Beispielhafte Solidarität

KORDEL. Betroffene helfen Betroffenen: Diese Konstellation dürfte dazu beitragen, dass die Mauern in den west- und ostdeutschen Köpfen langsam fallen.

Auf der Titelseite der Zeitung "Die Welt" prangte in der Wochenendausgabe vom 3./4. Januar ein großformatiges Foto: Kordel unter Wasser. 80 Häuser waren nach Auskunft der Kreisverwaltung Trier-Saarburg betroffen. Die Kordeler haben Erfahrung mit Hochwasser, sind selbst froh um jede Hilfe, die ihnen zuteil wird. Trotzdem, oder vielleicht gerade deswegen, zückten sie ihre Geldbeutel, als es darum ging, Flutopfern im Osten Deutschlands zu helfen. "Betroffene helfen Betroffenen", titelte der TV am 10. September 2002, als die Spendenaktion lief. Initiatorin war Alice Kauth, die Vorsitzende der katholischen Kirchengemeinde. Als sie im August die Bilder von tobenden Flüssen, zerstörten Häusern und verzweifelten Menschen sah, rief sie die Aktion "Von Gemeinde zu Gemeinde" ins Leben. Unterstützung fand sie unter anderem bei der Ortsgemeinde. Wenige Wochen später waren bereits 10 000 Euro eingegangen: von Privatpersonen und Vereinen, beispielsweise den Ortsvereinen, die die Kordeler Kirmes organisierten. "Wenn wir auf diese Summe kommen, haben wir viel erreicht", hatte Alice Kauth im Vorfeld gesagt. Es wurden sogar 15 000 Euro. "Ich war überwältigt", gesteht die Initiatorin. Zu dem stolzen Ergebnis trugen aber nicht nur die Kordeler bei. "Es kamen auch viele Spenden aus anderen Orten", erzählt Kauth, "vor allem von der Sauerschiene." Dabei sind die Menschen am Grenzfluss ebenfalls hochwassergeplagt. "Die Leute an den Flüssen sind sensibilisiert", erläutert die Spenden-Initiatorin die Hilfsbereitschaft entlang der Gewässer. Doch wer sollte das Geld bekommen? Kauth: "Wir wollten einem Ort helfen, der so groß ist wie Kordel, nicht so in den Schlagzeilen war, aber trotzdem Hilfe benötigte." Ein junger Mann aus dem Erzgebirge, der in Kordel arbeitet, verwies die Organisatoren an die Kleinstadt Olbernhau, speziell auf den Ortsteil Rothenthal. In der Nähe befindet sich das Quellgebiet mehrerer kleiner Gewässer. Anfang Oktober fuhren Alice Kauth und zwei Mitstreiter nach Olbernhau. Im Gepäck den Scheck über 15 000 Euro. Adressat waren Vertreter der Verwaltung. "Die Maßgabe war, das damit ausschließlich Privatleute unterstützt werden", erläutert Alice Kauth. Viele Schäden waren schon beseitigt. Und doch kehrte das Trio betroffen nach Kordel zurück. Kauth: "Das war eine ganz andere Dimension als bei uns, so etwas hatten wir hier noch nicht." Vor wenigen Wochen kam ein Dankschreiben aus dem Erzgebirge. Es enthielt auch eine Aufstellung, wer in den Genuss der Spenden gekommen ist. Hochwasser-Hilfe ist derzeit auch in der VG Trier-Land erwünscht. Die VG stellt 40 000 Euro zur Verfügung. Anträge sind bis zum 31. Januar bei der Verwaltung einzureichen. Bisher sind bereits etwa 30 Anträge eingegangen. Auf Anregung der SPD Trier-Land läuft auch eine Spendenaktion. Spenden können auf das Konto 893 bei der Sparkasse Trier (BLZ 585 501 30 ) eingezahlt werden.