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Betreiber: Ankauf der Hunsrückbahn wäre ein Schnäppchen

 262 Meter lang und 40 Meter hoch: Bernd Heinrichsmeyer bedauert, dass über das Hoxeler Viadukt nur Reparaturzüge fahren dürfen. TV-Foto: Herbert Thormeyer
262 Meter lang und 40 Meter hoch: Bernd Heinrichsmeyer bedauert, dass über das Hoxeler Viadukt nur Reparaturzüge fahren dürfen. TV-Foto: Herbert Thormeyer
Hermeskeil/ Thalfang/ Morbach. Seit 2009 kämpfen die Landkreise Bernkastel-Wittlich und Trier-Saarburg sowie die Anrainerkommunen der Hunsrückbahn, Hermeskeil, Thalfang und Morbach, um den Ankauf der Trasse zwischen Hermeskeil und Morbach. Es geht um 400 000 Euro für 50 Kilometer Gleis. Die rot-grüne Landesregierung sperrt sich gegen das Projekt. Herbert Thormeyer

Hermeskeil/ Thalfang/ Morbach. Die Gleise sind verrostet, ein sicheres Zeichen, dass hier schon lange kein Zug mehr durchgekommen ist. Bernd Heinrichsmeyer, Prokurist der HEB Hunsrück Eisenbahninfrastruktur GmbH, steht auf dem Hoxeler Viadukt und zeigt auf das Glanzstück der Hunsrückstrecke zwischen Hermeskeil und Morbach: 262 Meter lang und 40 Meter hoch. Sein Traum, ununterbrochen 50 Kilometer auf der Schiene zwischen Hermeskeil und Büchenbeuren fahren zu können, bleibt vorerst unerfüllt.
Das 31 Kilometer lange Teilstück zwischen Hermeskeil und Morbach darf lediglich zur Instandhaltung befahren werden. Eine Freigabe kann nur das Infrastrukturministerium in Mainz aussprechen. "Die Fachkunde und Zuverlässigkeit traut man uns zu, aber leider nicht, dass wir das finanziell schaffen", bedauert Heinrichsmeyer, dessen HEB die Trasse bis 2015 gepachtet hat. Die Lösung: Zwei Landkreise und drei Kommunen kaufen das 50 Kilometer lange Gleis für 400 000 Euro. "Das wäre ein echtes Schnäppchen, denn allein der Schrottwert von Gleisen und Schwellen aus Stahl liegt bei 900 000 Euro", rechnet Heinrichsmeyer vor.
Anfang 2010 zog die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion Trier (ADD) die Notbremse. Der Kauf wurde wegen defizitärer Haushalte der beiden Landkreise untersagt. "Es liegt bislang kein Antrag auf Betreiben der Strecke vor", sagt der Sprecher des Infrastrukturministeriums in Mainz, Joachim Winkler. "Stimmt", bestätigt Heinrichsmeyer, denn: "Unter den derzeitigen Bedingungen hätten wir keine Chance auf eine Genehmigung."

Bahn bei Touristen beliebt



Voraussetzung für eine solche Genehmigung ist laut Winkler für die Kommunen und Landkreise, die notwendigen Nachweise zu erbringen, die eine dringende Investition belegen könnten, etwa aus Gründen des Allgemeinwohls, um die haushaltsrechtlichen Voraussetzungen für einen Erwerb der Strecke zu schaffen.
Dass die Hunsrückbahn Touristen anlockt, zeigen die aktuellen Zahlen: Rund 5000 Fahrgästen zählte die 19 Kilometer lange Strecke zwischen Morbach und Büchenbeuren seit dem 1. Mai. "Eine Freigabe würde den Umsatz beflügeln und weitere Arbeitsplätze schaffen", ist sich Heinrichsmeyer sicher.
Es sei zu früh, eine Aussage über die Einbindung der Bahnstrecke in das angedachte Nationalparkkonzept Hunsrück zu machen, sagt Ministeriumssprecher Winkler weiter. Im Übrigen sei das ein Projekt des Umweltministeriums. Die beiden Landkreise und drei Kommunen stehen weiter zum Ankauf der Hunsrückbahn, wie auf TV-Anfrage bestätigt wurde. Der Wille zu neuen Verhandlungen wird deutlich.
Extra

Die Hochwaldbahn (HWB)- Unternehmensgruppe hat folgende Struktur: Die HEB-Hunsrück Eisenbahninfrastruktur GmbH ist Betreiberin der Strecke. Die HWB-Verkehrsgesellschaft mbH stellt die Konzession. Der Saar-Hunsrück-Express der Heinrichsmeyer-Eisenbahn- Dienstleistungs-U.G. (Unternehmergesellschaft) Trier befährt die Strecke als Marke. Die Unternehmensgruppe beschäftigt derzeit zwölf Mitarbeiter, davon sechs Lokführer, und verfügt über fünf Lokomotiven, 13 Triebwagen und 20 Waggons. Haupteinnahmequelle ist der Gütertransport. doth