Betreuungsangebote reichen aus

KELL AM SEE. Die allgemeine gesellschaftliche Entwicklung weist eindeutig in diese Richtung: Der Wunsch nach längeren Betreuungszeiten für Kindergartenkinder und Schüler wird immer größer. Eine aktuelle Elternumfrage in der Verbandsgemeinde (VG) Kell am See ergibt jedoch ein anderes Bild: Dort gibt es über die bestehenden Möglichkeiten hinaus keinen Bedarf nach zusätzlichen Angeboten.

Das Ergebnis ist weniger überraschend, wohl aber seine Eindeutigkeit: Vor den Ferien wollte die Verbandsgemeinde-Verwaltung Kell am See von den Eltern von 1448 Kindern bis 14 Jahren wissen, welche zusätzlichen Betreuungsangebote sie sich in der VG in den fünf Kindergärten, den sieben Grundschulen und der Regionalen Schule wünschen würden - eine Bedarfsermittlung wird so etwas allgemein genannt. Denn nur so sei es möglich, "die Planungen möglichst rechtzeitig und möglichst zielgerichtet in die Wege zu leiten", informierte das Rathaus die Adressaten der Umfrage. Schließlich wissen Verwaltung und die politisch Verantwortlichen in der VG, dass auch in Kell und Umgebung die Zahl der Alleinerziehenden oder der Familien, in denen beide Elternteile berufstätig sind, wächst.Nur 28 Eltern melden Interesse an

Allerdings hatten in den zurückliegenden Jahren schon mehrere Umfragen gezeigt, dass der Bedarf nach Einführung einer Ganztagsschule in der VG weit unter der vom Land geforderten Mindest-Teilnehmerzahl liegt. Der Trend war also vorhersehbar: Doch die konkrete Reaktion auf die aktuelle Befragung, die auch die Kindergärten einschloss, kam selbst für den Bürgermeister überraschend. "Ich hätte schon mit deutlich mehr Rückmeldungen gerechnet", bekennt Werner Angsten (CDU). Lediglich 28 Eltern signalisierten nämlich ihr Interesse an zusätzlichen Betreuungsangeboten. Unzufrieden ist Angsten mit dem Ergebnis jedoch nicht. Im Gegenteil: "Man muss es positiv sehen", betont der Rathaus-Chef. Denn die Befragung habe zweierlei bestätigt. Erstens: "Viele Kinder sind schon ausreichend versorgt", sagt Angsten und verweist auf die bestehenden beziehungsweise nach den Sommerferien startenden Zusatzangebote in der Verbandsgemeinde (siehe Hintergrund). Zweitens sieht der Bürgermeister das Umfrage-Resultat auch als klaren Beleg dafür, dass in der VG "die Familie und der dörfliche Verband noch so gut funktionieren, dass nachmittags die Betreuung von Kindern abgedeckt werden kann." Gerne zitiert Angsten in diesem Zusammenhang die Aussage von Johannes Jung, Ministerialrat im Mainzer Bildungsministerium, der bei einer Info-Veranstaltung zum Thema "Ganztagsschule" das mangelnde Eltern-Interesse darauf zurückgeführt hatte, "dass es in der VG Kell offensichtlich noch genug Omas gibt". Für die Betroffenen, die sich ein besseres Betreuungsangebot gewünscht hätten, sei es zwar selbstverständlich nicht erfreulich. Fest stehe nach dieser Umfrage aber, dass es wegen der fehlenden Nachfrage derzeit keinen weiteren Handlungsbedarf gibt, betont Angsten. Er betont jedoch zugleich: "Wir behalten das Thema aber ständig im Auge, weil die Situation in ein paar Jahren eine ganz andere sein kann."

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