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Bereitschaft, aber auch Bedenken

FOTO: (h_hochw )
Greimerath. Wie sollen die bis zu 30 Flüchtlinge betreut werden, die der Kreis in der bisherigen Ferienpension Christina in Greimerath unterbringen will? Darüber wurde am Mittwoch in der Grimoldhalle informiert. Die Bürger konnten ihre Fragen und Bedenken loswerden. Eine große Sorge der ehrenamtlichen Helfer im Ort ist, dass sie mit der Situation alleingelassen werden. Christa Weber

Greimerath. "Es soll heute niemand mit der Faust in der Tasche nach Hause gehen": Mit diesen Worten umschrieb Sozialdezernent Joachim Christmann das Ziel der Kreisverwaltung Trier-Saarburg für den Informationsabend in der Greimerather Grimoldhalle. Etwa 50 Bürger waren gekommen, um mehr zu erfahren über die Pläne des Kreises, im Ferienhaus Christina Wohnungen für Flüchtlinge einzurichten.
Auf dem Podium saßen auch der Greimerather Ortsbürgermeister Edmund Schmitt, der Keller VG-Bürgermeister Martin Alten, der Saarburger Polizeichef Markus Kohl und Bernhard Jocher, Abteilungsleiter Asyl bei der Caritas. Von ihnen bekamen die Zuhörer zunächst umfassende Informationen über die aktuelle Lage bei der Betreuung und Unterbringung Asylsuchender im Landkreis.
Pflicht auf alle Schultern verteilt


Laut VG-Chef Martin Alten sind derzeit 200 Asylbewerber in den 13 Dörfern der VG Kell untergebracht. Das Zusammenleben funktioniere gut, auch dank der vielen ehrenamtlichen Helfer. Kreis-Dezernent Christmann betonte die "Verpflichtung aller Kommunen", Asylsuchende aufzunehmen. Diese Aufgabe müsse man "gemeinsam schultern". Auch in diesem Jahr sei trotz des momentanen Rückgangs "mit massiven Flüchtlingszahlen zu rechnen", kündigte Christmann an.
Mit der Caritas und anderen Partnern habe der Kreis ein Betreuungskonzept für die Menschen in den Gemeinschaftsunterkünften entwickelt. Gerechnet werde mit einem Sozialarbeiter pro 100 Flüchtlingen: "Das ist viel mehr als in anderen Kreisen."
Um die neue Unterkunft in Greimerath werde sich ein Sozialarbeiter von Saarburg aus kümmern, der zu festen Sprechzeiten auch vor Ort sein werde, erläuterte Bernhard Jocher von der Caritas. Laut Christmann sollen in den sieben unterschiedlich großen Appartements im Haus Christina bis zu 30 bereits anerkannte Flüchtlinge leben. Sobald der Kaufvertrag unterzeichnet sei, werde man in den Gemeinschaftsunterkünften des Kreises nach geeigneten Bewohnern suchen. Angestrebt werde ein "Mix" aus Familien und allein Reisenden.
Der Zeitpunkt des Einzugs stehe noch nicht fest, aber es wird "eher in drei als in sechs Monaten sein". Woher die künftigen Bewohner stammten, sei noch offen. Laut Bernhard Jocher haben aber vor allem Flüchtlinge aus Syrien, dem Irak und Eritrea gute Chancen auf eine Anerkennung. Wenn diese nach Greimerath kämen, hätten sie bereits "erste Deutschkenntnisse", besuchten Integrationskurse, seien krankenversichert und erhielten Arbeitslosengeld II.
In einer intensiven Diskussion konnten die Zuhörer Fragen, Anregungen und Bedenken loswerden. Zu Wort meldeten sich vor allem die ehrenamtlichen Helferinnen, die im VG-weiten Flüchtlingshilfe-Netzwerks aktiv sind. Zu viert kümmern sie sich um die etwa zehn Flüchtlinge, die bereits im Ort leben. Brigitta Rudolf fragte nach, wie die Flüchtlinge zum Einkaufen, zum Jobcenter nach Hermeskeil oder zum Integrationskurs nach Trier kommen sollten: "Die Buspläne geben das nicht her." Das sei ein Problem, mit dem auch die Greimerather klarkommen müssten, erklärte Christmann. Man müsse die Flüchtlinge auch "in die Lage versetzen, dass sie sich selbst helfen können". Ohne Unterstützung der Ehrenamtlichen werde es aber nicht gehen.
Daraufhin forderte Christel Martin mehr Unterstützung durch Verwaltung und Hauptamtliche: "Wir wollen den Menschen helfen. Aber wir können nicht die Grundprobleme lösen", sagte sie und erntete dafür Applaus. Martin berichtete von einer jungen Helferin, die im Krankenhaus aufgefordert worden sei, für die Behandlungskosten eines Flüchtlings zu bürgen: "Da ist eine Grenze erreicht."
Eine Nachbarin äußerte ihr Bedauern über die Aufgabe der Ferienpension Christina. Viele Urlauber kämen "seit 30 Jahren". Christmann betonte, dass der Besitzer das Haus selbst angeboten habe und es offenbar nicht mehr touristisch nutzen wolle. Die Anwohnerin erkundigte sich außerdem nach dem Sanierungsbedarf, der aus ihrer Sicht "erheblich" sei. Dem widersprach der Dezernent. "Wir gehen von keinen größeren Renovierungen aus."
Polizei sieht keine Probleme


Geäußert wurden auch Sicherheitsbedenken. Eine Zuhörerin fragte nach möglichen rechtsradikalen Übergriffen. Dazu erklärte der Leiter der Saarburger Polizeiinspektion Markus Kohl: "Wir haben bislang überhaupt kein Problem mit Gewaltdelikten gegenüber der Bevölkerung." Dasselbe gelte für Aktivitäten von Rechtsradikalen. Ortsbürgermeister Edmund Schmitt warnte davor, "Angstgefühle aufzubauen". Es gehe um "Menschen wie du und ich, die hier eine Bleibe suchen".
Es könne "noch nicht alles rundlaufen", bilanzierte Christmann. Gleichwohl dürften die Helfer "nicht überfordert werden". Sie müssten nun bald "mit den Hauptamtlichen zusammengebracht werden, "damit wir für Greimerath lokale Lösungen finden".Meinung

Noch viel Überzeugungsarbeit nötig
Der Informationsabend zur geplanten Flüchtlingsunterkunft in Greimerath hat zwei wichtige Erkenntnisse gebracht: Es gibt eine große Bereitschaft im Ort, den neuen Bewohnern unter die Arme zu greifen. Aber es gibt auch eine deutliche Furcht bei den ehrenamtlich Engagierten, mit der Lösung von Problemen, die sie auf sich zukommen sehen, alleingelassen zu werden. Hier sind jetzt der Kreis und auch die Caritas gefordert, diese Ängste zu nehmen und für die benannten Probleme wie etwa die fehlenden Busverbindungen Lösungen zu finden. Dafür sollte man jetzt zügig auf die Helfer zugehen und genauer erfragen, wo der Schuh drückt. Denn die Ehrenamtlichen sind diejenigen, die fast täglich mit den Flüchtlingen zu tun haben, die deren Bedürfnisse im Alltag hautnah mitbekommen. Dieses Wissen könnte auch die Arbeit des Sozialdienstes erleichtern, der nicht permanent vor Ort sein wird. Sicher, nicht alle Hürden lassen sich auf Anhieb überwinden. Aber das erwarten die Helfer auch nicht. Was sie zu Recht erwarten, ist, dass man ihnen bei ihrer Aufgabe zur Seite steht. c.weber@volksfreund.de

 Das Haus Christina diente bislang als Ferienpension. Der Kreis Trier-Saarburg will es kaufen und dort Wohnungen für Flüchtlinge einrichten.
Das Haus Christina diente bislang als Ferienpension. Der Kreis Trier-Saarburg will es kaufen und dort Wohnungen für Flüchtlinge einrichten. FOTO: (h_hochw )
 Sozialdezernent Joachim Christmann (hier neben dem Greimerather Ortsbürgermeister Edmund Schmitt, rechts) steht den Bürgern Rede und Antwort.
Sozialdezernent Joachim Christmann (hier neben dem Greimerather Ortsbürgermeister Edmund Schmitt, rechts) steht den Bürgern Rede und Antwort. FOTO: (h_hochw )