Bei den Problem-Häusern am Ringgraben bewegt sich was

Bei den Problem-Häusern am Ringgraben bewegt sich was

Drei Häuserkomplexe am Hermeskeiler Stadtrand stehen seit 20 Jahren leer. Jetzt werden sie saniert. Private Investoren planen dort 18 neue Wohnungen. Eine Satzung war der Auslöser.

Hermeskeil Die drei Wohnblöcke am Ende der Straße Am Ringgraben in Hermeskeil bieten seit Jahren keinen schönen Anblick. Grau-braune Fassaden, zersplitterte Fensterscheiben, Graffiti an den Wänden - so sah es dort noch bis vor kurzem aus. Seit September jedoch bewegt sich etwas in den seit 20 Jahren leer stehenden Häusern. Alle drei Komplexe werden von privaten Investoren saniert, die dort neuen Wohnraum schaffen wollen.
"Wir sind als Stadt natürlich sehr froh darüber, dass dieser Schandfleck bald verschwindet", sagt Stadtbürgermeister Mathias Queck beim Ortstermin. Die drei Wohnblöcke seien schon "in absolut abrissreifem Zustand" gewesen, als er vor zehn Jahren nach Hermeskeil gekommen sei. An diesem Zustand etwas zu ändern sei nicht ganz leicht gewesen. "Besonders problematisch war, dass wir hier 18 Wohneinheiten mit ebenso vielen Eigentümern hatten", berichtet der Stadtchef. Die Besitzer seien über ganz Deutschland verteilt gewesen. Um die Immobilie insgesamt in Schuss zu bringen und sinnvoll vermarkten zu können, habe es ein Unternehmen gebraucht, das alle 18 Wohnungen erwirbt und unter einem Dach zusammenführt. Dies hat die Immobilienfirma Werner Kiefer GmbH aus Thalfang übernommen. Der Kaufprozess habe sich eine Weile hingezogen, sagt Queck. "Zum Teil konnten wir es notariell abwickeln, der Rest lief über Zwangsversteigerungen." Danach sei der Weg frei gewesen für mögliche Investoren.
Gemeldet haben sich zwei Privatleute. Der Thalfanger Hans-Peter Pulger hat sich des Wohnblocks am Straßenende angenommen. In die Sanierung der beiden anderen investiert Patrick Lamberti aus Trier. Nach Auskunft beider Investoren liegt die Investitionssumme bei insgesamt 2,1 Millionen Euro. Koordiniert werden die Arbeiten von der Hermeskeiler Firma Birkel Immobilien. Durch die Sanierung entstehen 18 neue Wohnungen, die größtenteils vermietet werden sollen. Lamberti plant auch Eigentumswohnungen, für die er aber schon Käufer gefunden hat. Die Mietwohnungen in Pulgers Block werden zwischen 65 und 82 Quadratmeter groß. Geplant sind offene Wohnbereiche für Küche, Wohnzimmer und Essraum mit einem Zugang zu neuen, breiteren Balkonen. Die Kaltmiete soll zwischen 500 und 550 Euro liegen.
"Es wird außerdem energetisch hochwertig gebaut", sagt Pulger. Befolgt werden Vorgaben der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), die energieeffiziente Sanierungsprojekte bezuschusst. Erreicht werden soll der KfW-Standard 55 - inklusive Pelletheizung, umfangreicher Außendämmung, Lüftung mit Wärmerückgewinnung und dreifach verglaster Fenster. Im letzten Häuserblock laufen die Arbeiten schon, die alten Balkone sind bereits abgerissen. Laut Bauleiter Andreas Birkel sollen die Wohnungen dort im Juni/Juli 2018 fertig sein. Bei Patrick Lamberti wird es voraussichtlich bis Herbst 2018 dauern. Beide Investoren rechnen mit guten Vermarktungschancen. "Das Angebot hier in Hermeskeil liegt derzeit fast bei null", sagt Pulger. Die Wohnungen seien für junge Familien sicher interessant, meint der Stadtchef. "Die Kita Villa Kunterbunt ist gleich um die Ecke."
Dass der hässliche Leerstand nun beseitigt wird, führt Queck auch auf die seit zwei Jahren existierende Sanierungsgebietssatzung in Hermeskeil zurück (siehe Info). Dadurch können private Hauseigentümer ihre Sanierungskosten mit einem erhöhten Prozentsatz steuerlich abschreiben. Üblicherweise wird als Geltungsbereich ein städtebaulich besonders prägendes Areal im Stadt- oder Ortskern bestimmt. "Wir konnten damals glücklicherweise auch den Ringgraben noch mit hineinnehmen", sagt Queck.
Seither seien insgesamt fünf Projekte gestartet. Der Ringgraben-Komplex sei aber "das größte und wichtigste - ein Musterbeispiel". Patrick Lamberti bestätigt, dass das Sanierungsgebiet die Investition für ihn besonders reizvoll gemacht habe. "Städte schaffen damit schon einen Hebel, um überhaupt ein Interesse zu wecken", sagt der Trierer. Die steuerlichen Abschreibungen lägen normalerweise für Sanierungsprojekte bei zwei Prozent, hier seien es neun Prozent.
Extra: WO ES SCHON VORTEILE FÜR BAUHERREN GIBT


In der VG Hermeskeil hat nicht nur die Stadt Hermeskeil ein Sanierungsgebiet ausgewiesen. Viele Gemeinden wollen über solche Gebiete einen finanziellen Anreiz schaffen, damit Privatleute leer stehende Häuser in den Ortskernen wieder in Schuss bringen und das Ortsbild aufwerten. Weitere Sanierungsgebiete gibt es Grimburg, Rascheid und Naurath/Wald. Züsch, Neuhütten-Muhl (siehe Text oben rechts) und Gusenburg wollen ein Gebiet ausweisen. Dafür sammelt ein Fachbüro Daten zur Bausubstanz im Ortskern. Auf Basis dieser Daten werden Gebietsgrenzen festgelegt und Satzungen formuliert. Der Vorteil für Bauherren ist, dass sie ihre Investitions-/Sanierungskosten über einen längeren Zeitraum steuerlich absetzen können. Das regelt Paragraf 7 des Einkommensteuergesetzes. Bei sanierten Mietwohnungen sind Abschreibungen innerhalb von zwölf Jahren möglich, in den ersten acht Jahren zu jeweils neun Prozent, danach zu jeweils sieben Prozent.