Beeren statt Bier

Der Wiltinger Winzer Roman Niewodniczanski entstammt der Bitburger Brauer-"Dynastie", ist aber als Winzer dem Wein zugetan und damit extrem erfolgreich. Im Gespräch mit dem TV erklärt er, wie es dazu kam.

Bitburg/Wiltingen. Roman Niewodniczanski wird von allen nur Niewo genannt, wen wundert's, ist doch sein Name in Schreibweise und Aussprache durchaus schwierig für deutsche Zungen. Dabei ist dieser Name in seinem Herkunftsland Polen berühmt, sein vor Jahresfrist verstorbener Vater Tomasz ist ein bekannter Physiker gewesen.

Weltbekannt ist auch die Familie mütterlicherseits. Ihnen gehört seit Generationen die Bitburger Brauerei. Allerbeste Voraussetzungen für ein vorgezeichnetes, sorgenfreies Leben, sollte man meinen. Dem ist aber nicht so. Die Brüder von Roman treten in das Familienunternehmen ein, ihm selbst bleibt genügend Zeit, sich zu orientieren. Er studiert Wirtschaftsgeographie in Trier und arbeitet als Berater, interessiert sich für Geschichte, bereist die Welt und verliert doch nie den starken Bezug zu seiner Heimatregion Eifel und Mosel.

Quasi nebenbei entwickelt Niewodniczanski ein Faible für den Wein, Professor Jätzold entfacht in ihm die Begeisterung für die Gewächse der Moselregion. Schon sein Großvater Theobald Simon, Inhaber der Bitburger Brauerei, hat zu besonderen Anlässen einen großen Wein von der Mosel oder der Saar geöffnet. Und an der Saar ist sein Enkel nun gelandet.

Im Jahre 2000 erwarb Niewo das traditionsreiche Weingut "van Volxem" in Wiltingen. "Es ist schon ein Privileg, dass ich mir das leisten konnte, ich bin meinen Vorfahren unendlich dankbar für ihren Fleiß und ihre Sparsamkeit", sagt er. Eine Dankbarkeit, die er täglich durch harte Arbeit im Weingut zeigt, die anfängliche Skepsis der Familie hat sich gelegt. "Ein französisches Sprichwort besagt, dass die Reben die Sonne lieben, aber mehr noch den Schatten ihres Besitzers", schmunzelt der lange Schlacks mit dem markanten Zopf.

Als er sich mit dem TV zum Gespräch trifft, kommt er gerade aus der Steillage "Gottesfuß", wo 80 Tonnen Kompost per Hand ausgebracht wurden. "Ohne meine Mitarbeiter wäre ich nichts", sagt der Teamplayer, zum Team gehören auch seine Ehefrau und mittlerweile drei Kinder. Glück ist für ihn gleichbedeutend mit unternehmerischem Erfolg, alleine könne er allerdings wenig erreichen, Kollegialität und Kooperation mit seinen Winzer-Kollegen sind ihm wichtig.

Seine eigene Geschichte gestalten will er, der unbedingte Willen zum Erfolg liegt wohl in seinen Genen. Ausgiebig studiert der geschichtsinteressierte, traditionsbewusste 42-Jährige alte Dokumente, die mit dem Wein der Region zu tun haben. Weinkarten, Fachliteratur, Landkarten und Ähnliches hortet und behandelt er als wahre Schätze.

Er kennt sich aus, liest fließend altdeutsche Texte, entziffert mühelos alte Handschriften und sprudelt nur so vor Anregungen, die er heute daraus zieht. Die Aktualität vieler Passagen sei frappierend. Niewo zitiert aus einem Handbuch von 1896: "Der Mosel-Riesling besticht durch Bekömmlichkeit, Würze, Finesse und Eleganz" - das könnte einem modernen Marketing-Text entnommen sein.

Der Erfolg gibt ihm recht: Sein Wiltinger Weingut "van Volxem" gehört zu den besten in Deutschland, so wie es vor rund 100 Jahren schon einmal war, als Saar-Rieslinge locker den doppelten Preis der "Grand-Crus" aus Bordeaux erzielten. Das treibt ihn an und um - den Niewo, der schnell und leidenschaftlich von seiner Passion, dem Weinmachen, erzählt. Aus jedem Wort spricht der Stolz auf sein rares und gefragtes Produkt.

Gerade hat er vom Fachmagazin "Weinwirtschaft" den Preis für den besten Weißwein des Jahres 2009 eingeheimst. Wen wundert's?