Betreiber des Konzer Bunkermuseums: "Leider kommen meist die Falschen"

Betreiber des Konzer Bunkermuseums: "Leider kommen meist die Falschen"

Am 8. Mai 1945 war der Zweite Weltkrieg zu Ende. Deutschland hatte kapituliert. Der zweite große Weltenbrand hinterließ nicht nur in den Köpfen viele Erinnerungen. Ein Westwallbunker hinter der Konzer Granastraße 25 lässt die grausame Vergangenheit erahnen.

Villa Gartenlaube - der Name lässt kaum ein Bauwerk des Kriegs vermuten. "Die Nummer des Bunkers war dem Feind bekannt, also musste ein Tarnname her, den sich der erste Soldat ausdachte, der den Bunker betrat", erklärt Hans Berweiler einer Gruppe von Menschen, die diese kleine Verteidigungsanlage in einer ehemaligen Laubenkolonie am Wochenende besichtigt haben.

Seit genau einem Jahr betreibt er mit Sohn Sascha dort ein Museum, denn: "Mittlerweile ist die dritte Nachkriegsgeneration da, und die weiß immer weniger über den Krieg." Am Tag der Kapitulation, dem 8. Mai, sollte nicht vor dem Vergessen kapituliert werden.
Bruno, der Wachsoldat in Wehrmachtsuniform, steht als Schaufensterpuppe vorne an der Granastraße, um deutlich zu machen, dass hier heute etwas anders ist als sonst. Eine weitere Puppe dient als Bunkerwart. "Das waren meist Veteranen aus dem Ersten Weltkrieg und deshalb nicht besonders zimperlich", sagt Berweiler, bevor es entlang einer original Fliegerbombe, einer fliehenden Familie mit Ziehwägelchen und einem sogenannten Gasjäckchen für Kleinkinder, einem seltenen Ausstellungsstück, gebückt in den niedrigen Einstieg geht.

"Schläge und Vergewaltigungen"

Bis zu 25 Menschen drängten sich während des Krieges in dem ersten Raum, in Schach gehalten durch den bewaffneten Bunkerwart, der so Panik zu verhindern versuchte. Draußen fielen Bomben und ließen den kleinen Bunker erzittern. Im zweiten Geschoss versuchten Soldaten per Maschinengewehr die Verteidigung. Die Ausstattung im Bunker ist authentisch. Die weiteren Ausstellungsstücke stammten leihweise aus dem saarländischen Dillingen, dem Militärmuseum Diekirch und aus dem Roscheider Museum. Dass diese Art der Verteidigung nichts nutzte, ist bekannt. Besucher Andreas Rival aus Saarlouis sagt: "Das ist hier sehr authentisch und die Enge sehr beklemmend. Die Leute saßen da wie unter einer Glocke." Eva-Maria Altena (29) vom Bund für Umwelt und Naturschutz in Trier meint: "Die Vorstellung ist beklemmend, gerade weil auch Kinder hier drin waren." Deshalb sei der Bunker ein gutes Anschauungsbeispiel. Dr. Albrecht Gill ist Referent bei der Gedenkstätte des KZ Osthofen bei Worms. Er weiß noch viel mehr über den Westwall: "Unter dem Bau dieser Verteidigungsanlage litt die gesamte Bevölkerung. Die Bauleute mussten nicht nur verköstigt werden. Es kam auch zu Schlägereien und Vergewaltigungen." Solche Bunker dienten seiner Ansicht nach vor allem der Propaganda, denn kaum waren sie fertig, waren sie auch schon veraltet und: "Die Angreifer überrollten die Linie ohne Probleme." 2070 Besucher aller Generationen empfing Familie Berweiler in einem Jahr, rund 150 waren es am vergangenen Wochenende. Im Gästebuch finden sich ausschließlich positive Eintragungen. Wer eine Führung mitmacht, kommt nachdenklich aus dem Bunker, der auf immer größeres Interesse stößt. Eines stört Hans Berweiler jedoch: "Es kommen meist die Falschen." Die Anhänger von Nazi-Parolen, die hier sehen könnten, wohin dieses Gedankengut führe, fehlten bislang. doth

Führungen können auch weiterhin unter Telefon 0178/ 8817014 vereinbart werden. Besonders willkommen sind Schulklassen. Weitere Infos unter www.westwallmuseum-konz.de

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