Bescheid wartet auf Bescheid

Licht und Schatten liegen derzeit für die Gemeinde Bescheid dicht beieinander. Finanziell, das belegt der jetzt verabschiedete Haushalt 2009, steht der 420-Einwohner-Ort gut da. Aber ausgerechnet mit seinem wichtigsten Projekt - der Einrichtung eines Dorfladens mit Mehrgenerationen-Angebot - hängt er in der Warteschleife.

Bescheid. Das marode Haus in der Dhrontalstraße 4 hat die Gemeinde für 28 000 Euro bereits gekauft, auch die Pläne für den Umbau sind gemacht und haben 15 000 Euro gekostet. Doch wann die Bescheider mit ihrem zentralen Vorhaben für die Dorfentwicklung loslegen können, steht in den Sternen. "Wir wissen momentan nicht, woran wir sind", sagt Ortsbürgermeister Raimund Olinger.

Für circa 450 000 Euro will die Kommune die "Ruine" mitten im Ortskern umbauen und im Erdgeschoss einen Laden einrichten, in dem sich die Bescheider und die Bewohner der Nachbarorte mit Waren für den täglichen Bedarf eindecken können - dafür ist ein Pächter bereits gefunden. Im Obergeschoss ist in einem Multifunktionsraum ein "Mehrgenerationen-Service" geplant. Das Angebot soll vom Internet-Cafe über Postdienstleistungen bis hin zu einem Mittagstisch reichen (der TV berichtete).

Knapp 230 000 Euro will die Gemeinde dafür selbst in die Hand nehmen, der Rest soll durch einen Zuschuss aus dem europäischen Leader-Programm finanziert werden. Über die Verteilung dieses Fördertopfs entscheidet das Land. Und in Mainz liegt der Bescheider Antrag auch vor. "Eine Aussage, ob und wann wir eine Förderung bekommen, haben wir aber noch nicht. Dabei müssen wir bald in die Pötte kommen", betont Olinger. Denn unter anderem bestehe die Gefahr, dass "sich der Laden-Betreiber räumlich umorientiert, wenn sich die Sache noch lange hinzieht". Ursprünglich habe man nächstes Frühjahr mit den Arbeiten beginnen wollen. "Das wird aber nicht mehr klappen". Er hoffe dennoch, dass es 2010 mit dem Umbau losgehen kann.

Es gibt aber auch Zahlen und Fakten, die für die Gemeinde erfreulich sind. Der Etat 2009 belegt Schwarz auf Weiß, dass Bescheid - auch dank der Einnahmen aus der Windkraft (jährlich 67 000 Euro) - finanziell gut ausgestattet ist. Neben Rascheid ist sie eine von zwei schuldenfreien Kommunen in der VG Hermeskeil. Im neuen, doppischen Finanzhaushalt übersteigen die Einzahlungen die Auszahlungen um 31 000 Euro. Die 2009 anfallenden Investitionen (19 000 Euro) können daher ohne Kredite finanziert werden, und es können sogar 12 000 Euro auf die hohe Kante gelegt werden. Die "Liquiditätsreserve" (früher die kameralistische "Rücklage") wächst damit auf 140 000 Euro an. Die Eröffnungsbilanz der Gemeinde liegt zwar noch nicht offiziell vor. VG-Kämmerer Hans-Peter Lorang wies aber darauf hin, dass das Anlagevermögen der Gemeinde - zum Beispiel Gebäude - etwa 7,25 Millionen Euro wert ist. Dem stehen auf der Passiv-Seite Sonderposten - etwa Landeszuschüsse - von 2,2 Millionen Euro gegenüber. Das heißt: Bescheid verfügt über eine Eigenkapitaldecke von mehr als fünf Millionen Euro, was laut Lorang für "ein Dorf dieser Größenordnung ein sehr beachtliches Ergebnis ist".