszentrum wird rund 3600 Quadratmeter betragen – Platz genug für 85 Autos - und die bebaute Fläche rund 3300 Quadratmeter. Darin sind auch die zu den Wohnungen gehörenden Stellplätze enthalten.

Vertraglich vereinbart wurde mit dem Investor, dass innerhalb von zwei Jahren nach dem Vorliegen der Baugenehmigung die Verkaufsflächen für den Supermarkt, die Bäckerei, die Metzgerei und den Drogeriemarkt „bezugsfertig“ sein müssen. „Ansonsten ist eine Vertragsstrafe von 100 000 Euro fällig“, führt Rechtsanwalt Paul Henseler, der die Interessen der Ortsgemeinde vertritt, aus.

Ein weiteres Jahr später sollen dann auch die 34 Wohnungen und knapp 600 Quadratmeter Gewerbefläche für Büros und Gewerbe wie beispielsweise eine physiotherapeutische Praxis, ein Friseur oder eine Rechtsanwaltskanzlei fertiggestellt sein.

Die existierende Bedrohung durch Hochwasser wurde insofern berücksichtigt, als dass es ein Rückhaltebecken für die Oberflächenentwässerung gäbe und auch die Parkflächen in Extremsituationen als Überflutungsfläche zur Verfügung stünden.

Aus dem Ortsgemeinderat kamen nach der langen und umfangreichen Vorstellung des vorhabenbezogenen Bebauungsplans und seiner Durchführungsbestimmungen nur noch wenige Fragen auf. Patrick Zilliken (CDU) beispielsweise wollte wissen, was denn mit den Gewerbeflächen passieren würde, wenn wider Erwarten der Supermarkt und die anderen Läden wirtschaftliche Misserfolge würden. Henseler stellte klar: „Der Bebauungsplan ist eindeutig. Sollten die Flächen eines Tages anderweitig genutzt werden sollen, muss zunächst der Bebauungsplan geändert werden.“

Der vorhabenbezogene Bebauungsplan und der Durchführungsvertrag mit Beda Regiebau wurden einstimmig vom Ortsgemeinderat beschlossen.

Der Nittlerer Rat fasste einige weitere Beschlüsse:

Die Ortsgemeinde benötigt einen 3-Seitenkipper. Da das Gefährt 9400 Euro koste, im Etat für solche Zwecke aber nur 8000 Euro eingestellt seien, müssen 1400 Euro außerplanmäßig durch Schulden finanziert werden. Der Ortsgemeinderat beschloss einstimmig die Anschaffung des Fahrzeugs. In der Schulstraße und In der Abwies werden Geländer erneuert. Der Auftrag in Höhe von 8734,30 Euro wurde einstimmig erteilt. Der Umbau eines bestehenden Wohnhauses in Rehlingen in der Straße Am Brunnen wurde genehmigt. Der Bauantrag, auf einem Grundstück in der Straße Im Stolzenwingert ein Mehrfamilienhaus mit vier Wohneinheiten zu bauen, wurde nicht zugestimmt, da die vorgesehene Parkplatzsituation mit zwei sogenannten „gefangenen Stellplätzen“ – das sind hintereinander liegende Parkplätze, bei denen der hintere Parkplatz nur erreicht werden kann, wenn vorne kein Fahrzeug steht, nicht genehmigungsfähig sei. Im Neubaugebiet Wiesengraben existiert ein Baugrundstück in topografisch ungewöhnlicher Lage: Für ein Gebäude auf dem Eckgrundstück an zwei relativ steil abfallenden Straßen (Schulstraße, Wasserweg) soll daher eine Ausnahmegenehmigung für die im Bebauungsplan festgelegten Traufhöhen erteilt werden. Der Ortsgemeinderat beschloss, dass der Bauausschuss zunächst eine Ortsbesichtigung vornimmt und dann ein bindendes Votum an den Ortsgemeinderat abgibt.

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