Beim Bauen an die Barrieren denken

Beim Bauen an die Barrieren denken

ZERF. Mit Blick auf die ständig steigende Lebenserwartung der heutigen Gesellschaft und der hohen Zahl der schwer Behinderten soll die Teilnahme älterer und behinderter Menschen am Leben in der Gesellschaft das erklärte Ziel sein. Wolfgang Maierhofer vom VdK Zerf will als Informant und Aufklärer seinen Beitrag dazu leisten.

Seit 16 Jahren ist Wolfgang Maierhofer Vorsitzender des Sozialverbands VdK Deutschland für Zerf und die umliegenden Ortschaften. Im Gespräch mit ihm wird sein Unverständnis über die heutige Art, Eigenheime, aber auch öffentliche Gebäude zu errichten oder zu sanieren, deutlich. Denn Maierhofer setzt sich intensiv für das Projekt "barrierefreies Bauen" ein, das dem Landesverband des VdK unmittelbar untersteht."Verbesserung der Lebensqualität"

"Ich berate Menschen bei der Gestaltung oder Umgestaltung ihres Wohnbereiches oder beim Neubau eines Hauses. Wenn man sich überlegt, dass durch die Zimmertüren der meisten Eigenheime kein Rollstuhl passt oder die Toilettenanlagen es nicht einmal zulassen, dass sich darin ein Rollstuhl bewegen kann, so ist das in der heutigen Zeit eine krasse Fehlplanung", sagt Maierhofer. So gebe es viele Dinge, die zu beachten seien. "Die Bemühungen um die Verbesserung der Lebensqualität älterer Menschen und Behinderter darf sich nicht auf den Wohnbereich beschränken", dafür plädiere er. "Das Führen eines selbstständigen Lebens stärkt das Selbstbewusstsein und macht unabhängig." Doch dazu müssten die Voraussetzungen geschaffen werden. "Die baulichen Anlagen müssen für alle Menschen barrierefrei nutzbar sein. Die Nutzer müssen in die Lage versetzt werden, von fremder Hilfe weitgehend unabhängig zu werden." Wer heute nicht barrierefrei baue, manövriere sich unter Umständen selbst ins Abseits. "Jeder, der für sich und seine Familie ein Eigenheim plant, muss zumindest damit rechnen, im Alter körperlich eingeschränkt zu sein." Dann aber erst umzurüsten sei sehr kostspielig, manchmal sogar undurchführbar. Doch auch im öffentlichen Bereich, in öffentlich zugängigen Gebäuden und Arbeitsstätten sollten nach Ansicht Maierhofers die baulichen und technischen Voraussetzungen geschaffen werden, indem künftige Planungen verstärkt die Belange älterer und behinderter Menschen berücksichtigen. Die Weichen für ein barrierefreies Bauen stelle auf privater wie auch auf öffentlicher Ebene der Architekt, sagt Maierhofer. "Sind diese Belange von Anfang an in seinen Entwurf integriert, so werden kostengünstige, oftmals aber auch kostenneutrale Lösungen gefunden." Barrierefreies Bauen sei keine Einschränkung der Entwurfsfreiheit, sondern eine Herausforderung für jeden Planer, der auch Überzeugungsarbeit leisten müsse. Toilettenräume, in dem sich ein Rollstuhlfahrer bewegen kann, stufenlose Erreichbarkeit von Gebäudeebenen, Bedienungselemente auf Augenhöhe, rutschhemmende Bodenbeläge, Rollstuhl-Abstellplätze und vieles mehr gebe es zu beachten. "Mit einem guten Architekten, der individuell berät, ist dieser Weg durchaus realisierbar", sagt Maierhofer. Behindertengerecht gebaut hat auch das Ehepaar Erwin und Roswitha Mai aus Heddert. Sohn Daniel (26) ist seit seiner Geburt spastisch gelähmt und auf den Rollstuhl angewiesen. "Im Inneren des Hauses haben wir beim Bau alle Ansprüche für Daniel berücksichtigt", erzählt Erwin Mai. "Außerhalb war dies nicht möglich. Wegen der Lage der Kanalisation mussten wir das Haus auf eine Höhe bringen, die den Einbau eines Rollstuhlliftes erforderlich machte. Doch daran haben wir uns inzwischen alle gewöhnt."

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