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Besuchsdienst der Saarburger Malteser arbeitet unentgeltlich - Ehrenamtler zur Verstärkung gesucht

Besuchsdienst der Saarburger Malteser arbeitet unentgeltlich - Ehrenamtler zur Verstärkung gesucht

Immer mehr Menschen insbesondere ältere fühlen sich einsam. Ehrenamtler des Malteser Hilfsdiensts in der Verbandsgemeinde Saarburg kümmern sich um diese Menschen und besuchen sie. Davon haben beide Seiten etwas, sagt Koordinatorin Anna Remmer.

Einsamkeit macht krank. Wie Studien zeigen, kann sie Depressionen und Schlafstörungen auslösen. Sie kann aber auch zu Bluthochdruck und Herzerkrankungen führen und den geistigen Abbau im Alter beschleunigen. Und das Problem wächst. "Die Zahl der älteren und einsamen Menschen steigt", sagt Anna Remmer. Sie muss es wissen, denn sie koordiniert den ehrenamtlichen Besuchs- und Begleitungsdienst des Malteser Hilfsdiensts in der Verbandsgemeinde Saarburg.

Der Bedarf: Genaue Zahlen kann Remmer nicht nennen, denn die Malteser registrieren die Anfragen nicht, denen sie gerade nicht entsprechen können. Doch schätzt Remmer: "Ich könnte spontan mehr als zehn weitere Besuchsdienstler einsetzen." Sie gibt auch zu bedenken, dass viele einsame Menschen sich gar nicht bei den Maltesern melden.

Beim Besuchs- und Begleitungsdienst betreuen derzeit zehn Ehrenamtler etwa 15 bis 20 Menschen. Sieben Besuchsdienstler haben im vergangenen Jahr 1000 ehrenamtliche Stunden geleistet. Die Koordinatorin will den Dienst ausbauen, das Einzugsgebiet, das noch nicht die ganze Verbandsgemeinde Saarburg umfasst, soll erweitert werden. Zudem gibt es für diejenigen, die nur telefonischen Kontakt wünschen, den Malteserruf. Er befindet sich laut Remmer im Aufbau (siehe Extra).

Die Besuche: Remmer: "Unser Ziel ist es, die Menschen aus der Einsamkeit herauszuholen und ihnen eine abwechslungsreiche Zeit zu schenken." Die Ehrenamtler, zu denen sie selbst gehört, gingen dafür zu den Menschen und machten mit ihnen das, worauf sie Lust hätten. Unentgeltlich. Die einen wollten spazieren gehen oder beim Friedhof vorbeischauen, die anderen im Café sitzen, reden oder gemeinsam einkaufen.

Die Bedürfnisse sind recht unterschiedlich, die Umstände sind es auch. Es gebe Menschen, deren Kinder weggezogen oder gestorben seien, sagt Remmer. Einige seien wegen gesundheitlicher Probleme ans eigene Heim gefesselt. Und dann gibt es aktuell auch einen ganz anderen Fall. Remmer: "Gerade ist eine Anfrage reingekommen von einer Familie, die den 91-jährigen Vater im Haus behalten will. Er wird schon rundum betreut, doch wird jemand gesucht, der für Abwechslung sorgt, mit dem Mann redet oder Schach spielt."

Generell sei die Einsamkeit zu Hause am größten, aber auch im Krankenhaus oder in Pflegeheimen würden Menschen auf Besuch warten, sagt Remmer. Einen Betroffenen möchte sie dem TV zur Befragung nicht vermitteln. Remmer: "Das Thema kann aufwühlen und hat auch schon zu Tränen geführt." Zudem beschäftige es den Befragten unter Umständen auch nach dem Besuch weiter.

Vorbereitung auf das Ehrenamt: Der Besuchsdienstler trägt eben Verantwortung. Doch er erhält auch Unterstützung. Rolf Theis, Mediziner und ehrenamtlicher Geschäftsführer der Malteser in der VG Saarburg, sagt: "Die Ausbildung ist wichtig. Die Besuchsdienstler machen einen Erste-Hilfe-Kurs bei uns, den sie alle zwei Jahren auffrischen." Auch werde der Blick geschult, um wichtige Fragen zu klären wie: Wo steht das Telefon? Wo ist die Nummer des Hausarztes? Welche Medikamente werden genommen und welche Stolperfallen müssen gegebenenfalls beseitigt werden?

Alle zwei Monate etwa gibt es laut Remmer zudem ein Treffen der Ehrenamtler, bei Bedarf auch öfter. Bei diesen Treffen würden sie sich austauschen über ihre Erfahrungen und einzelne Fälle, Vertraulichkeit werde stets gewahrt. Remmer: "Daraus ergeben sich auch Themen, zu denen wir Referenten einladen wie zum Beispiel zum Thema Vorsorgevollmacht."

Stoßen die Besuchsdienstler auf weitergehende Probleme, vermitteln sie zu anderen Diensten wie Essen auf Rädern, Krankenpflege, Hospizdienst oder den Hausnotruf. Zeitlich soll das Ehrenamt im Rahmen bleiben. Remmer: "Ein bis zwei Stunden pro Woche sollten die Helfer bei freier Zeiteinteilung schon mitbringen." Besuche alle zwei Wochen seien optimal. Der Weg zum einsamen Menschen solle zudem nicht zu weit sein, damit die Zeit auch optimal genutzt werden könne.

Fazit: Für Remmer ist klar, dass der Besuchsdienst beiden Seiten nutzt. Sie sagt: "Es ist schön, die Freude zu erleben, wenn man vorbeikommt. Dieses Ehrenamt gibt mir auch Anerkennung."Meinung

Wichtige ArbeitDie Menschen werden immer älter, die älteren immer mehr. Schon jetzt sind 4300 Menschen in der Verbandsgemeinde Saarburg mit ihren rund 23 000 Einwohnern 65 Jahre alt und darüber. Das sind 18,6 Prozent. Viele von ihnen sind vermutlich noch fit und nicht unbedingt einsam. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und angesichts der Tatsache, dass intakte Familienstrukturen immer weniger selbstverständlich sind, ist jedoch damit zu rechnen, dass die Zahl der älteren, einsamen Menschen steigen wird. Sicherlich kann jeder helfen, indem er nach einsamen Menschen in seiner Umgebung schaut und sie unterstützt. Es wird immer wichtiger, dass es engagierte Leute gibt, die sich um diese Menschen kümmern. Gut also, dass sich der Malteser Hilfsdienst dieser Aufgabe angenommen hat. Auch die Seniorenbegleiter in den aktiven Dorfgemeinschaften des Saarburger Modells sind dafür da. Diese Arbeit ist wichtig, verdient Respekt und Unterstützung. m.maier@volksfreund.deExtra

Kontakt: Wer gerne beim Besuchsdienst mitmachen möchte, kann beim Malteser-Handy anrufen, ebenso diejenigen, die besucht werden möchten oder Kontakt am Telefon wünschen. Die Nummer: 0151/61139979.
Der Malteser Hilfsdienst ist eine katholische Hilfsorganisation. In der Verbandsgemeinde Saarburg haben die Malteser 700 Fördermitglieder und bieten neben dem Besuchs- und Begleitungsdienst einen Hospizdienst an, der Mitglied im Hospiz-Palliativ-Netz Saarburg ist. Sie organisieren zudem Erste-Hilfe-Kurse und Vorträge zusammen mit der Katholischen Erwachsenenbildung beispielsweise zum Thema "Alter und Pflege".
Weiteres Angebot in Planung: Auch auf der Homepage des Mehrgenerationenhauses in Saarburg ist ein Seniorenbesuchsdienst zu finden. Er ist bei der Ehrenamtsbörse der Verbandsgemeinde angesiedelt. Doch deren Leiter Kilian Zender sagt: "Dieser Dienst hat in der Vergangenheit etwas gelitten." Es gebe immer wieder Anfragen und einzelne Menschen würden auch betreut, allerdings existiere die Besuchsdienstgruppe, die es einmal gegeben habe, nicht mehr. Doch das solle sich ändern. Ziel sei es, eine neue Gruppe mit Qualifizierung in Zusammenarbeit mit den Maltesern im kommenden Jahr aufzubauen. Bei der Zielgruppe denkt Zender nicht nur an ältere einsame Menschen, sondern auch an geistig behinderte Menschen in den Einrichtungen der Lebenshilfe in Konz und Saarburg beispielsweise. Einige von ihnen hätten keine Familie mehr, bei anderen fühle sich diese nicht zuständig. Zum Vorlesen oder Spielen fehle den Mitarbeitern in den Einrichtungen oft die Zeit. mai