Tage der offenen Weinkeller Einmal Eiszeit und zurück

Nittel · Der berühmte Nitteler Mammutschädel ist während der Tage der offenen Weinkeller im Bürgerhaus ausgestellt. Doch das ist nicht die ganze Geschichte.

Hans-Josef Wietor (links) und Paul Trauden von den Nitteler Geschichts- und Kulturfreunden platzieren den Mammutschädel auf der Bühne des Nitteler Bürgerhauses.   

Hans-Josef Wietor (links) und Paul Trauden von den Nitteler Geschichts- und Kulturfreunden platzieren den Mammutschädel auf der Bühne des Nitteler Bürgerhauses.  

Foto: Jürgen Boie

Die Nitteler Geschichte fängt üblicherweise bei den Kelten und den Römern an. Doch den Geschichts- und Kulturfreunden im Weinort an der Obermosel ist mit der Präsentation eines 1875 im Bahntunnel zwischen Nittel und Wellen entdeckten Mammutschädels gelungen, einen Blick in die Frühgeschichte zu werfen.

Man kann es sich heutzutage kaum vorstellen, dass vor 10 000 oder 20 000 Jahren Mammuts friedlich in den Moselauen nach Futter suchten. Die riesigen Landtiere waren rund 100 000 Jahre in Mitteleuropa heimisch. Sie wurden vom frühen Homo sapiens zum Nahrungserwerb bejagt. Doch ihr Aussterben in Mitteleuropa ist nicht auf die Jagd, sondern eher auf einen Klimawandel zurückzuführen. Die an kaltklimatische Steppengebiete angepassten Tiere fanden aufgrund einer durch eine Warmphase verursachten ungewöhnlich schnellen Bewaldung in Mitteleuropa auch an der Mosel keinen geeigneten Lebensraum mehr vor.

Das schreibt die Geologin Daniela Kalthoff aus Bonn als Gastautorin in der „Geschichte des Ortes Nittel“, die der Vorsitzende der Geschichts- und Kulturfreunde Nittel, Hans-Josef Wietor verfasst hat.

Dass der Nitteler Mammutschädel so gut erhalten ist, kommt einer Sensation gleich, denn normalerweise verwesen die Knochen eines Mammuts recht schnell. Hier muss die Mosel tüchtig mitgeholfen und die Knochen lange luftdicht mit Wasser abgedeckt haben. Möglicherweise hat ein Hochwasser das Mammut in den Fluss gerissen. Dort ertrank das Tier, wurde von Sedimenten bedeckt und so vor Aasfressern geschützt.

Die Geschichts- und Kulturfreunde Nittel halten seit Jahren Kontakt zu dem paläontologischen Institut an der Universität Bonn, wo der Mammutschädel seit den 1950er Jahren aufbewahrt wird. Hans-Josef Wietor bekam daher ausgesprochen schnell die Zusage, dass der Nitteler Schädel für eine Ausstellung nach Nittel ausgeliehen werden konnte.

Mit der Unterstützung eines Nitteler Winzers, der ein geeignetes Transportfahrzeug zur Verfügung stellte, holten Wietor und sein Kollege Paul Trauden den riesigen Schädel nach Nittel, wo er unter dem Titel „Ein Mammut kehrt zurück“ zeitgleich zu den Tagen der offenen Keller im Nitteler Bürgerhaus ausgestellt wurde. Mehrere Hundert Besucher ließen sich die Gelegenheit nicht entgehen und bestaunten den Schädel.

Darüber hinaus gab es in der Ausstellung Dokumente aus der Nitteler Ortsgeschichte, Fotos von römischen Münzen und anderen Funden aus der Kelten- und Römerzeit sowie Luftbilder von Nittel aus dem Jahr 2000 zu sehen. Wem die Schau „Ein Mammut kehrt zurück“ nicht ausreicht, kann sich über die Urzeit, in der Mammuts an der Mosel lebten, auf dem geologischen Lehrpfad informieren. Der Pfad, den die Nitteler Geschichts- und Kulturfreunde gemeinsam mit Gleichgesinnten im luxemburgischen Machtum entwickelt haben, gibt Einblicke, wie sich die Landschaft und die Pflanzen- und Tierwelt verändert hat. Die Tafel am Ortseingang Wellen (von Nittel kommend) beschäftigt sich explizit mit dem Nitteler Mammut. Denn dort ist der Eingang zum Bahntunnel, dessen Bau den Schädel einst zutage gefördert hat. Ortsbürgermeister Peter Hein dankte den Geschichts- und Kulturfreunden für ihre tolle Arbeit: „Solche Ausstellungen machen Geschichte anfassbar. Ein Mammutschädel wie der ezeigte ist echt und nicht nur eine Notiz in einem Geschichtsbuch.“