Bewegende Kriegs-Schicksale

In seinem Buch "Zeit ohne Heimat" dokumentiert der Konzer Schriftsteller Hans A. Thiel die letzten Kriegsmonate im Saar-Mosel-Dreieck. Anhand von Fotos, Karten und Aussagen von Zeitzeugen zeichnet er das Geschehen in den evakuierten Orten nach.

Konz. (kpj) Zeitzeugen waren auch dabei, als Hans A. Thiel sein neues Buch "Zeit ohne Heimat" in der Stadtbücherei Konz vorstellte. "Da habe ich als Kind gelebt", sagt ein Mann, als der Autor das Bild eines zerstörten Konzer Hauses auf die Leinwand wirft. Ein anderer Zuhörer erinnert sich, dass er den verheerenden Bombenangriff auf Konz am 11. Mai 1944 als Schüler im Bunker erlebt hat. Diese und ähnliche Schicksale sind es, die Thiel in seinem Buch beschreibt. "Es geht mir in erster Linie um die Menschen", sagt der Autor. Dazu hat er zahlreiche Zeitzeugen befragt, darunter ehemalige Soldaten, und hat Archive in Deutschland, Luxemburg und den USA durchforstet. Herausgekommen ist eine dokumentarische Kombination aus den Erlebnissen und Leiden der Menschen und einer Schilderung der militärischen Abläufe in der Region. Dabei geht es Thiel nicht um eine trockene Darstellung von Truppenbewegungen oder Kampfhandlungen. Er beschäftigt sich vielmehr mit individuellen Schicksalen. Der Brief eines schlesischen Spähtrupp-Soldaten, der im Dezember 1944 in Nittel eingesetzt war, macht die Angst und die Sehnsucht nach einem Kriegsende deutlich. Beklemmend ist auch die Geschichte des amerikanischen Kampf-Piloten Joseph Miller, Sohn eines Auswanderers aus Temmels, der in der Eifel abgeschossen wurde und 1948 seine letzte Ruhe im Familiengrab in Temmels fand. Thiel berichtet von den Feldküchen in Nittel und Kümmern und von den Menschen, die sich im Wellener "Franz Hansen Stollen" in Sicherheit gebracht hatten. Betroffen schildert der Autor die oftmals unerfüllte Hoffnung vieler Frauen auf eine Rückkehr ihrer Männer von der Front. Zahlreiche Fotos und Karten vermitteln darüber hinaus ein eindrucksvolles Bild von den Ereignissen dieser Zeit. Durch die Schilderungen der Zeitzeugen wird "Zeit ohne Heimat" zu einer anschaulichen Dokumentation der letzten Kriegswochen in den Dörfern zwischen Mosel und Saar.