Begeisternder wilder Haufen

FREUDENBURG. "The Wild Bunch" (der wilde Haufen) nennt sich eine Blues-Combo, bestehend aus vier renommierten Musikern aus Italien und den USA, die jüngst im "Ducsaal" gastierte – zum ersten und wahrscheinlich zum letzten Mal. Denn nach der aktuellen Tournee gehen die vier wieder ihre eigenen Wege.

Man nehme ein paar erstklassige Instrumentalisten, die zu den Besten ihres Genres zählen, stelle ihnen eine Sängerin zur Seite, deren Stimme der von Janis Joplin nicht unähnlich ist, und gebe dem "Kind" schließlich einen passenden Namen. Das Resultat ist eine Band, deren Marktwert schon von Beginn an im oberen Bereich liegen dürfte. So oder ähnlich haben möglicherweise die Verantwortlichen der Plattenfirma "Fortune Records" gedacht und die aus insgesamt vier Musikern bestehende Blues-Combo "The Wild Bunch" (der wilde Haufen) gewissermaßen aus dem Boden gestampft. Die für das musikalische Genre des Blues eher untypische Entstehungsgeschichte des Quartetts erinnert ein wenig an die moderner Boy-Groups. Ist etwa auch die "Haltbarkeit" der Band begrenzt? Die Antwort: Ja, denn Elisabeth Lee (Gesang, Perkussion), Steve Schuffert und Mike Baran (beide Gitarre und Gesang) sowie Luca Gallina (Gitarre) sind nur für eine einzige Tour zusammengekommen. Jüngst machte die Truppe im Freudenburger "Ducsaal" Station. Der technische Aufwand, den die vier Musiker auf ihrem Streifzug durch Deutschlands Musikclubs betreiben, hält sich in Grenzen. "Unplugged" (ohne Stecker) Musik zu machen, ist offenbar immer noch beliebt - auch beim Publikum. Denn das Fehlen riesiger Boxentürme und eine oftmals wesentlich kleinere Bühne ermöglichen den Zuhörern eine größere Nähe zu den Künstlern. Und die waren beim ersten und wahrscheinlich letzten Gastspiel von "The Wild Bunch" nicht von "schlechten Eltern", allen voran Sängerin Elisabeth Lee, die vor Energie förmlich sprühte und in ihrer Heimat, den Vereinigten Staaten, hin und wieder mit Janis Joplin verglichen wird. Ebenfalls aus den Staaten stammt Gitarrist Mike Baran, der als beliebter Tourmusiker bereits mit international erfolgreichen Formationen, darunter Styx und die James Young Band, zusammengearbeitet hat. Als einziger Europäer saß Luca Gallina auf der Bühne. Der Gitarrist zählt zu den Besten der italienischen Bluesrock-Szene. Gemessen daran, wie er sein Zupfinstrument bearbeitet, könnte der bei Konzerten gewöhnlich eine Spiegelsonnenbrille tragende Gallina durchaus am Mississippi aufgewachsen sein. Dann war da noch Steve Schuffert, der eingefleischten Ducsaal-Gängern nicht unbekannt ist. Mehr oder weniger regelmäßig ist der charismatische Musiker mit seiner eigenen Band in dem Freudenburger Live-Club zu sehen und zu hören. Auch Schuffert gehört in den USA zur Elite seines Genres. Obwohl jeder der vier Musiker eine Klasse für sich ist und nicht damit geizte, seine Fähigkeiten eindrucksvoll zur Schau zu stellen, ließ der "wilde Haufen" doch eine gewisse Geschlossenheit vermissen. Während Baran und Schuffert "ihr Ding" machten und sich mit zum Teil Schwindel erregenden Gitarrensoli gegenseitig "an die Wand" zu spielen drohten, wirkte Gallina wenigstens zeitweise beinahe teilnahmslos, wenngleich auch seine Arbeit das Publikum beeindruckte. Unverkennbar war der Einfluss Steve Schufferts auf die Auswahl der Songs, die zum Großteil aus dem Repertoire seiner eigenen Band stammten. Fazit: Das erste und - da es die Band nach Ende der aktuellen Tour nicht mehr geben wird - letzte Gastspiel des Quartetts war durchaus hörenswert. Nicht zuletzt der großartigen Stimme und dem Charme von Sängerin Elisabeth Lee ist es zu verdanken, dass der Funke übersprang.